03.02.2009 · Vor gut einer Woche hatte der Papst die Exkommunikation gegen Richard Williamson und drei weitere Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X. zurückgenommen. Das hatte vor allem im Fall des Holocaust-Leugners Williamson für massiven Protest gesorgt. Nun meldeten sich die katholischen Bischöfe im Rhein-Main-Gebiet zu Wort.
Von Stefan ToepferDie katholischen Bischöfe im Rhein-Main-Gebiet haben sich am Wochenende im Konflikt über die Aufhebung der Exkommunikation gegen Richard Williamson unterschiedlich offensiv geäußert. Vor gut einer Woche hatte der Papst die Exkommunikation gegen diesen und drei weitere Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius X. zurückgenommen. Das hatte vor allem im Fall des Holocaust-Leugners Williamson für massiven Protest gesorgt.
Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann sagte am Sonntag am Rand der Feier zum 1000-Jahr-Jubiläum des Mainzer Doms der Deutschen Presse-Agentur, er wünsche sich „in der Leitung der Kirche etwas mehr politische Sensibilität“. Es könne nicht angehen, dass der Präsident der zuständigen Kommission im Vatikan gesagt habe, Williamson nicht gekannt zu haben. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hob am Samstag beim Karlsamt in Frankfurt die Verdienste des Papstes für den interreligiösen Dialog hervor und rief die Gläubigen zur Verbundenheit mit Benedikt XVI. auf. Lehmann sagte, er kenne viele Leute, „die jetzt wirklich enttäuscht sind, die auch viel auf den Papst gesetzt haben, vielleicht zu viel“. Er warb für eine Fortsetzung des christlich-jüdischen Dialogs, ebenso wie zuvor auch Tebartz-van Elst, der die Holocaust-Leugnung als „unerträglich“ verurteilt hatte.
Holocaust-Leugnung
Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sagte am Samstag, für Antisemitismus sei in der Kirche absolut kein Raum. Er äußerte sich, weil er tags zuvor wegen einer umstrittenen Äußerung vom Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, mit Williamson in Zusammenhang gebracht worden war. Algermissen hatte die Partnerschaften Homosexueller als „abartig“ bezeichnet. Der Bischof verwahrte sich gegen jeden Versuch, seine Aussagen in die Nähe der „entsetzlichen holocaustleugnerischen Äußerungen Williamsons“ zu bringen. Generell verfährt das Bistum Fulda in dieser Angelegenheit aber eher defensiv und verweist auf Äußerungen der Deutschen Bischofskonferenz.
Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Mainz hofft, dass die Proteste im Vatikan dazu führen, die Seligsprechung von Papst Pius XII. nicht weiterzuverfolgen. „Ihn seligzusprechen würde die gleichen Reaktionen hervorrufen“, äußerte Reinhard Goebel, der Vorsitzende der Gesellschaft, ein Katholik. Pius XII. wird vorgehalten, nicht deutlich genug gegen die Judenverfolgung protestiert zu haben. Goebel bezeichnete manche Reaktionen jüdischer Organisationen auf die Entscheidung des Papstes als „nicht angemessen“. Wichtig sei, zu klären, ob die Exkommunikation vor oder nach dem Interview Williamsons mit der Holocaust-Leugnung aufgehoben worden sei, so Goebel. Lehmann sagte, Williamson habe erst nach seiner Rehabilitierung die Ermordung von Millionen Juden in Gaskammern öffentlich bestritten.
Lomberg: „Verunsicherung“
Als einer der ersten Priester hatte der Frankfurter Studentenpfarrer Martin Löwenstein am Montag die Aufhebung der Exkommunikation Williamsons kritisiert: Das sei ein „fatales Signal“. Einzelne Katholiken im Bistum Limburg haben sich inzwischen entweder in Briefen an Auschwitz-Überlebende oder an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, gewandt, um ihre Betroffenheit über das Papstdekret zu äußern. Im Internet gibt es eine Unterschriftenaktion.
Lehmann warnte allerdings davor, zwei Dinge miteinander zu vermengen: das Verhältnis der Kirche zu der „Splittergruppe“ der Traditionalisten um die vier rehabilitierten Bischöfe und die „völlig unmöglichen Äußerungen“ Williamsons. Für Benedikt XVI. sei diese Vermischung in der öffentlichen Wahrnehmung ein Unglück. „Der Papst tut mir leid.“ Der Frankfurter Stadtdekan Raban Tilmann forderte, dass sich die vier Bischöfe dem Zweiten Vatikanischen Konzil „unterwerfen“ müssten. Das fordert auch der Fachbereich Katholische Theologie der Frankfurter Universität. Die Konzilstexte zum interreligiösen Dialog und zur Gewissensfreiheit seien unhintergehbar, so Tilmann.
Franz Lomberg, Pfarrer von Hattersheim, sagte, es gebe eine „Verunsicherung“, wie mit der Pius-Bruderschaft nun weiter umzugehen sei. Sie hat in Hattersheim eine Kapelle. Für sie wie für Standorte in Fulda und Würzburg ist das Priorat in Kleinwallstadt zuständig. Er sei jedoch nicht befugt, Interviews zu geben, so Prior Pater Stefan Biedermann.
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