Gegen die Jugendkriminalität setzt Rheinland-Pfalz zum einen auf Hilfs- und Präventionsangebote, zugleich aber auch auf eine konsequente Verfolgung der Täter und auf schnelle Verfahren. Die richtigen Ansprechpartner für beide Aufgabengebiete sind in Mainz künftig unter der gemeinsamen Adresse Erthalstraße 2 zu finden. Dort, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof, wurde das landesweite zweite Haus des Jugendrechts eröffnet, in dem aktuell 27 Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt untergebracht sind.
Das in Ludwigshafen erprobte Modellprojekt, Jugendschutz, pädagogische Hilfsangebote und Jugendstrafverfahren „intensiv zu verzahnen“, soll ausgeweitet und auch in Trier, Koblenz und Kaiserslautern eingeführt werden. Für die neue Mainzer Einrichtung ist vorgesehen, zudem den Verein „Opfer- und Täterhilfe Rheinhessen“ aufzunehmen, der sich um Opfer von Straftaten, aber auch um das Projekt „Täter-Opfer-Ausgleich“ bemüht.
Schnelle und auf den jeweiligen Straftäter zugeschnittene Lösungen
„Kinder und Jugendliche, die andere Menschen schlagen, die stehlen, die Dinge beschädigen – kurzum: die sozial auffällig werden beziehungsweise sich norm- oder gesetzwidrig verhalten – brauchen umgehende und gezielte Hilfe“, sagte Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) bei der offiziellen Eröffnung des Hauses. Für den ehemaligen Richter bedeutet dies, dass die jungen Menschen deutliche Grenzen erfahren und schnelle Konsequenzen spüren müssten. Jugendhilfe und Jugendstrafrecht böten dazu genügend Möglichkeiten, durchaus auch bis hin zu einem harten Eingreifen, sagte Beutel: „Die Konsequenzen ihres Handelns müssen jugendliche Straftäter zeitnah, also unmittelbar nach ihren Taten erfahren.“ Darin seien sich Justizbehörden, Polizei und Stadt uneingeschränkt einig.
Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) sprach von einem wegweisenden Projekt bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität, die seit Jahren ein wichtiges Anliegen der Landesregierung sei. Vergleichbare Häuser soll es laut Bruch letztlich am Sitz aller rheinland-pfälzischen Polizeipräsidien geben. „Was bundesweit beispiellos ist“, wie Justizstaatssekretärin Beate Reich (SPD) ergänzte. Durch die Vernetzung von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt und freien Trägern im Haus des Jugendrechts könnten schnelle und auf den jeweiligen Straftäter zugeschnittene Lösungen gefunden werden: „Wir erhoffen uns, so dazu beizutragen, dass das frühe Abgleiten junger Menschen in kriminelle Karrieren verhindert wird.“
Mit Hilfe der Zusammenarbeit der unter einem Dach vereinten Institutionen erfahre zum Beispiel das Jugendamt vergleichsweise früh von auffällig gewordenen Kindern oder straffälligen Jugendlichen, so dass im Idealfall „zügig und nachhaltig“ auf diese Personen eingewirkt werden könne.

