31.03.2009 · Um Opel zu helfen, hält der hessische IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild weitgehende Zugeständnisse der Mitarbeiter für möglich. Ohne Gegenleistung geht das nach Ansicht des Gewerkschafters allerdings nicht. 2012 werde es weniger Opelaner geben als heute, sagte er im Interview.
Um Opel zu helfen, hält der hessische IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild weitgehende Zugeständnisse der Mitarbeiter für möglich. Ohne Gegenleistung geht das nach Ansicht des Gewerkschafters allerdings nicht, wie er im folgenden Interview mit der Rhein-Main-Zeitung sagt.
Es hat einen Wechsel an der Spitze von General Motors gegeben – was bedeutet das für Opel?
Ich bin zwar nicht Aufsichtsrat bei GM, sondern bei Opel, zwei Anmerkungen gestatte ich mir trotzdem: Es gab in den vergangenen Jahren unterschiedliche Strategien bei GM. Einmal die, die einer strikten Shareholder-value-Doktrin anhängt, die rasche Gewinnmaximierung über alles stellt. Andere führende Köpfe bei GM messen dagegen der mittelfristigen Entwicklung der Marken mehr Bedeutung bei. Mit dem Wechsel an der Spitze könnte sich nun die längerfristig angelegte Erfolgsstrategie, die die Marke – in unserem Fall der Marke Opel – vorantreibt, die Oberhand gewinnen. Deshalb habe ich den Eindruck, dass dies eine gute Nachricht für Opel ist.
Sicher ist, dass die Opelaner Opfer werden bringen müssen?
Zunächst einmal sind nicht die Beschäftigten am Zug. Auch wir müssen zuerst sehen, wie das Zukunftskonzept für GM aussieht. Keine Werksschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen; davon hängt ab, was aus Arbeitnehmersicht bei Opel geht und was nicht. Es besteht ein enges Verhältnis, das sich möglicherweise bis zu einer Minderheitsbeteiligung lockern lässt. Die Rettungsaktion für GM muss nun aber erst einmal definiert werden. Wenn das Konzept auf Opel als Marke in Europa mit mehr Eigenständigkeit, Freiheit und mehr eigener Identität setzt, dann kann Opel Deutschland zusammen mit der Bundesregierung den Rettungsplan für Opel zu Ende entwickeln. Dann stellt sich auch die Frage von Arbeitnehmerbeiträgen. Die Bereitschaft ist da.
Ein Lohnverzicht?
Es sind Beiträge vorstellbar, die nicht gleich den Bestand angreifen. Es ist aber denkbar, anstehende Tariferhöhungen nicht zu vollziehen. Dann bietet es sich insbesondere an, Arbeitszeit herauszunehmen, um Entlassungen zu vermeiden.
Ohne Lohnausgleich?
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu verkürzen. Man kann entlassen oder die Arbeitszeit auf mehr Leute verteilen. Vollen Lohnausgleich kann es zurzeit wohl nicht geben. Arbeitszeitverkürzung statt Entlassungen heißt unsere Strategie. Wir sind dafür auch bereit zu neuen Arbeitszeitregelungen bis hin zu Eingriffen in bestehende Tarifverträge. Das oberste Ziel muss sein: Keine Entlassungen bei Opel.
Ohne Gegenleistungen?
Nein, wir fordern dann als Gegenleistung für die Arbeitnehmer eine Beteiligung am Kapital und an Entscheidungen des Unternehmens. Die, die am meisten Interesse am langfristigen Erfolg des Unternehmens haben, die Arbeitnehmer und die Händler, sollten beteiligt sein. So sind derart schwerwiegende Fehlentscheidungen des Managements, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten bei Opel immer wieder gesehen haben, zu vermeiden.
Kennen Sie interessierte Investoren?
Es steht mir als Aufsichtsrat nicht zu, darüber öffentlich zu spekulieren. Nur soviel: Es könnten genauso strategisch interessierte Investoren sein wie der Staatsfonds von Abu Dhabi, der gerade bei Mercedes zugestiegen ist mit 2,1 Milliarden Euro. Übrigens entspricht das genau dem Finanzierungsbedarf von Opel. Ordnungspolitiker haben die Beteiligung von Staatsfonds zwar bisher immer für Teufelszeug gehalten, ich bin auf deren Kommentare gespannt. Ich kann mir Schlimmeres vorstellen als einen Staatsfonds, der klar sagt, wir wollen vom Öl unabhängig werden und mit Mercedes in die Zukunftstechnologie Elektromobilität einsteigen und investieren.
Bei Mercedes – nicht bei Opel oder GM.
Sie vergessen, dass der Technologieführer bei Elektromobilität weltweit General Motors heißt. Der Opel Ampera, der in Genf vorgestellt wurde, ist ein Serienfahrzeug, das schon unter dem Namen Chevrolet Volt produziert wird. Da steckt auch jede Menge Knowhow von Opel drin. Man darf nicht dem Irrtum erliegen, dass GM ein Steinzeitkonzern sei. Es ist ein moderner Technologiekonzern.
Soll das die Zukunft für Opel sein?
Ich sage, der „Grüne Blitz“ ist eine Zukunftschance für Opel, ja.
Aber noch ziemlich vage?
Ich habe Verständnis dafür, dass die Bundesregierung von Opel und GM einen genauen Plan fordert. Ich habe aber den Eindruck, dass auch deshalb so lange über die Hilfe für Autobauer in Deutschland und Europa diskutiert wird, weil man selbst überhaupt keinen Plan hat. Es ist doch klar, dass mit der Hilfe eine strategische Neuausrichtung verbunden sein muss. Die Autos, die Deutschland in die Welt künftig exportieren wird, werden sich verändern.
Was wäre, wenn Opel in die Insolvenz ginge? Die Forderung gibt es ja.
Wer so spricht, hat entweder keine Ahnung von der Autoindustrie oder er ist völlig verantwortungslos. Eine Insolvenz wäre eine Sterbehilfe, keine Lebenshilfe.
Wieso das?
Bei Saab kann man die Folgen genau nachvollziehen. Nach der Nachricht von der Insolvenz sind die Bestelleingänge innerhalb von drei Tagen auf Null gesunken und mehr als 60 Prozent der schon bestellten Autos wurden wieder abbestellt. Dabei sind Saab-Käufer noch sehr viel markentreuer als die Kunden der Volumenhersteller. Im Falle der Insolvenz wollen außerdem die Zulieferer die Lichtmaschine sofort bezahlt haben, nicht erst dann, wenn das Auto verkauft wurde.
Es gibt doch erfolgreiche Beispiele.
Natürlich kann man eine Stahlhütte oder auch eine Bäckerei aus der Insolvenz heraus betreiben. Bei einem so komplexen Geflecht wie der Autoindustrie funktioniert das aber nicht. Ich bin keineswegs ein Gegner von Insolvenzverfahren. Ich kenne sehr erfolgreiche Beispiele. Wir haben mit den Pfalz Flugzeugwerken oder auch mit den saarländischen Stahlwerken Erfolgsgeschichten mitgeschrieben. Ich weiß sehr wohl, was mit Insolvenzverfahren möglich ist und was nicht. Es ist aber kaum vorstellbar, dass jemand ein Auto für 40.000 Euro von einer Marke kauft, von der er nicht weiß, ob sie in einem Jahr noch existiert.
Gibt es bei Opel schon negative Auswirkungen auf die Bestellraten?
Nein. Die Zahlen sind ausgezeichnet. Opel ist die zweiterfolgreichste Marke in Deutschland mit mehr als acht Prozent Marktanteil. Es sind 125.000 Opels seit Beginn des Jahres verkauft worden. Über 80 000 verkaufte Insignia – das ist hervorragend. Opel ist kein Sanierungsfall. Allerdings hat das frühere Management den Markennamen beschädigt. Seit Forster und Demant Opel führen, ist das aber Vergangenheit.
Wie viele Opelaner wird es 2012 geben?
Es wird weniger geben als heute. Ich hoffe aber, dass es keinen geben wird, der nicht von sich aus gegangen ist. Es wird schwierig werden, aber wir können das hinkriegen. Die Opelaner wollen es zeigen, sie sind motivierter als die Politik.
Was wird Angela Merkel heute mit nach Rüsselsheim bringen, ein Hilfspaket?
Die wichtigste Nachricht der Bundeskanzlerin wird sein, dass sie und die Bundesregierung es dem Unternehmen, den Mitarbeiter zutrauen, die Krise zu meistern.
"Wer so spricht, hat entweder keine Ahnung von der Autoindustrie"
Johannes Salzmann (enJOyIT)
- 31.03.2009, 10:56 Uhr
insignia.....
YIN YANG (YANGI)
- 31.03.2009, 16:56 Uhr