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Im Porträt: Stella Salato Ein unbiegsamer Stern

25.04.2008 ·  Deutschlands Superstar hatte sie werden wollen, und dem Ziel ist sie als Siebtbeste nahe gekommen. „Im Fernsehen wird geradezu erwartet, dass man sich vergibt“, sagt sie in der Rückschau. Ein Stern ist Stella Salato aber ohnehin, denn so lässt sich ihr Vorname übersetzen.

Von Stephanie Zehnle
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Deutschlands Superstar hatte sie werden wollen, und dem Ziel ist sie als Siebtbeste schon sehr nahe gekommen. Ein Stern ist Stella Salato ohnehin schon seit 22 Jahren, denn so lässt sich ihr italienischer Vorname übersetzen. In ihren Beruf als Mediengestalterin will sie nach dem Ausscheiden aus der Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) nicht mehr zurück. Den Ruhm denkt sie stattdessen zu nutzen, um als Sängerin oder Fernsehmoderatorin auf der Mattscheibe zu bleiben. Andererseits ist sie von Castingshows und der TV-Welt auch enttäuscht: „Im Fernsehen wird geradezu erwartet, dass man sich verbiegt.“

Stellas tiefe, warme Stimme wurde schon im Schulchor entdeckt. Auch bei Hochzeiten ihrer italienischen Verwandtschaft hatte sie oft Auftritte. Ein Jurymitglied glaubte jetzt gar, Stellas Eltern hätten sich den Namen bewusst als Künstlernamen ausgedacht. Mit Haut und Haaren hat sich Stella, die in Bad Homburg geboren wurde, dennoch nicht der Musik verschrieben. Sie ließ sich nach der Fachhochschulreife zur Mediengestalterin ausbilden. In dieser Zeit arbeitete sie auch jahrelang nebenher in einem Altenheim. Mit 16 Jahren präsentierte sie sich schon einmal beim Vorcasting zur Show „Deutschland sucht den Superstar“, überstand aber nicht die Auswahlrunde.

Eine aufregende Zeit

Jahre später versuchte sie es abermals, nachdem ihre Familie und ihr Freund sie dazu gedrängt hatten. Dieses Mal war sie erfolgreicher, und mit den anderen Finalisten zog sie als Wohngemeinschaft für sechs Wochen in ein Haus. Dort musste sie sich in ihrem Zimmer verbunkern, wenn die Mitbewohner für ihre Auftritte lautstark probten. Es gab einen straffen Stundenplan aus Gesangstraining, Tanzunterricht und Presseterminen. Stella denkt gern an die aufregende Zeit als Superstarkandidatin zurück, als vor der Fernsehshow die Stylistin das Lipgloss aufpinselte, zu ihren Füßen jemand das Kleid kürzte und der Friseur gleichzeitig die Lockenmähne zurechtzupfte, die laut einem Internetforum eine Perücke sein sollte. Vor jedem Fernsehauftritt umarmten sich die Sänger „wie in einem Ritual“ hinter der Bühne und machten sich Mut.

Lange kann Stella bei einem Milchkaffee in ihrer Heimatstadt nicht von ihren Erfahrungen berichten. Schon stören sie vier Jugendliche, für die sie bereitwillig die Autogrammkarten zückt. „Und eine noch für meine Schwester Beate“, sagt einer der jungen Fans. Dann trauen sich auch die Mütter, Väter und der Kellner im Café, nach einer Unterschrift zu fragen. Etwas unbeholfen stellen sie sich dann nacheinander für ein Foto neben die herzlich lächelnde Stella. Angeblich sind die Autogramme nur für die Kinder. Dabei fällt nur auf, dass sie Stella erkennen, wo sie die Sendung doch „eigentlich nicht“ verfolgen. Stella genießt die Aufmerksamkeit und das Tuscheln der Leute auch dann, wenn sie mit ihrem Freund durch das Einkaufszentrum schlendert. „Das ist süß, wenn eine erwachsene Frau kein Foto machen kann, weil ihre Hand vor Aufregung so zittert“, sagt sie.

Ihr Ausscheiden aus der Show verursachten die Zuschauer. Scheinbar basisdemokratisch funktioniert das DSDS- sche Wahlsystem. Wer abstimmt am Telefon, der zahlt. Und wer noch mehrfach abstimmt, zahlt mehr. Deshalb sind es vor allem Kinder und Jugendliche, die für ihre Idole anrufen, nachdem alle Kandidaten ihr Lied gesungen haben. Bis in die Nacht hinein ist der Zeitraum ausgedehnt, in dem angerufen werden kann. So erzeugt der Sender eine enorme Spannung, vor allem unter den Kandidaten, die um ihr Weiterkommen in der Show zittern: Schließlich zeigen sie Emotionen. Wenn dann Tränen über gepuderte Wangen kullern und sich die Angehörigen im Publikum aus Angst umarmen, wird das Zuschauerurteil verkündet. Das dürfte auch der Moment sein, in dem erboste Eltern den Telefonhörer aus den Händen ihrer Kinder reißen.

„Ich bin einfach nicht naiv“

Mit der gesanglichen Interpretation von Mariah Careys „Dreamlover“ waren Stella und die Jury gleichermaßen zufrieden, trotzdem reichten die Anrufe nicht, und Stella musste gehen. „Das liegt am Alter der Anrufer, denn meine Fans sind keine Kinder, sondern eher junge Erwachsene“, meint Stella. Musikproduzent und Jurymitglied Dieter Bohlen, der sie konsequent „Schdella“ nannte, empfand sie hingegen als zu bieder und zu langweilig. Ihm fehlte die italienische Leidenschaft, bei Stella, der es schwerfiel, sich auf der Bühne gehenzulassen.

Im Gespräch fehlt dieses Feuer nicht, denn Stellas Hände sprechen gemäß dem Vorurteil über Südeuropäer stets mit. „Den meisten Zuschauern passt es wohl einfach nicht, dass ich normal bin und nicht gleich alles dramatisiere“, fügt sie an. Dabei hat sie im Leben, wie jeder Mensch, auch schon gelitten: Bis sie 30 Kilogramm abnahm, ist sie als Kind gehänselt worden, der Tod ihrer Großmutter hat sie geprägt, und als Einwanderer aus Sizilien war die finanzielle Situation der Familie lange nicht gesichert. „Ich bin einfach nicht naiv, das ist mir zum Verhängnis geworden“, meint sie und runzelt nachdenklich die Stirn.

Bohlen? „Nicht mein Musikgeschmack“

Nach dem Ausscheiden aus der Show hatte RTL sie mit einer kitschigen Kutsche abgeholt. Freunde und Familie empfingen sie mit einer Überraschungsfeier. Sie müssen sich für die Samstagabende eine neue Beschäftigung suchen, doch immerhin sinken jetzt ihre Telefonkosten. Mit der Castingshow als Sprungbrett sucht jetzt auch Stella neue Aufgaben. Einem verpassten Plattenvertrag mit Dieter Bohlen trauert sie nicht nach: „Das ist nicht mein Musikgeschmack.“

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