22.02.2009 · Der Versuch, Kirche und Karneval unter einen Hut zu bringen, ist mal wieder missglückt. Der Mainzer Carneval-Verein entschärft nach Intervention des Bistums einen umstrittenen Motivwagen, auf dem eine Nonne in einem Nackt-Scanner zu sehen ist.
Von Markus SchugPünktlich zum Auftakt der Straßenfastnacht haben die Mainzer Narren ihren Skandal. Und wieder einmal ist es der nach Ansicht einiger Betrachter „missglückte“ Versuch, Kirche und Karneval unter einen Hut, respektive auf einen Motivwagen zu bekommen. Zugnummer 88 – der nach Intervention des Bistums für den Rosenmontagszug nun allerdings mittels einer „Bildstörung“ deutlich entschärft werden soll – zeigt eine Nonne in einem sogenannten Nacktscanner. Ursprünglich wurde dabei bis ins Detail (siehe Foto) „verraten“, was die am Flughafen von Polizisten kontrollierte Ordensfrau unter ihrem Ordensgewand anhat – oder auch nicht.
Nachdem Vertreter des Domkapitels in Begleitung eines Justitiars am Donnerstag in der Wagenhalle vorstellig geworden waren, haben sich die Fastnachter um des närrischen Friedens willen dazu entschlossen, den umstrittenen Mittelteil der Ordensfrau hinter einer hastig gepinselten „Bildstörung“ verschwinden zu lassen.
Respektlos, verunglimpfend
Man habe Nonnen nicht diskriminieren wollen, schließlich wisse man nur zu gut um die vielen verdienstvollen Tätigkeiten von Ordensfrauen in aller Welt, versicherte Zugmarschall Ady Schmelz am Freitag auf Anfrage: „Uns ging es darum, das menschenunwürdige Scannen anzuprangern.“ Als respektlos, verunglimpfend und persönlichkeitsverletzend hatte Schwester Ancilla-Maria Ruf vom Ordensreferat des Bistums zuvor die ursprüngliche Karikatur des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) kritisiert.
Im Namen der Ordensschwestern der Diözese „möchte ich unsere Empörung über Zugnummer 88 zum Ausdruck bringen“, so Ruf, die schriftlich gefordert hatte, den Wagen zurückzuziehen. „Das Herauspicken einer Nonne und ihre völlig abwegige Darstellung mit Strapsen und Brustpiercing soll den Betrachter auf Kosten von Ordensleuten zum Lachen bringen“, beschwerten sich auch vier CDU-Stadtratsmitglieder beim MCV: „Über diese Geschmacklosigkeit können wir aber nicht lachen.“ Zumal der kritisierte Einsatz von Ganzkörperscannern eigentlich nichts mit Ordensleuten und Geistlichen zu tun habe.
500.000 Zuschauer werden erwartet
Weil sich die Nonne dank der „Bildstörung“ nun wieder in der Öffentlichkeit sehen lassen kann, sollen alle 15 auf MCV-Wagen „gebauten Karikaturen“ am Sonntagnachmittag für einige Stunden auf der Ludwigsstraße präsentiert werden. Tags darauf fährt die „rollende Satire“ beim Mainzer Rosenmontagszug mit, der sich um 11.11 Uhr auf der Boppstraße in Bewegung setzen wird. Mehr als 9700 Mitmarschierer sind gemeldet, darunter fast 3500 Musiker, aber auch 25 Garden, knapp 200 Reiter und mehr als 100 Fahnenschwenker und Schwellkoppträger. Unter dem Motto „Mainzer Fastnacht – Freude pur“ soll der von 12.15 Uhr an auch im ARD-Fernsehen übertragene „108. Zuch“ seit 1838 bis zu 500.000 Zuschauer am Straßenrand erfreuen.
Aus Sorge um den „närrischen Nachwuchs“ will die Polizei, die mit rund 750 Beamten im Einsatz sein wird, verstärkt Alkoholkontrollen bei Jugendlichen machen. Ein Teststreifen soll dabei helfen, zu erkennen, ob mitgebrachte Flaschen heißen Tee oder scharfe Getränke enthalten. Ist Letzteres der Fall, wird der hochprozentige Inhalt noch an Ort und Stelle in den nächstbesten Gully geschüttet.
Alkohol und die oftmals damit einhergehende Aggressivität gerade von Jugendgruppen macht es den Einsatzkräften an Rosenmontagen zunehmend schwerer, an neuralgischen Punkten, wie rund um den „Narrenturm“ an der Rheinstraße, jederzeit Herr der Lage zu bleiben. Neben den Streckenposten am Zugweg, die ihren Dienst ausnahmsweise ohne die bei Narren begehrten Polizeimützen verrichten, werden deshalb verstärkt mobile Eingreifgruppen in der Stadt unterwegs sein: Und das mit Sicherheit auch dann noch, wenn der Umzug schon viele Stunden vorbei ist.
Der Sturm der Entrüstung wäre allgemein,
Udo Steffen (steffenu)
- 22.02.2009, 15:00 Uhr
Long live...
Thomas J. Huber (tjhuber)
- 22.02.2009, 16:35 Uhr
muss das denn sein?
Lucia Hünermann (Realschullehrer)
- 22.02.2009, 16:39 Uhr
narren empören sich ja auch nicht über nonnen, obwohl das an der zeit wäre...
Sven Kaulbars (faz-kaule)
- 22.02.2009, 23:01 Uhr
Fasching ohne Tabu's
Siegibert Fleischer (LebensSinn)
- 22.02.2009, 23:17 Uhr