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Kommunalpolitik Psychoanalytiker Richter die Ehrenbürgerschaft in Gießen verweigert

21.11.2003 ·  Frankfurt hat Horst-Eberhard Richter für dessen pazifistische Grundhaltung die Goethe-Plakatte verliehen. Aus demselben Grund verweigert Gießen, die Wahlheimat Richters, dem Psychoanalytiker die Ehrenbürgerschaft.

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Nach monatelangem politischen Streit hat die Stadt Gießen dem renommierten Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter die Ehrenbürgerschaft verweigert. Mit der knappen Mehrheit der Koalition aus CDU, FDP und Freien Wählern (FWG) lehnte das Stadtparlament am Donnerstagabend einen Antrag der Sozialdemokraten ab, dem 80 Jahre alten Wissenschaftler die Auszeichnung zu verleihen. Die bürgerliche Mehrheit stört sich unter anderem an der pazifistischen Grundhaltung des Professors und dessen scharfer Kritik am Irak-Krieg. 30 Stadtverordnete votierten gegen den Antrag, 28 Kommunalpolitiker stimmten dafür.

„Es ist lehrreich zu sehen, daß die Gießener CDU geistig näher bei Fulda als bei Frankfurt ist“, sagte Richter am Freitag der dpa. Die Gießener Union lehne die Ehrung mit derselben Begründung ab, mit der ihm der Frankfurter CDU-Magistrat im vergangenen Jahr die Goethe-Plakette zuerkannt habe. Die Stadt Frankfurt hatte Richter den Preis für seine „konsequent pazifistische Grundhaltung“ verliehen, mit der er sich als „mahnende und weithin anerkannte Instanz“ etabliert habe.

„Zur politischen Demonstration mißbraucht“

Mit der Ablehnung der Ehrung werde der Ruf der mittelhessischen Universitätsstadt beschädigt, kritisierte Dietlind Grabe-Bolz von der SPD. Richter habe für Gießen „Unvergleichliches geleistet“. Der Forscher baute ein Zentrum für Psychosomatik auf, das zu einem bundesweiten Modell wurde. Mehr als zehn Jahre lang arbeitete er zudem mit Studenten in Gießener Obdachlosensiedlung „Eulenkopf“. „Wenn man dies alles mit Mühe aufgebaut hat, ist es nicht gerade beglückend, daß es nicht wahrgenommen wird“, sagte Richter.

Die Koalition begründete die Zurückweisung der Ehrenbürgerschaft mit dem Ablauf des Verfahrens: Die SPD habe die Ehrung für den Psychoanalytiker „einseitig“ in Gang gebracht und damit „zur politischen Demonstration mißbraucht“, erklärte FDP- Fraktionsvorsitzender Harald Scherer. Eine „gewisse überparteiliche Akzeptanz“ sei aber für die Verleihung einer Ehrenbürgerwürde nötig.
CDU-Fraktionschef Klaus Peter Möller hatte vor wenigen Monaten noch anders argumentiert: „Uns ist gar nicht klar, was der gute Mann für Gießen getan hat“, sagte er im Juni. In einer „Garnisonsstadt“ wie Gießen, in der seit langem amerikanische Truppen stationiert seien, könne der Achtzigjährige - er gilt als Vater der Friedensbewegung - kein Ehrenbürger werden.

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