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Hohe Lärmbelastung Langfristig soll Rheintal frei von Güterzügen werden

25.02.2010 ·  Kurzfristig sollen neue Bremssysteme die Güterwaggons der Bahn AG und ihrer Mitbewerber leiser rollen lassen. Langfristig aber müsse das Mittelrheintal vom Schienengüterverkehr durch eine neue Strecke befreit werden, fordern Hessen und Rheinland-Pfalz vom Bund.

Von Oliver Bock, Mainz
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Kurzfristig sollen neue Bremssysteme die Güterwaggons der Deutschen Bahn AG und ihrer Mitbewerber leiser rollen lassen. Langfristig aber müsse das Mittelrheintal vom europäischen Schienengüterverkehr durch eine Neubaustrecke befreit werden. Das sind die zentralen Forderungen des „Zehn-Punkte-Programms Leises Rheintal“, auf das sich die beiden Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen verständigt haben. Ihre an den Bund und die Bahn AG gerichteten Forderungen haben die Verkehrs- und Umweltminister von Hessen und Rheinland Pfalz, Dieter Posch (FDP), Silke Lautenschläger (CDU), Hendrik Hering (SPD) und Margit Conrad (SPD) im Mainzer Umweltministerium gemeinsam vorgestellt.

Das Programm ziele darauf ab, durch eine Kombination von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen den Schienenverkehr im 65 Kilometer langen Mittelrheintal zwischen Mainz/Wiesbaden und Koblenz schrittweise „menschen- und umweltverträglicher“ zu organisieren, sagte Hering. Dazu hätten alleine Bund und Bahn die notwendigen Instrumente. Die bisherigen Erfolge beim Lärmschutz links und rechts des Rheins seien durch die Zuwächse beim Güterverkehr auf der Schiene wieder zunichtegemacht worden. Hohe Lärmschutzwände verböten sich an vielen Stellen in der 2002 zum Unesco-Welterbe erhobenen Kulturregion.

135.000 Güterwaggons umzurüsten

Hering und Posch verlangen vom Bund vor allem die finanzielle Förderung einer schnellen Umrüstung der 135.000 in Deutschland beheimateten Güterwaggons auf moderne Bremsen, die beim Verzögern die Lauffläche der Räder nicht aufrauen und somit die Rollgeräusche der Waggons bei Fahrt deutlich verringern. Der Lärm fahrender Züge könne dadurch um bis zu zehn Dezibel reduziert werden, was einer Halbierung des Lärms entspreche. Laut Posch wird der derzeitige Ausbau des transeuropäischen Schienennetzes in den Niederlanden, in Italien und der Schweiz dazu führen, dass sich der Verkehr auf der europäischen Nord-Südachse und damit zwischen den Häfen Rotterdam und Genua bis 2050 verdoppeln werde. Das Mittelrheintal werde dann der enge „Flaschenhals“ im europäischen Güterverkehrsnetz sein.

Hering und Posch hoben deshalb auch die Forderung nach dem Bau einer neuen Strecke außerhalb des Rheintals als großräumiger Umleitung für den Gütertransport auf der Schiene hervor. Die Voruntersuchungen zur Ermittlung einer möglichen Trasse solle der Bund baldmöglichst einleiten und das Projekt vom Grundsatz her schon in der nächsten Fassung des Bundesverkehrswegeplans verankern.

Stationäre Messstationen verlangt

Die beiden Umweltministerinnen kündigten zur Unterstützung der Forderungen der beiden Bundesländer gegenüber dem Bund die Einrichtung von stationären Messstationen entlang der links- und rechtsrheinischen Strecke an. Spitzenbelastungen von bis zu 106 Dezibel und Durchschnittswerte von mehr als 70 Dezibel seien für die Bürger nicht hinnehmbar, sagte Conrad, die zudem die Gründung einer Bahnlärmkommission Mittelrheintal unter Beteiligung des Bundes und der Anwohner forderte.

Der Forderungskatalog der beiden Bundesländer umfasst auch das Verlangen nach einem konkreten, verbindlichen Zeit- und Stufenplan zur Verringerung des Schienenlärms. Das technisch und betrieblich mögliche Potential dazu müsse ausgeschöpft werden. Das Förderprogramm zur Umrüstung der durchschnittlich 40 Jahre alten Güterwaggons müsse schnellstmöglich seine Wirkung entfalten. Um ökonomische Anreize für den Einsatz lärmarmer Züge zu setzen, plädieren Posch und Hering für die rasche Einführung lärmabhängiger Trassenpreise. Denkbar seien ein Aufschlag von 2,5 bis vier Cent je Kilometer und Waggon.

Schallschutzwände in 26 Orten

Dieses Instrument habe sich auch bei anderen Verkehrsträgern schon bewährt, sagte Posch mit Blick auf den Flugverkehr. Langfristig aber führe an einer Entlastungsstrecke für den Verkehr zwischen Mittelmeer und Nordsee aber kein Weg vorbei. Auch nach Auffassung von Hering hat die Rheinstrecke schon jetzt ihre Kapazitätsgrenze erreicht.

Sprecher der Bürgerinitiativen im Mittelrheintal erhoben gestern auch die Forderung nach einem Nachtfahrverbot oder einem Tempolimit für Güterzüge. Die Bundesländer wollen diese Möglichkeit und ihre Wirkung allerdings erst einmal nur geprüft sehen. Sprecher der Bahn AG nannten das Ziel, den Bahnlärm bis 2020 zu halbieren, „erreichbar“. Im Rheintal sei durch den Einbau von 28.000 Schallschutzfenstern und den Aufbau von Schallschutzwänden in 26 Orten schon einiges erreicht worden. Die schnelle Umrüstung von Güterwaggons sei allerdings von der Bereitstellung finanzieller Mittel durch den Bund abhängig.

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