10.05.2010 · „Das wird helfen, dass Biblis A so lange am Netz ist, bis das Energieversorgungskonzept des Bundes vorliegt“ - mit diesen Worten reagierte die Bürgermeisterin von Biblis auf eine Übereinkunft von RWE und Eon. RWE erwirbt für Biblis Strommengen aus dem Kernkraftwerk Stade.
Deutschlands ältester noch laufender Atommeiler Biblis A in Südhessen soll noch länger am Netz bleiben als bislang vorgesehen. Der Betreiber RWE hat von seinem Konkurrenten Eon Stromkontingente erworben, die von dem bereits stillgelegten Atomkraftwerk in Stade stammen und nun übertragen werden sollen. Damit könne Biblis A bei voller Leistung ein halbes Jahr länger laufen, sagte eine Sprecherin von RWE Power am Montag. Derzeit arbeitet der Meiler nur mit etwa halber Kraft. Bleibt es dabei, könnte das Atomkraftwerk nach derzeitigem Stand insgesamt noch rund zwei Jahre weiterlaufen.
Die Gemeinde Biblis hat die Möglichkeit einer längeren Laufzeit für das dortige Atomkraftwerk gutgeheißen. „Das wird helfen, dass Biblis A so lange am Netz ist, bis das Energieversorgungskonzept des Bundes vorliegt“, sagte Bürgermeisterin Hildegard Cornelius-Gaus (parteilos). Das Kraftwerk am Rand der 9000 Einwohner großen Kommune ist deren größter Arbeitgeber.
Vier Terawattstunden mehr
RWE und Eon hatten am Sonntagabend mitgeteilt, dass sie keine Details zu den Verkaufskonditionen bekanntgeben wollten. RWE Power kaufte insgesamt 4,8 Terawattstunden von Eon. Sie kommen zu den knapp vier Terawattstunden hinzu, die bisher als erlaubte Reststrommenge für Biblis A zur Verfügung standen. Das Atomkraftwerk in Stade (Niedersachsen) hatte bis zum Jahr 2003 Strom produziert.
Mit dem Kauf des Stromkontingents wolle man vermeiden, dass Biblis A vom Netz gehen müsse, bevor politische Entscheidungen über längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke gefallen seien, sagte die Sprecherin der RWE Power AG.