Fahrer und Beifahrer sind zerknirscht. Sie wissen, dass Ungemach auf sie zukommt. Den Anhänger an ihrem Opel Vivaro hätten nicht sie, sondern Kollegen zu Hause in einer Schlosserei bei Kaiserslautern beladen, sagen sie. Die Entschuldigung wird ihnen nicht viel nützen. Denn rechtlich ist nicht nur der Belader, sondern auch der Fahrer für die Sicherheit eines Transports verantwortlich.
Und dieser Transport hier ist eindeutig unsicher, das sieht auch ein Laie auf den ersten Blick. Die Gurte, die das Wegrutschen einer fünf Meter langen und gewiss 500 Kilogramm schweren Sicherheitstür auf dem Anhänger des Kleintransporters verhindern sollen, sind beschädigt. Und die Ösen in der Ladefläche, an denen die Gurte hängen, sind zu schwach. „Wenn der Fahrer mal scharf bremsen muss, fliegen die raus“, sagt ein Fachmann von der Polizei. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn eine solch schwere Metalltür auf die Fahrbahn rutschte.
Die meisten Mängel stellen die Beamten wie immer bei der Sicherung der Ladung fest
Kollegen des Polizisten haben den Kleintransporter mit Anhänger am Tor 31 des Flughafens auf dem Weg zur Cargo City Süd gestoppt. Die Handwerker aus Kaiserslautern sind nicht die einzigen Fahrer, die gestern Morgen dort in eine gemeinsame Kontrolle der Polizei, des Straßenverkehrsamtes Frankfurt, des Zolls und des Regierungspräsidiums Darmstadt gerieten. Und das Flughafen-Tor 31 war nicht der einzige Ort, an dem Beamte Kleintransporter und Lastwagen anhielten. Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte als federführende Behörde Kontrollen an fünf weiteren Orten veranlasst.
Die meisten Mängel stellen die Beamten wie immer bei der Sicherung der Ladung fest. Die Schlosser aus Kaiserslautern etwa hatten nicht nur die Metalltür auf ihrem Anhänger ungenügend festgezurrt. Dieselbe Nach- und Fahrlässigkeit ließen sie auch im Hauptfahrzeug walten. Dessen Transportraum ist vollgestellt mit Werkzeugen aller Art, lose liegen Profilstangen aus Aluminium herum. Die Fahrer scheinen sich nicht darüber im Klaren zu sein, dass sie mit ihrer Sorglosigkeit nicht nur andere Verkehrsteilnehmer, sonder auch sich selbst gefährden. Ein Hammer oder ein Aluminiumprofil können bei einem scharfen Bremsvorgang zu Raketengeschossen werden. Von solcherart fliegenden Frachtgegenständen sind Fahrer schon geköpft oder durchbohrt worden.
Auch technische Mängel werden festgestellt
Die Schlosser aus Kaiserslautern dürfen sich in schlechter Gesellschaft fühlen. Auch in anderen Fahrzeugen ist die Ladung ungenügend gesichert. Immer wieder stellen die Prüfer auch technische Mängel fest. So sind alle drei Feuerlöscher abgelaufen, die ein Tankwagen mit sich führt, der Baustellenfahrzeuge mit Diesel befüllen soll. Die Kontrolleure haben allerdings schon viel schlimmere Fälle erlebt. Vor einiger Zeit mussten sie einen Tanklastzug aus dem Verkehr ziehen, aus dem Benzin tropfte und dessen Elektrik zudem in einem katastrophalen Zustand war. Irgendwann wäre diese rollende Bombe wohl in einer Feuerwolke explodiert.
Mehr als 500 Nutzfahrzeuge haben allein die Mitarbeiter des Straßenverkehrsamts Frankfurt im vergangenen Jahr bei zwei Dutzend Kontrollen untersucht. An 203 Lastwagen und Sprintern, die Gefahrgüter transportierten, stellten sie Mängel fest. Bei den etwas mehr als 200 kontrollierten Fahrzeugen mit normalen Gütern hatten sie in 154 Fällen etwas zu beanstanden. In 26 Fällen war die Gefährdung so erheblich, dass sie den Fahrern eine Weiterfahrt untersagten.
Ein Zeichen haben man setzen wollen
Die Beamten vom Zoll schauen nicht wie die Kollegen von der Polizei auf die Ladung oder die Lichtanlage eines Fahrzeuges. Sie prüfen die Papiere der Fahrer. Haben sie eine Arbeitserlaubnis? Sind sie sozialversichert? Liegt eine Scheinselbständigkeit vor? Online können sie beim Deutschen Rentenversicherungsverband in Würzburg abfragen, ob ein Fahrer regulär beschäftigt ist und ob für ihn Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Schon mancher Schwarzarbeiter ging dem Zoll bei diesen Kontrollen ins Netz.
Kurz nach elf an diesem Morgen schaut Regierungspräsident Johannes Baron an Tor 31 vorbei. Er hat diese und die Kontrollen an fünf anderen Orten im Regierungsbezirk in die Wege geleitet. Seine Zwischenbilanz lautet: 153 Fahrzeuge wurden überprüft, 85 wurden von den Kontrolleuren beanstandet. Außerdem wurde ein sich illegal in Deutschland aufhaltender Mann festgenommen. Die hohe Zahl der Beanstandungen kann dem Regierungspräsidenten gar nicht gefallen: „Da liegt offensichtlich vieles im Argen.“
Auf der anderen Seite darf sich Regierungspräsident Baron in seiner Entscheidung, Kontrollen veranlasst zu haben, bestätigt sehen. Ein Zeichen haben man setzen wollen, sagt er. Ein Zeichen an die Bevölkerung, dass man sie schütze, und ein Zeichen an die Spediteure und Fahrer, dass man Verstöße nicht hinnehme. Zumindest bei den beiden Schlossern aus Kaiserslautern ist die Botschaft angekommen.
Auffallend viele Sprinter unterwegs
Willy Pertek (Pertek)
- 06.05.2011, 08:55 Uhr
Sorglose Fahrer?
Ulrich Frommelt (vatervonw)
- 06.05.2011, 09:01 Uhr

