28.12.2007 · In Hessen sind dieses Jahr 107 Drogentote gezählt worden - acht mehr als 2006. Vor allem in Frankfurt stieg die Zahl der Opfer. Heroin ist wieder auf dem Vormarsch. Eine einfache Erklärung gibt es dafür nicht, wie Drogenhelfer sagen.
In Hessen sind im fast abgelaufenen Jahr 2007 mehr Menschen an ihrer Drogensucht gestorben als im Jahr zuvor. Nach vorläufigen Zahlen des Innenministeriums vom Freitag wurden bislang 107 Drogentote registriert, acht mehr als im Jahr 2006. Eine endgültige statistische Aussage zu den Drogentoten in Hessen steht allerdings erst Ende Januar fest.
Besonders in Frankfurt kamen wieder mehr Süchtige ums Leben und zwar 43 nach 31 im Jahr zuvor. So viele Drogentote hat es in der größten Stadt Hessens seit 1995 nicht mehr gegeben, als 47 Opfer zu beklagen waren. Die meisten Drogentoten hatte es 1991 gegeben, damals starben 147 Menschen an den Folgen ihrer Rauschgiftsucht. Die niedrigste Frankfurter Zahl seit vielen Jahren war 2001 mit 21 Fällen beobachtet worden.
Unter den bislang der Polizei bekannten Todesopfern in ganz Hessen waren nur 14 Frauen und 8 Ausländer. Nur ein Opfer war noch nicht erwachsen. Die Masse wurde zwischen 30 und 45 Jahre alt.
Straff organisierte Händlergruppen
In vielen Fällen haben die Süchtigen Heroin oder eine Mischung mehrerer Drogen mit Heroin zu sich genommen. Die Frankfurter Polizei hat dabei geradezu ein Comeback des Heroins beobachtet, das von straff organisierten Händlergruppen in den Markt gedrückt wurde. In der Folge hatten sich die Preise für das zwischenzeitlich vom Kokain-Produkt „Crack“ als Leitdroge fast verdrängte Opiat deutlich gesenkt. Anfang Dezember hatten Zoll und Polizei die Zerschlagung einer aggressiven Händlergruppe aus Mazedonien und Serbien bekannt gegeben, die es auf einen Monatsumsatz von einer Million Euro gebracht haben soll.
Für den deutlichen Anstieg der Drogentoten in Frankfurt gibt es nach Einschätzung von Experten keine einfache Erklärung. Jeder einzelne Fall müsse genauer untersucht werden, erklärten am Freitag die Leiter zweier kommunaler Drogenhilfseinrichtungen im Bahnhofsviertel. Fakt sei das auf mittlerweile 38 Jahre gestiegene Durchschnittsalter der betreuten Süchtigen, sagte die Leiterin des „Café Fix“, Birgit Wichelmann-Werth. Dies bedeute einen Erfolg des Hilfesystems, weil zum einen der Nachwuchs nicht mehr so zahlreich sei und zum anderen die Menschen länger am Leben erhalten werden konnten.
Nach einer Entgiftung wieder in die Szene
„Natürlich führen die Süchtigen ein sehr ungesundes und riskantes Leben. Auch ein paar Jahre Obdachlosigkeit zehren an den Menschen. Wir können nie verhindern, dass diese Leute früher sterben als üblich“, sagte die Chefin der Drogenhilfeeinrichtung. Geradezu klassisch sei der Drogentod von Menschen, die nach einer Entgiftung oder Haft wieder auf die Szene kommen und die eigene Opiat-Toleranz falsch einschätzen. Sie könne auch nicht ausschließen, dass im vergangenen Jahr reineres und billigeres Heroin auf den Markt gekommen sei.
Wolfgang Barth, Leiter eines Konsumraums in der Elbestraße, hält dies allerdings für eine der üblichen Marktschwankungen, die man über die Jahre immer wieder beobachtet habe. Dealergruppen versuchten immer wieder mal, mit niedrigeren Preisen und höherer Qualität ihre Kunden an sich zu binden. Von einem „Comeback“ des Heroins wolle er aber nicht sprechen. „Heroin war und ist die dominante Droge unserer Leute.“
Rauchen der „Steine“ nicht mehr toleriert
Gestoppt scheint hingegen der Vormarsch des Kokain-Produkts „Crack“. Das Rauchen der „Steine“ werde in der Öffentlichkeit nicht mehr toleriert, berichtete Barth, dessen Einrichtung als einzige in der Stadt einen Rauchraum zum Crack-Konsum anbietet. Dieses Angebot werde verstärkt genutzt. Ansonsten finde Crack-Konsum mehr im privaten Bereich statt. „Crack stagniert auf hohem Niveau“, meinte Wichelmann-Werth. Ein großer Teil der Heroinabhängigen nehme auch diese Droge.
Eine deutliche Entspannung der gesundheitlichen Situation Schwerstabhängiger hat nach Einschätzung der Drogenhelfer die von der Stadt organisierte Heroinvergabe an einen kleinen Personenkreis gebracht. Diese habe aber keine Massenwirkung, sagte Wichelmann-Werth.