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Veröffentlicht: 17.05.2017, 14:08 Uhr

Klinikum Höchst Halbzeit beim Rohbau

Es ist derzeit die größte Baustelle der Stadt Frankfurt: Der Neubau des Klinikums Höchst für 264 Millionen Euro. Läuft alles nach Plan, wird Ende des Jahres Richtfest gefeiert.

von , Frankfurt
© Wonge Bergmann Das künftige Entree: Übersichtlich strukturiert wie der gesamte Klinikum-Neubau

Nicht erst seit dem Desaster des Flughafens Berlin-Brandenburg wissen bei der Zentralen Errichtungsgesellschaft für das Klinikum Höchst alle, dass sie drei Dinge zu erfüllen haben: Der Neubau darf nicht teurer werden als die erst im Januar auf 264 Millionen Euro erhöhten Gesamtkosten, er muss im Zeitplan fertiggestellt werden und damit 2019 bezogen werden können. Funktionstüchtig muss das Krankenhaus der Maximalversorgung auch sein, das das einzige städtische Krankenhaus in Frankfurt ist. Karsten Valentin, Geschäftsführer der Zentralen Errichtungsgesellschaft, der im Auftrag der Stadt den Bau einer der ersten Passivhaus-Kliniken Europas zu verantworten hat, kennt die Vorgaben.

Mechthild Harting Folgen:

Sechs Monate nach der Grundsteinlegung haben er, sein Geschäftsführer-Kollege Udo Findt und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) zu einer ersten Baustellenbegehung eingeladen. Bis zum dritten Stock ist der Rohbau bereits gediehen, sechs Stockwerke soll das Gebäude am Ende haben, mit einem Hubschrauberlandeplatz auf dem Flachdach. „Wir sind beim Rohbau sogar vor dem Plan“, sagt Valentin, der zuvor schon in Bad Homburg und Usingen die Neubauten der Hochtaunus-Kliniken begleitet hat. Der Winter sei mild und trocken gewesen, das habe die Arbeiten erleichtert.

Baustelle neben Klinikbetrieb

Valentin glaubt, dass er, wenn die Gebäudehülle steht, die Fenster eingebaut und die Fassaden angebracht sind und alle den Eindruck haben, dass das Krankenhaus fertig ist, er dann jede zusätzliche Woche gut gebrauchen kann, um die aufwendige Technik zu installieren. Valentin nennt das Haus ein „Hochfunktionsgebäude“ und sagt, dass die Hälfte der Kosten in die Technik flössen. Einen Rohbau zu erstellen, „das geht relativ flott“. Doch dann brauche es lange, bevor daraus ein einsatzfähiges Krankenhaus entstehe.

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So sei das Klinikum nach der Fertigstellung noch nicht bezugsfertig, dann folge die sogenannte Simulationsphase, in der man Hygieneprozesse überprüfe. Das nehme zwei bis drei Monate in Anspruch und könne nicht beschleunigt werden. Valentin plant den Einzug in den Klinikneubau für Herbst 2019. Die Politik hatte bei der Grundsteinlegung von einer Inbetriebnahme im ersten Halbjahr 2019 gesprochen.

Der Klinikneubau, dessen Rohbau Ende des Jahres fertig sein soll, entsteht unmittelbar neben den bisherigen Gebäuden, in denen normaler Klinikbetrieb stattfindet, und erstreckt sich auf 140 Metern entlang der Windthorststraße. Das Krankenhaus ist durchschnittlich 100 Meter breit, so dass mit jedem Stockwerk rund 14 000 Quadratmeter Fläche entstehen.

Keine Beschwerden von Anwohnern

Da das Gebäude zum Teil unterkellert ist, summiert sich alles auf 80 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, die am Ende für Ärzte, Patienten und deren medizinische Versorgung zur Verfügung stehen. Alles weitere, was ein Patient benötigt, wird im Wirtschaftshof untergebracht, einem Tiefgeschoss neben dem Klinikneubau. Die Verwaltung erhält später ein separates Funktionszentrum. Eine Küche wird es nicht mehr geben, das Essen wird angeliefert.

46442964 © Wonge Bergmann Vergrößern Im Bau: Das neue Gebäude des Klinikums Höchst entsteht unmittelbar neben dem bisherigen Krankenhaus.

Derzeit haben im Neubau die 25 bis 30 Ingenieure und Planer sowie die rund 110 Bauarbeiter das Sagen. Sie sind für die Bauunternehmen BAM Deutschland und Max Bögl tätig, die sich für das Projekt zu einer Bieter- und nun zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Jetzt, in der Rohbauphase, sind sie von sieben Uhr morgens bis 20 Uhr tätig, sechs Tage in der Woche, samstags bis 14 Uhr. 4000 Betonmischfahrzeuge seien bisher auf die Baustelle gefahren, sagt Gesamtprojektleiter Michael Richter von der BAM.

Eine solche Großbaustelle, das sei eine logistische Herausforderung. Darauf deuten auch die sieben Kräne hin. „Am Ende werden 55 000 Kubikmeter Beton und 9000 Tonnen Stahl verbaut sein“, so Richter. Bisher sei es trotz des erheblichen Baustellenverkehrs zu keinen Beschwerden von Anwohnern gekommen. Dass die Kräne für einige Minuten nicht in Bewegung sein dürfen, wenn ein Rettungshubschrauber am Klinikum landen will, hat das Bauteam auch gelernt.

Erster Stock das Herzstück

Der Besucher der Baustelle erkennt schon die Grundstruktur des Gebäudes mit der großen „Magistrale“, die das Gebäude auf 140 Metern in Ost-West-Richtung durchzieht. In ihr können sich eines Tages die Besucher und Patienten, die zu Fuß unterwegs sein können, bewegen, während andere Gänge nur vom medizinischen Personal genutzt werden. Auch bei den zwölf Aufzügen sind Patienten und Besucher künftig getrennt. Eine Webcam informiert unter www.neubau-klinikum-frankfurt.de kontinuierlich über den Baufortschritt.

4,50 Meter hoch ist derzeit jedes Stockwerk, am Ende des Ausbaus wird die Deckenhöhe drei Meter betragen. Der Spielraum nach oben sei wichtig, so Valentin, um Platz für die Technik zu haben und nachrüsten zu können, falls es notwendig sei. Der erste Stock sei das Herzstück, sagt Valentin, dort wo die Operationssäle seien und die Intensivstation. „Da wird das Geld verdient“, das sei die „sensibelste und werthaltigste Einheit“. Wenn die nicht funktioniere, „dann funktioniert das Krankenhaus nicht“.

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Von Ewald Hetrodt

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