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Informationstechnologie Spiele für junge Leute, Roboter für Senioren

 ·  10.000 Unternehmen in Hessen verdienen mit Informationstechnologie Geld. Bei einem Kongress in Darmstadt zeigte das Land, wie es diese schillernde Branche unterstützt.

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Das Wissenschafts-und Kongresszentrum Darmstadt hat den 700 Teilnehmern der internationalen IT-Tagung „iTec08“ ausreichend Gelegenheit gegeben, von der Vergangenheit in die Zukunft zu gelangen. Für die Historie stand jenes Exponat des Museums für Kommunikation, das der Friedrichsdorfer Physiker Philipp Reis 1861 zur elektronischen Sprachübermittlung erfunden und „Telefon“ getauft hatte. Für die Gegenwart standen die vierbeinigen Roboter „Dribbling Dackels“ der Technischen Universität Darmstadt, die Fußball spielen können. Und für die Zukunft eine Spielmaschine, bei der die schnelle Fahrt durch einen Bergwerkstunnel ausschließlich mit den Füßen gesteuert wird.

Das Spiel zählt zu den „Serious Games“, und die gehören auf dem vom hessischen Wirtschaftsministerium und der Europäischen Union organisierten zweitägigen Kongress keineswegs nur zum unterhaltsamen Begleitprogramm, sondern zu den „Trends made in Hessen“, mit denen sich Geld verdienen und der IT-Standort profilieren lässt. Am Abend wurde deshalb eigens ein „Game Award“ vergeben.

Branche mit 95.000 Mitarbeitern

Geld verdient wird von den rund 10.000 Unternehmen mit ihren 95.000 Beschäftigten in der Informations- und Kommunikationstechnologie, kurz IKT, in Hessen tatsächlich kräftig und trotz beginnender Wirtschaftsflaute mehr als zuvor. Den Jahresumsatz in dieser Technologiebranche, die als die größte des Bundeslandes gilt, bezifferte Gabriele Gottschalk mit 32,2 Milliarden Euro. Mehr als 50 Prozent der Industrieproduktion und 80 Prozent der Exporte hingen mittlerweile von der modernen Informationstechnologie ab, sagte die Leiterin der „Aktionslinie Hessen-IT“.

Die drei magischen Buchstaben IKT stehen für das Wirtschaftsministerium daher für ein Marktsegment von hoher und ständig wachsender Bedeutung. Deshalb ist 2004 Hessen-IT als Einrichtung des Landes gegründet worden, die versucht, IT-Techniken und deren Anwendung insbesondere der mittelständischen Wirtschaft zu vermitteln. Dafür stellt das Ministerium im Jahr 1,5 Millionen Euro bereit. Eine Aufgabe von Hessen-IT ist die Verbesserung der Kontakte der Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft. Dieses Ziel bestimmt auch das Kongressprogramm: „Kleine und mittelständische Unternehmen wollen wir für den Einsatz neuer Technologien sensibilisieren und sie im globalen Wettbewerb stärken“, sagte Gottschalk.

IT-Sicherheit im Fokus

Für den Beauftragten des Landes Hessen für die Informations- und Kommunikationstechnologie, den Darmstädter Hochschullehrer Ralf Steinmetz, spielen Fragen der IT-Sicherheit künftig eine immer stärkere Rolle. Zwar sei die Bundesrepublik auf diesem Gebiet führend. Aber die Wirtschaftspionage nehme zu und verstärke das Empfinden von Unsicherheit. Anders als in anderen Technologien gebe es bei IT-Anwendungen noch immer eine „gefühlte Unsicherheit“. Steinmetz rechnet zwar damit, dass die mittelständische Struktur der Branche mit nur wenigen Großunternehmen auf Dauer erhalten bleibt. Allerdings werde es in einigen Marktsegmenten wie den Netzanbietern zu Konzentrationen kommen.

Wichtig sei, dass sich Hessen weiter in der Forschung engagiere. „Nur mit Spitzenforschung können wir das Innovationspotential, das neue IT-Anwendungen in sich bergen, herausfinden und nutzen.“ Als ein positives Beispiel bezeichnete Steinmetz das hessische Förderprogramm Loewe. Die für die ersten Vorhaben vorgesehenen 115 Millionen Euro an Fördergeldern könnten der Forschungslandschaft einen wesentlichen Schub geben.

„Intelligente Systeme“ für Senioren

Während Hessen-IT in diesem Jahr die Themen Spiele, Breitbandverkabelung und das Satellitennavigationssystem Galileo in den Mittelpunkt gerückt hat, soll es im nächsten Jahr um „E-Health“ gehen. Als Beispiele, wie die Themen Gesundheit und Informationstechnik zusammengedacht werden können, nannte Gottschalk die Gesundheitskarte oder die Ausstellung elektronischer Rezepte. Auch Pilotprojekte seien denkbar, zum Beispiel, um älteren Menschen einen möglichst langen Aufenthalt in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Dies könne über „intelligente Systeme“ geschehen, von der Kamera in der Wohnung bis hin zum Roboter als Haushaltshilfe.

Gottschalk wird schon in zwei Wochen Gelegenheit haben, den IT-Standort Hessen abermals einem großen Fachpublikum vorzustellen: am 20. November findet im Darmstädter Kongresszentrum der dritte Nationale IT-Gipfel statt, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet wird. Gemeinsam mit Spitzenvertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft will die Bundesregierung Bilanz ziehen und die breite Palette an Projekten vorstellen.

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Jahrgang 1958, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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