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Integrierte Gesamtschule in Hanau „Maßlos enttäuscht“ vom Kultusministerium

11.03.2010 ·  In Hanau gibt es Ärger über die Ablehnung einer integrierten Gesamtschule. Henzler will die Idee erst für 2011/2012 eingehend prüfen.

Von Luise Glaser-Lotz, Hanau
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Die Voraussetzungen für eine Umwandlung der Hanauer Tümpelgartenschule von einer Haupt- und Realschule in eine integrierte Gesamtschule will das Kultusministerium in den nächsten Monaten „eingehend prüfen“, um danach eine Entscheidung für das Schuljahr 2011/2012 treffen zu können. Dies teilte das Ministerium mit, nachdem die Absage für das nächste Schuljahr in der Stadt zu Wochenbeginn für Aufregung gesorgt hatte. Bei einem Ortstermin in der Zeichenakademie hatte Staatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann dem Hanauer Schuldezernenten Ralf-Rainer Piesold (FDP) mündlich davon in Kenntnis gesetzt, dass das Kultusministerium die Umwandlung zum nächsten Schuljahr nicht genehmigen werde.

Eine zukunftsfähige Schulentwicklungsplanung benötige ausreichend Zeit, um alle Faktoren intensiv zu prüfen, ließ Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) gestern die Medien wissen. Dazu gehöre die Entwicklung der Schülerzahlen in der Stadt Hanau und im Umland ebenso wie die Abschätzung der Folgen für die Schulentwicklung in den benachbarten Kreisen. Eine solche Prüfung brauche Zeit, so dass man mit einer Umwandlung der Tümpelgartenschule zum kommenden Schuljahr nicht habe rechnen können, zumal der Antrag des Schulträgers erst Ende Januar im Ministerium eingegangen sei.

Eine „verbale Ohrfeige“

Um den Eltern auch mit Blick auf die am vergangenen Freitag abgelaufene Anmeldefrist für die weiterführenden Schulen Planungssicherheit zu geben, sei es dem Ministerium wichtig gewesen, in der Angelegenheit schnell für Klarheit zu sorgen. Deshalb habe Staatssekretär Brockmann noch vor dem Eintreffen der offiziellen schriftlichen Mitteilung die Beteiligten in Hanau persönlich informiert.

Dieses Vorgehen und die Entscheidung kamen erwartungsgemäß bei der Schule nicht gut an. Als „verbale Ohrfeige“ bezeichnete Anja Leonhardi, die Vorsitzende des Schulelternbeirats der Tümpelgartenschule, die vorläufige Absage. Sie sei maßlos enttäuscht, nebenbei aus der Presse zu erfahren, dass das Hessische Kultusministerium seine Entscheidung zur Umwandlung der Schule in eine integrierte Gesamtschule zurückgestellt habe, schrieb Leonhardi in einem offenen Brief an die Stadtverordnetenfraktionen und an die Kultusministerin. Leonhardi kritisierte insbesondere die Aufforderung des Staatssekretärs an die Stadt Hanau, bis Ende des Jahres zu belegen, dass es einen Bedarf gebe, das Bildungsangebot um eine integrierte Gesamtschule zu erweitern. Schließlich sei der Antrag auf Umwandlung gestellt worden, weil dieser Bedarf bestehe. Wachsen werde er noch durch die künftigen Bewohner der ehemaligen amerikanischen Wohnsiedlung Cardwell-Village Family-Housing im Stadtteil Lamboy sowie auf dem ehemaligen Gelände der Bereitschaftspolizei.

Ideologische Gründe der Landesregierung?

Die Eltern, die ihre Kinder für eine integrierte Gesamtschule an der Tümpelgartenschule im Schuljahr 2010/2011 vorgesehen hätten, würden sie jetzt an anderen Schulen anmelden, um der „totalen Verunsicherung“ zu entgehen. Im Umkehrschluss werde das Ministerium die rückgängigen Schülerzahlen als Indiz werten, dass die Tümpelgartenschule nicht als integrierte Gesamtschule benötigt werde.

In einer Pressemitteilung kritisierten auch die Hanauer Grünen die Entscheidung. Die Landesregierung missachte den Elternwillen, vertreten durch Schul- und Stadtelternbeirat, die intensive planerische Arbeit der Schulleitung und der Lehrer in der Tümpelgartenschule sowie die demokratischen Gremien der Stadt Hanau. Die Äußerung des Staatssekretärs, dass das Schulangebot in Hanau in allen Bildungsgängen jedem Kind einen Platz biete, zeige die Ahnungslosigkeit des Ministeriums über die tatsächliche Situation in Hanau. Gerade weil es in Hanau zu wenige Plätze an integrierten Gesamtschulen gebe, habe der Schulträger die Schulgemeinde der Tümpelgartenschule in ihren Entwicklungsvorstellungen unterstützt. Mehr als 500 Jugendliche aus Hanau besuchten bereits jetzt integrierte Gesamtschulen des Main-Kinzig-Kreises.

Zu vermuten sei, dass die Kultusministerin nicht das Sagen in der Bildungspolitik habe, sondern dass Ministerpräsident Roland Koch aus ideologischen Gründen die Entscheidung der Kultusministerin diktiert habe. Die Ablehnung stelle zudem einen massiven Eingriff in die Stadtentwicklung dar. Immer mehr junge Familien wählten ihren Wohnort gerade auch nach den Möglichkeiten der Kinderbetreuung und des Schulangebotes aus. Eine zweite integrierte Gesamtschule in Hanau wäre für viele Familien eine attraktive Entscheidungshilfe gewesen, äußerten die Hanauer Grünen. Diese Position unterstützen die Grünen im Hessischen Landtag. Die Entscheidung sei inhaltlich und vom Stil her völlig unverständlich, stellten sie fest. Die Entscheidung nebenbei, ohne formalen Bescheid mitzuteilen, sei eine Unverschämtheit.

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