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Im Gespräch: Schwälbchen-Chef Berz-List „Man kann Marktpreise bei Milch nicht herbeistreiken“

27.05.2008 ·  Mit Lieferstopps protestieren Bauern gegen sinkende Milchpreise. Schwälbchen-Chef Berz-List bezweifelt, dass die Aktion Erfolg haben wird, wie er im Interview sagt: "Wir leben in Deutschland auf keiner Insel. Wir haben einen Welt-Milchmarkt."

Von Thorsten Winter
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Mit Lieferstopps protestieren Bauern gegen sinkende Milchpreise. Schwälbchen-Chef Berz-List bezweifelt, dass die Aktion Erfolg haben wird, wie er im folgenden Interview sagt: „Wir leben in Deutschland auf keiner Insel. Wir haben einen Welt-Milchmarkt.“

Landwirte boykottieren Molkereien aus Protest gegen rückläufige Milchpreise. Inwieweit ist Schwälbchen betroffen?

Schwälbchen wird von einigen Dutzend Lieferanten boykottiert.

Wieviele Lieferanten zählt Ihre Molkerei gemeinhin?

Insgesamt beliefern uns 800 Betriebe. Aber viel wichtiger als die Zahl der Milcherzeuger ist die dahinter stehende Menge, die uns erreicht. Und da beteiligen sich vor allem kleinere Betriebe, die Kühe im Nebenerwerb halten und 300 oder 500 am Tag abliefern, am Boykott. Aber die großen Milchviehbetriebe mit 3000 oder 5000 Litern am Tag, die definitiv auf das Einkommen aus der Milch angewiesen sind, tun sich schwer mit diesem Schritt und wollen sich wohl mehr symbolisch für einen Tag am Boykott beteiligen.

Wie erklären Sie sich das?

Mit Blick auf Schwälbchen spielen zwei Gründe eine Rolle. Zum einen geht es bei mit den Preisen runter, wenn es am Markt runtergeht. Zum zweiten zahlt Schwälbchen in Hessen und Rheinland-Pfalz relativ zum Markt den höchsten Milchpreis aus. Und zwar schon seit mehr als einem Jahr. Da fragen sich viele Milcherzeuger: Warum sollen wir die Molkerei boykottieren, die am meisten auszahlt? Zumal Schwälbchen-Produkte im Handel ein paar Cent mehr kosten als andere und Wertschöpfung für Milch betrieben wird.

Die Upländer Bauernmolkerei in Nordhessen, die auf Biomilch spezialisiert ist, zahlt aber mehr als Schwälbchen aus.

Das ist richtig, aber auch bei den Biomilchpreisen geht es mal nach oben und mal nach unten. Zudem hat der Bio-Landwirt höhere Kosten als ein konventioneller Milchbauern.

Wird der Boykott zu höheren Preisen führen?

Ich kann eine gewisse Solidarität der Bauern untereinander nicht ausschließen, aber mit Blick auf die Nachhaltigkeit gebe ich dem keine Chance. Denn selbst wenn die Milchpreise für ein paar Wochen oder Monate wieder steigen sollten: Man kann Marktpreise nicht herbeirufen, man kann sie auch nicht herbeistreiken.

Aber andere Streiks haben doch Erfolg.

Wir leben in Deutschland auf keiner Insel. Wir haben einen Welt-Milchmarkt. Milch ist immer mehr dem Gesetz von Angebot und Nachfrage überlassen worden, und damit wird man sich abfinden müssen.

Im Herbst haben Milchbauern davon noch über gestiegene Preise profitiert.

Die im vergangenen Jahr gestiegenen Abgabepreise bei Milch und Milchprodukten haben dazu geführt, dass die Verbraucher unter dem Strich weniger eingekauft haben. Wegen des starken Euro werden weniger Milchprodukte ins Ausland verkauft. Hinzu kommt, dass die Milchviehhalter im Zuge der höheren Preise mehr Milch angeliefert haben. Das alles drückt auf den Markt. Ìch glaube im Übrigen, dass wir im zweiten Halbjahr wieder deutlich stabilere Milchpreise sehen werden.

Wird Schwälbchen bei einem längeren Boykott Lieferprobleme bekommen?

Niemand muss sich Sorgen machen, die grünen Produkte aus unserem Haus könnten ausgehen. Da machen wir uns angesichts der Rohstoffbasis keine Sorgen.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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