04.02.2010 · Der Handyhersteller Motorola ist mit seiner Deutschland-Zentrale nach Idstein gezogen und stellt den Bürgern ein W-Lan-Netz zur Verfügung.
Von Oliver Koch, IdsteinSeit kurzem haben Besucher und Bürger der Stadt Idstein die Möglichkeit, über ein drahtloses lokales Funknetz (W-Lan) kostenfrei ins Internet zu gehen. Betrieben wird das W-Lan-Netz vom Handy-Hersteller Motorola, der erst vor einigen Monaten seine Deutschland-Zentrale nach Idstein verlegt hatte. „Gerne möchten wir die Einwohner und Besucher der Stadt Idstein an unserer Technologie-Kompetenz teilhaben lassen“, sagte Roland Dürr, Geschäftsführer der Motorola GmbH. Außerdem könne die Stadt Idstein den Internetzugang für eigene Informationen nutzen, sagte er.
Für das „City-Wifi-Netz“ wurden laut Motorola-Mitarbeiter Walter Chaberny an fünf Standorten im Stadtkern und an zwei Stellen im Nassauviertel Antennen installiert, wobei die Stadt bei der Suche nach geeigneten Gebäuden geholfen habe. Das W-Lan-Angebot deckt in der Stadt den Angaben zufolge eine Fläche von rund drei Quadratkilometern ab. Nach den Worten Chabernys kann das Netz mit Laptops und W-Lan-tauglichen Mobiltelefonen genutzt werden. Wer vollen Zugang zum Internet möchte, muss sich auf der Startseite registrieren, das Passwort wird als SMS verschickt; ohne Anmeldung sind nur die Internetseiten von Motorola und der Stadt Idstein zugänglich.
Kosten von rund 100.000 Euro
Das Surfen im Internet ist laut Chaberny außerhalb von Gebäuden möglich, also auf der Straße oder auch im Auto; als DSL-Ersatz sei das Angebot nicht gedacht. Der Datendurchsatz betrage bis zu 2000 Kilobit pro Sekunde; wenn ein Nutzer große Datenmengen herunterlade, werde die Geschwindigkeit gedrosselt. Als Hauptzielgruppen für das neue Angebot nannte Chaberny Schüler, Studenten und Touristen. Für das W-Lan-Netz seien noch weitere Anwendungen denkbar: So könnten etwa Bilder zur Verkehrsüberwachung übertragen werden. Auch eine Ausdehnung des Netzes auf Gebäude, etwa das Gymnasium oder die Europa-Fachhochschule, wäre möglich.
Die Kosten für Netzplanung und Technologie hat Motorola übernommen; würde man ein Netz dieser Art verkaufen, kostete es rund 100.000 Euro, hieß es. Das Unternehmen wolle das Netz zunächst für ein Jahr selbst betreiben, so Dürr. Es sei nicht auszuschließen, dass man es dann an einen Service-Provider abgebe. „Wir haben nicht vor, es abzuschalten.“ Als Zeichen, dass Motorola in Idstein angekommen sei, lobte Bürgermeister Gerhard Krum (SPD) das Engagement des Unternehmens. Der kostenfreie Internetzugang „verschafft Einwohnern und der Stadt Idstein gleichermaßen große Vorteile“, sagte er.
Der deutsche Motorola-Hauptsitz war 2009 von Taunusstein-Neuhof in das ehemalige Telco-Gebäude in Idstein verlegt worden. In Deutschland beschäftigt das amerikanische Unternehmen, das unter anderem Mobiltelefone und Funksysteme anbietet, rund 1200 Mitarbeiter, davon mehr als 300 in Idstein. Im Jahr 2008 erzielte die Motorola Deutschland GmbH einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro.