12.10.2007 · Läuft bei einer Schwangerschaft nicht alles nach Plan, können Frauen in der Rhein-Main-Region auf wirksame Hilfe hoffen. Frühgeborene werden gut versorgt, Notfallkaiserschnitte schnell eingeleitet. - Die FAZ.NET-Serie.
Von Brigitte RothEine Schwangerschaft dauert normalerweise 40 Wochen. Kinder, die früher zur Welt kommen, haben dank der Fortschritte in der Medizin inzwischen gute Überlebenschancen, wie der Chefarzt der Frauenklinik am Bürgerhospital in Frankfurt, Franz Bahlmann, ausführt. Komplikationen rührten jedoch oft daher, dass die Organe Frühgeborener noch nicht ausgereift seien. So drohe etwa bei einer unvollständig entwickelten Lunge das sogenannte Atemnotsyndrom. „Je kürzer die Schwangerschaftsdauer, desto höher das Risiko“, sagt der Gynäkologe. Damit die Lunge des Kindes besser reift, sollte der Mutter vor der Geburt Kortison verabreicht werden.
Ob dieses wichtige Medikament auch wirklich gegeben wird, muss jedes Hospital am Ende einer stationären Behandlung für alle Frühgeborenen, die zwischen den Schwangerschaftswochen 24 und 34 lebend geboren werden, schriftlich festhalten. Nach Angaben der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung wurde deutschlandweit in 79,1 Prozent der Fälle tatsächlich Kortison gegeben. Wünschenswert ist aber eine Quote von mindestens 95 Prozent. In den Perinatalzentren der Rhein-Main-Region wurde dieses Ziel teilweise nicht erreicht, was den Kommentaren der Kliniken zufolge allerdings oft auf eine fehlerhafte Dokumentation zurückgeht. Frühgeborene sollten in spezialisierten Krankenhäusern zur Welt kommen, weil ihre Überlebenschancen dann besser sind, wie aus zahlreichen Untersuchungen hervorgeht. Deshalb gibt es seit längerem Leitlinien zur Verlegung von Müttern mit erhöhtem Geburtsrisiko in Perinatalzentren. Nur solche Einrichtungen sind in der hier gezeigten Tabelle aufgeführt.
Beatmung, Kreislaufstabilisierung und Wärmeregulation
Für das Wohlergehen von Frühgeborenen ist die Anwesenheit eines speziell ausgebildeten und erfahrenen Kinderarztes bei der Geburt unverzichtbar. Er kümmert sich zum Beispiel um künstliche Beatmung, Kreislaufstabilisierung und Wärmeregulation. Wie die Geschäftsstelle Qualitätssicherung ermittelte, war 2006 in 88,3 Prozent der Fälle ein solcher Mediziner zur Stelle. Der Sollwert wurde mit mindestens 90 Prozent festgelegt. Bahlmann meint, es sei selbstverständlich, dass bei jeder Geburt eines „Frühchens“ ein besonders qualifizierter Kollege dabei sei. Dass die Perinatalzentren der städtischen Kliniken Höchst und des Universitätsklinikums in Frankfurt den Sollwert 2006 knapp verfehlten, ist nach deren Ausführungen ausschließlich auf „Datenerfassungs- und Übermittlungsprobleme“ zurückzuführen.
Für gewöhnliche Schwangere ist interessant, ob es ein Krankenhaus schafft, einen Notfallkaiserschnitt schnell genug vorzunehmen: Die Zeitspanne zwischen Entschluss und Operation soll 20 Minuten nicht überschreiten. Ein Notfallkaiserschnitt ist nötig, wenn eine Gefahr für Mutter oder Kind besteht - etwa weil die Herzfrequenz des Kindes dramatisch abfällt oder der Mutterkuchen sich ablöst. Es kann auch passieren, dass die Nabelschnur eingeklemmt oder ein Nabelschnurknoten zugezogen wird. Wie die Geschäftsstelle Qualitätssicherung angibt, wurde 2006 in 96,1 Prozent der Fälle rechtzeitig operiert. Doch schon Kliniken mit einem Wert von mindestens 95 Prozent erfüllen die bundesweit vorgegebene Norm.
Angaben zu Kaiserschnittraten fehlen
Die Krankenhäuser in der Rhein-Main-Region sind somit in dieser Hinsicht vorbildlich - bis auf die Asklepios-Paulinenklinik in Wiesbaden mit einem Wert von 85,7. Bei insgesamt sieben Notfallkaiserschnitten im vergangenen Jahr sei es einmal zu einem Eingabefehler gekommen, teilte die Klinik auf Anfrage mit. Von der Geschäftsstelle Qualitätssicherung in Hessen, die suspekte Daten überprüft, sei diese Leistung jedoch abschließend als „unauffällig“ bewertet worden.
Bei der Geburtshilfe geben die Krankenhäuser der Region somit ein gutes Bild ab - zumindest gemessen an den ausgewählten Kriterien. Leider müssen aussagekräftigere Angaben, etwa zur Komplikations-, Sterblichkeits- oder Kaiserschnittraten nicht publiziert werden.