http://www.faz.net/-gzg-toom
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2007, 15:29 Uhr

Interview „Ich sehe mein Engagement in Hessen noch nicht abgeschlossen“

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch spricht im Interview über die Unterrichtsgarantie, Studiengebühren, den Flughafenausbau, Andrea Ypsilanti und einem vielversprechenden Ministerpräsidenten.

© dpa „Ich führe keinen Koalitionswahlkampf”: Ministerpräsident Roland Koch

Roland Koch spricht im Interview über die Unterrichtsgarantie, Studiengebühren, den Flughafenausbau, Andrea Ypsilanti und einem vielversprechenden Ministerpräsidenten.

Sie haben für das nächste Jahr drei Wünsche frei.

Mehr zum Thema

Soviel Glück habe ich selten: drei Wünsche auf einmal. Ich hoffe, daß sich die wirtschaftliche Entwicklung in Hessen wie prognostiziert noch besser anläßt als in einer sich erfreulich entwickelnden deutschen Wirtschaft. Ich hoffe zudem, daß wir unsere wichtigen Projekte in der Infrastruktur, insbesondere den dringend notwendigen Ausbau des Frankfurter Flughafens, plangemäß fortsetzen können. Und ich hoffe, daß wir es schaffen, weiterhin so viele Menschen im Ehrenamt zu bewegen, sich mit vielen Ideen um viele Dinge in Sport, Kultur oder im sozialen Bereich zu kümmern, die der Staat allein gar nicht regeln kann und auch nicht sollte.

Wir bieten Ihnen eine „Wunschgarantie plus“: Müßten Sie sich nicht auch wünschen, daß es mit der „Unterrichtsgarantie plus“ besser klappt?

Wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Wir Deutschen neigen ja manchmal zu Perfektionismus und erwarten, daß ein Projekt an zweitausend Schulen in Hessen auf Knopfdruck reibungslos anläuft. Daß uns nur noch wenige Menschen in den Schulen auf Schwierigkeiten aufmerksam machen, zeigt, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Erstmals in Deutschland machen wir Schule auch zu einer Dienstleistung für Schüler und Eltern, indem wir den Unterricht, der zu erteilen ist, auch unter Vertretungsbedingungen aufrechterhalten. Das hat noch niemand in Deutschland probiert.

Wäre es nicht dennoch zutreffender, von einer Betreuungsgarantie statt von einer Unterrichtsgarantie zu sprechen?

Im Konzept Verläßliche Schule - Unterrichtsgarantie plus waren immer zwei Elemente angelegt. Erstens: Wenn auf dem Stundenplan steht, daß Kinder in der Schule sind, sollen sich Eltern darauf verlassen können, daß die Schüler nicht früher nach Hause geschickt werden. Das ist in Hessen als erstem Bundesland inzwischen verwirklicht, und verläßliche Betreuung hat einen hohen Wert. Zweitens: Schülerinnen und Schüler müssen Abschlußarbeiten schreiben, die im ganzen Land gleich sind. Deshalb haben sie einen Anspruch darauf, daß man sich auch gleichmäßig um Unterricht kümmert. Doch Unterricht ist ja nicht nur das sture Abarbeiten des Lehrplans, sondern besteht auch aus Wiederholen, um die nächste Stunde leichter zu machen. Das kann auch in einer Vertretungsstunde passieren. Und auch Vertretungslehrer, die uns dabei helfen, sind eine Bereicherung für die Schule.

Sie befürchten also nicht, dieses Thema könne Ihnen die Landtagswahl vermasseln?

Auf gar keinen Fall. Am Ende wird es ein weiterer Beweis dafür sein, wie stark und letztlich erfolgreich wir die Schullandschaft in Hessen verändert haben.

Wissen Sie, wie viele Studenten in Hessen wahlberechtigt sind?

Da wir 160.000 Studentinnen und Studenten haben, gehe ich davon aus, daß ein erheblicher Teil von ihnen in Hessen Wahlrecht hat.

Befürchten Sie nicht, daß Ihnen die Studenten oder auch deren Eltern bei der Landtagswahl wegen der Studiengebühren in die Parade fahren?

1 | 2 | 3 | 4 | 5 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Unerwartete Brexit-Fragen Und was wird jetzt aus den Studenten?

Das Brexit-Votum zieht manch unerwartete Detailfrage nach sich. Gibt es Kohlendioxidrechte bald zum Schleuderpreis? Wohin zieht die Bankenaufsicht? Werden britische Unis richtig teuer? Mehr Von Nadine Bös

24.06.2016, 15:53 Uhr | Wirtschaft
Dollase vs. Mensa (1) Der Lachs wurde hingerichtet

Was bekommen Studenten eigentlich in deutschen Mensen vorgesetzt? Der F.A.Z.-Gastrokritiker Jürgen Dollase will es in einer Testreihe herausfinden. Wir haben ihn mit der Kamera begleitet. Erste Runde: Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf. Mehr

13.06.2016, 14:41 Uhr | Feuilleton
Kontroverse Debatte Die Regelstudienzeit - Fluch oder Segen?

Kritiker sprechen von einem Beschleuniger für Studienabbrüche, Befürworter von einer wichtigen Hilfe zur Orientierung: Die Regelstudienzeit ist höchst umstritten. Zeit, sie abzuschaffen? Mehr Von Hannah Bethke

23.06.2016, 05:38 Uhr | Beruf-Chance
Papua-Neuguinea Polizei schießt auf Studenten

Bei Studentenprotesten in der Hauptstadt von Papua-Neuguinea, Port Moresby, hat es Tote und Verletzte gegeben. Nach Augenzeugenberichten hatten Polizisten das Feuer auf Studenten eröffnet, die für eine Absetzung von Premierminister Peter O’Neill demonstriert hatten. Mehr

08.06.2016, 12:25 Uhr | Politik
Studentische Tüfteleien Mit Akkuschrauber und 3-D-Drucker zum Rennauto

Was Studenten nicht alles austüfteln können: In Hildesheim sind am Wochenende studentische Rennfahrer-Teams in selbstgebauten Fahrzeugen gegeneinander angetreten. Einziger Antrieb: ein Akkuschrauber. Mehr

27.06.2016, 05:16 Uhr | Wirtschaft

Behinderungen sind unvermeidbar

Von Hans Riebsamen

Die Sperrung des S-Bahn-Tunnels ist unvermeidbar. Vielerorts wäre man beglückt, wenn überhaupt an den Verkehrswegen gebaut würde. Mehr 0