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Jugendjobcenter Drei Behörden, ein Ziel: Arbeit für Jugendliche

 ·  Jugendjobcenter in Darmstadt und Düsseldorf zeigen, wie junge Leute beim Einstieg ins Berufsleben gezielt unterstützt werden können – auch jene, die viel Hilfe brauchen. Eine solche zentrale Anlaufstelle soll es bald auch in Frankfurt geben.

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Reisen bildet. Auch die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), die vor kurzem nach Düsseldorf gefahren ist. Dort wollte sie lernen, wie ein Jugendjobcenter funktioniert. Das ist eine Anlaufstelle für alle Menschen bis 25 Jahre, die einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen und unter Umständen auf nachhaltige Unterstützung angewiesen sind. Dazu haben in Düsseldorf die Agentur für Arbeit, das für die Arbeitslosengeld-II-Empfänger zuständige Jobcenter und das städtische Jugendamt eine Bürogemeinschaft gebildet. Birkenfeld hatte die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt für ihre Informationsreise ausgesucht, weil sie von der Größe und den Arbeitslosenzahlen her Frankfurt entspricht.

Der Wille, eine zentrale Anlaufstelle für junge Leute auch in Frankfurt einzurichten, ist da. Zumindest eine, in der die Arbeitsagentur und die Rhein-Main-Jobcenter GmbH zusammenarbeiten sollen, zunächst ohne Mitarbeiter des Jugend- und Sozialamts. Birkenfeld glaubt, mit einem Jugendjobcenter „Jugendliche besser erreichen“ zu können. Und auch Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, verspricht sich „eine bessere und zielgerichtete Beratungs- und Vermittlungsarbeit“.

Von der Stadt finanzierte Angebote

In Düsseldorf scheint das zu funktionieren. Nach den Worten von Peter Helbig von der Düsseldorfer Arbeitsagentur liegt dort der Anteil junger Leute an den Arbeitslosen bei 5,5 Prozent; in Frankfurt sind es 8,2 Prozent. Die Absprache über Angebote, die Jugendlichen helfen können, ist Helbig zufolge im Jugendjobcenter leichter geworden. Bernhard Nagel vom Düsseldorfer Jugendamt schildert ein Beispiel: „Wenn sich etwa herausstellt, dass ein Jugendlicher für eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme der Arbeitsagentur noch nicht reif genug ist, kommt er zu uns herüber, und wir überlegen, ob zunächst ein Angebot der städtischen Jugendhilfe sinnvoll ist.“ Jeder Jugendliche bekomme eine passende Unterstützung, auch mit der Jugendgerichtshilfe werde kooperiert.

In Frankfurt unterhält die Arbeitsagentur bisher eine zentrale Beratungsstelle für Jugendliche und junge Erwachsene, und in den fünf Jobcentern gibt es eigene Teams für sie. Hinzu kommen etliche, von der Stadt mit mehreren Millionen Euro finanzierte Angebote für Jugendliche in der Berufshilfe.

Ein Blick nach Darmstadt könnte helfen

Anders als in Düsseldorf, wo diese Hilfe gemeinsam mit der Schulsozialarbeit seit gut 30 Jahren dem Jugendamt zugeordnet ist, obliegt die Jugendberufshilfe in Frankfurt sowohl dem Sozial- als auch dem Bildungsdezernat. Das würde auch eine Kooperation in einem Jugendjobcenter unter Beteiligung der Stadt komplizierter machen. Überdies sind in Frankfurt mehr freie Träger in diese Arbeit eingebunden als in Düsseldorf. Schließlich hat das Jugendamt dort mehr Personal in einer eigenen Abteilung für Jugendsozialarbeit mit einem Focus auf Berufshilfe als das in Frankfurt der Fall ist.

Diese Punkte sprechen eher gegen eine Beteiligung der Stadt an einem Jugendjobcenter. Vielleicht hilft aber ein Blick nach Darmstadt: In der dortigen, vor einem Jahr gegründeten „Jugendberufsagentur“ ist neben elf Mitarbeitern der Arbeitsagentur und 14 der für Arbeitslosengeld-II-Bezieher zuständigen Jobcenters nur eine Mitarbeiterin aus dem Jugendamt beschäftigt. Ihr zur Seite stehen allerdings zwei städtisch finanzierte Berater des Internationalen Bundes.

Kurze Wege für die Jugendlichen

Diesen freien Träger gibt es auch in Frankfurt – hinzu kommen weitere und der stadtnahe Verein „Gesellschaft für Jugendbeschäftigung“. So könnte es eine Option für die Stadt sein, sich über diesen Verein an einem Jugendjobcenter zu beteiligen – wenn auch nicht von Anfang an, so doch mittelfristig. Auf diese Weise würde an eine Art Vorläufermodell angeknüpft, das es in Frankfurt schon einmal gab: die Agentur Jugend und Arbeit, in der Arbeitsagentur und Sozialamt zusammenarbeiteten.

Die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Jugendbeschäftigung, Petra Loelkes, bekundet Interesse an einer Mitarbeit im Jugendjobcenter. Sie hält eine solche zentrale Anlaufstelle für sinnvoll: „Es ist gut für Jugendliche, wenn sie kurze Wege haben, gerade wenn es um Maßnahmen geht. Das trägt zur Klarheit bei.“

Modellhaft

Genau das ist auch für den Darmstädter Sozialdezernenten Jochen Partsch (Die Grünen) ein großer Vorteil: Jugendliche könnten sich im „Dschungel der Fördermaßnahmen“ dank klarer Ansprechpartner besser zurechtfinden und die passende Hilfe bekommen. So könne verhindert werden, dass junge Leute „Schleifen“ durch verschiedene Maßnahmen drehten.

Die Kooperation von Arbeitsagentur, Jobcenter-Gesellschaft und Kommune in Düsseldorf und Darmstadt ist schon so weit gediehen, dass diese beiden Städte nach Auffassung des Bundesarbeitsministeriums als modellhaft gelten, wenn es darum geht, Jugendlichen zu helfen. Insgesamt gibt es fünf Modellstandorte. Deren Austausch soll unter anderem dazu beitragen, Fördermaßnahmen transparenter zu machen – nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für Schulen und Betriebe – und die Abläufe zwischen Arbeitsagenturen, Kommunen und Jobcenter-Gesellschaften zu verbessern, auch beim Datenschutz. Der Austausch von Daten zwischen diesen drei eigenständigen, wie es im Amtsdeutsch heißt, „Rechtskreisen“ ist ein heikles Thema. Im nächsten Jahr sollen dann weitere Standorte hinzukommen. Ob Frankfurt dabei sein wird, ist noch offen.

Die Signale aus Düsseldorf und Darmstadt sind ermutigend

Eingerichtet werden könnte das Jugendjobcenter in Frankfurt im Frühjahr 2011. Ginge es nach Frank Martin von der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, könnte das schon im Januar der Fall sein. In die Diskussion einbezogen werden müsste auch das „Netzwerk Jugend und Arbeit“, dem außer Vertreter der Arbeitsagentur, der Stadt und der Rhein-Main-Jobcenter GmbH auch Repräsentanten der Wirtschaft und der Gewerkschaft angehören.

Die Signale aus Düsseldorf und Darmstadt sind ermutigend. „Dank einer guten Kooperation können wir alle Ressourcen, die wir haben, nutzen. Das ist ein Gewinn“, sagt Bernhard Nagel vom Düsseldorfer Jugendamt. Und mit dem Blick auf den Fachkräftemangel fügt der Darmstädter Sozialdezernent Partsch hinzu: „Wir brauchen alle Jugendlichen.“

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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