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Königstein setzt Wachleute ein Gemeinsam gegen Randalierer

 ·  Königstein schickt private Wachleute auf Streife. Zuletzt wurde aus der Stadt immer häufiger von Gewalt unter Jugendgruppen berichtet, wogegen die Stadt vorgehen will. Die Polizei setzt auf eine „gezielte Ansprache“ auffälliger Jugendlicher.

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Laute Stimmen sind schon aus der Entfernung zu hören. Durch den dunklen Park dringt Grölen aus jungen männlichen Kehlen. Königstein ist in den vergangenen Wochen regelmäßig mit Berichten über Schlägereien zwischen rivalisierenden Gruppen Jugendlicher oder Sachbeschädigungen im Polizeibericht aufgetaucht. Einige Leute trauten sich abends nicht mehr auf die Straße, hat Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) gehört. „Das dürfen wir nicht auf sich beruhen lassen.“ Deshalb habe die Stadt einen privaten Sicherheitsdienst engagiert. Zunächst für einige Wochen, denn Helm rechnet damit, dass im Winter Parkbänke nicht mehr ganz so attraktive Treffpunkte sind.

Es ist Samstag, 21 Uhr. Die beiden Männer vom Wachdienst begeben sich zum zweiten Mal auf ihre Tour. Am Freitag war Premiere, und die ist nach ihren Beobachtungen gut aufgenommen worden. Sowohl bei älteren Königsteinern als auch bei den Jugendlichen, denen sie sich vorgestellt hätten. Holger Schinzel, Dienstgruppenleiter der Königsteiner Polizei, sieht derartige private Unterstützung als „leider notwendig“ an. Die Polizei könne am besten gemeinsam mit Ordnungsamt, Sicherheitsdienst, Polizeihelfern und engagierten Bürgern, die ihre Augen nicht zumachten, gegen Randalierer vorgehen.

Eine Arbeitsauflage „wegen Kleinigkeiten“

Der Bürgermeister schließt sich am Samstag dem Streifengang an, und schon bald ist eine Gruppe junger Leute erreicht, die sich oberhalb der Villa Borgnis mit einem Kasten Bier und weiteren Getränkeflaschen niedergelassen hat. Der ältere der beiden Sicherheitsleute weist sie an, leiser zu sein und die herumliegenden Flaschen aufzuräumen, bevor sie gehen. „Klar, machen wir“, kommt sogleich zurück - vielleicht etwas zu eifrig. Als die Ersten den Bürgermeister erkennen, zeigen sie sich in der Kommunalpolitik auf dem Laufenden. „Das finde ich super, dass das Haus der Begegnung stehenbleibt“, sagt einer immer wieder. Ein anderer fragt nach dem Kiosk in der Konrad-Adenauer-Anlage, ein anderer diskutiert mit Helm über den Bolzplatz am Luxemburger Schloss. Die Klage, der Bürgermeister sei nicht für die Jugendlichen und ihre Anliegen zu erreichen, lässt dieser nicht gelten. Sie sollten bei seinem Vorzimmer anrufen, dann werde man einen Termin ausmachen, sagt Helm.

Den Park haben sich die jungen Leute mangels anderer Treffpunkte ausgesucht. „Es gibt in Königstein ja viele Reiche“, sagt ein Italiener, der hier geboren ist. „Die sitzen dann in den Kneipen.“ Die Getränke im Supermarkt zu kaufen und im Freien zu trinken, das sei billiger. Die Verantwortung für die Ereignisse der vergangenen Wochen weist die Gruppe von sich. Die Schläger kämen aus Kronberg und Kelkheim: „Die treffen sich halt hier in der Mitte, und dann heißt es, die Königsteiner Jugendlichen sind es gewesen.“ Nein, seine Kumpels machten keinen Ärger, sagt einer der Wortführer. Zumal der Sozialdienst jetzt auch sonntags abgeleistet werden müsse. „Das ist dann ziemlich blöd.“ Warum das Gericht die Arbeitsauflage verhängt habe? „Wegen Kleinigkeiten.“

Polizei setzt auf „gezielte Ansprache“

Die Jugendlichen aus dem Park zeigen sich zugänglich und wollen reden - ganz anders als manche Täter, deren Szene die Polizei nach den Zwischenfällen „aufgehellt“ hat, wie es Friedel Diehl ausdrückt, Sprecher der Polizeidirektion Hochtaunus. Es hätten sich zwei rivalisierende Gruppen herauskristallisiert: Eine aus Königstein, Kronberg und Oberhöchstadt, die andere aus Kelkheim, Eschborn und Schwalbach. Man kenne sich zum Teil über die Schule, und dann hätten offenbar Jugendliche aus dem Main-Taunus-Kreis gleichaltrigen Opfern in Kronberg und Königstein gewaltsam Geld oder Handy abgenommen. Die Reaktion aus Schlägereien und Bedrohungen habe die Spirale dann weitergedreht.

Mit einer „gezielten Ansprache“ hat die Polizei nach Worten Diehls potentielle Täter vor den Konsequenzen gewarnt, um sie in die Schranken zu weisen. „Doch das allein reicht oft nicht mehr.“ Jetzt sei gegen einen Haupttäter, der über Wochen und Monate hinweg durch Körperverletzungen, räuberische Erpressung und Bedrohungen aufgefallen sei, Haftbefehl erlassen worden. Er sei erst 14 Jahre alt, aber fast zwei Meter groß. Möglicherweise würden demnächst zwei weitere Haftbefehle vollstreckt. Wenn sich das herumspreche, so Diehl, erwarte man eine gewisse Beruhigung. Noch könnte es sich bei den Konflikten unter den zwischen 14 und 17 Jahre alten Jugendlichen um eine vorübergehende Erscheinung handeln. „Deshalb wollen wir rechtzeitig ein deutliches Zeichen setzen“, sagt der Polizeisprecher. An diesem Wochenende melden seine Kollegen keine Zwischenfälle aus Königstein. Dafür greifen am Samstagabend mehrere Täter in Bad Homburg grundlos andere Jugendliche an. Hinweise darauf, dass es sich um aus Königstein vertriebene Schläger handeln könnte, hat die Polizei nach eigenen Angaben aber nicht.

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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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