29.08.2009 · Im Kraftwerk Staudinger wird ein neues Lager samt Gleisen und Förderbändern gebaut. In diesem Jahr soll es in Betrieb genommen werden.
Von Jan Schiefenhövel, GroßkrotzenburgDas neue Kohlelager beim Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg ist nahezu fertiggestellt. Die Bauarbeiten, die im April 2008 begonnen haben, sind zu neun Zehnteln erledigt, wie Bauleiter Arne Köhler gestern bei einer Besichtigung der Baustelle sagte. Die runde Halle werde in diesem Jahr in Betrieb genommen und mit Kohle gefüllt. Fertig seien neue Gleise für die Güterzüge, die Kohle anlieferten, und eine Ausladestation. Auch neue Förderbänder für die Kohle von der Ausladestation zur Halle seien nahezu vollständig errichtet. Nach den Worten des Bauleiters kostet die Halle einschließlich der Gleise und Förderbänder rund 60 Millionen Euro. Die Halle ersetzt das alte Lager, in dem die Kohle auf Halden unter freiem Himmel liegt.
Nach den Plänen des Konzerns Eon, dem das Kraftwerk gehört, soll an der Stelle des alten Kohlelagers der neue Block 6 entstehen. Dieser solle 2013 drei alte Kohleblöcke aus den sechziger und siebziger Jahren ersetzen. Über die Genehmigung von Block 6 entscheidet zur Zeit das Regierungspräsidium in Darmstadt. Falls der neue Block gebaut werden darf, soll voraussichtlich noch eine zweite Lagerhalle für Kohle neben der ersten entstehen. Darüber hat der Konzern nach den Worten der Pressesprecherin Heike Walleter aber noch keinen Beschluss gefasst.
Beton und Holz
Die neue Kohlehalle hat einen Durchmesser von 126 Metern, das kuppelförmige Dach ist in der Mitte 57 Meter hoch. Das Lager fasst nach den Worten des Bauleiters 220.000 Tonnen Kohle. Die drei Meter dicken Betonwände stehen schon, darüber wölbt sich die Dachkonstruktion aus Holzbalken. Nach Köhlers Worten fehlen lediglich noch einige Querbalken, dann kann das Dach mit Wellblechplatten gedeckt werden. Im Falle eines Brands sei Holz widerstandsfähiger als Streben aus Stahl, erläuterte Köhler. Denn Stahl schmelze nach 20 Minuten, Holz dagegen halte einem Feuer länger stand.
Im Inneren der Halle steht schon die Anlage, die die Kohle hinein- und herausbefördert. Ein stählerner Turm ist mehrere Stockwerke hoch, er trägt den „Absetzer“, ein waagerechtes Gestänge aus Stahl mit einem Förderband. Der Absetzer ist drehbar und kann Kohle überall in der Halle abladen. Wird der Brennstoff gebraucht, kratzen die Schaufeln an einem zweiten Gestänge die Kohlebrocken von der Halde herunter zur Mitte der Halle, wo sie durch einen Trichter auf ein Förderband unter der Erde fallen.
Im Falle eines Brands schießen die Wasserkanonen los
Die Anlage kann pro Stunde 2000 Tonnen Kohle in der Halle ablegen und 1000 Tonnen pro Stunde aus dem Lager herausholen, wie Köhler erklärte. Werden verschiedene Sorten des Brennstoffs eingelagert, wird jede auf einer eigenen Halde aufgeschichtet. Im alten, offenen Kohlelager werden die Halden von Bulldozern aufgeschichtet.
Für den Fall eines Brands sind an dem Stahlturm in der Mitte mehrere Wasserkanonen montiert. Es gibt eine Berieselungsanlage, Sensoren für Gas, Rauch und Hitze überwachen die Halle, wie Köhler sagte. Der bestehende Block 5 kann pro Stunde 160 Tonnen Kohle verbrennen, der geplante Block 6 braucht bei Volllast 334 Tonnen pro Stunde. Am neuen Doppelgleis könne ein kompletter Güterzug mit 44 Waggons ausgeladen werden, sagte Köhler.