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Hochschule arbeitet Vergangenheit auf Die Rakete V 2 entwickelten viele Darmstädter Forscher mit

 ·  Viele deutsche Hochschulen haben ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet. An den Technischen Hochschulen ist der Forschungsstand keineswegs auf vergleichbarem Niveau, wie Historiker Christof Dipper sagt. Das soll sich nun ändern.

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Die Technische Universität Darmstadt (TU) will in einem zunächst auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekt ihre Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten. Sie folge damit dem Beispiel anderer Universitäten und Wissenschaftsorganisationen, sagte TU-Präsident Hans Jürgen Prömel, der das vom Präsidium der Hochschule beschlossene und aus Eigenmitteln in Höhe von 90.000 Euro finanzierte Vorhaben vorstellte. Die Gesamtdarstellung soll den Zeitraum von 1930 bis 1960 umfassen und damit auch die Nachkriegszeit und den Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Leiter des Projekts ist der Darmstädter Hochschullehrer Christof Dipper vom Institut für Geschichte. Seine wichtigsten Mitarbeiterinnen sind die Historikerinnen Melanie Horn und Isabel Schmidt, die im Rahmen des Forschungsvorhabens promovieren werden.

Dipper bezeichnete die Entscheidung des Präsidiums als keineswegs selbstverständlich. Zwar hätten mittlerweile alle namhaften Universitäten ihre Verstrickung in die NS-Zeit aufgearbeitet. An den Technischen Hochschulen sei der Forschungsstand keineswegs auf vergleichbarem Niveau. Bei Null müssen Horn und Schmidt gleichwohl nicht anfangen. Sie können auf umfangreiche Vorarbeiten zurückgreifen, etwa auf die Ergebnisse zweier Ringvorlesungen von 1986 und 2003 oder auf die Dokumentation der jüngsten Reihe, die unter dem Titel „Selbstmobilisierung der Wissenschaft“ bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschienen ist.

„Konstitutiver Teil des Dritten Reichs“

Diese freiwillige Selbstmobilisierung gehört zu einer der Leitideen, unter die Dipper das Forschungsprojekt gestellt hat. Es habe auf allen Ebenen des Hochschulpersonals 1933 eine „euphorische Anfangsstimmung“ gegeben, ohne die die Erfolge der Nazis nicht erklärbar seien. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung soll auf der Zusammenarbeit von Militär, Industrie und Wissenschaft liegen und auf dem späteren Umgang mit der NS-Geschichte. Diesem Zeitraum nach 1945 wird sich vor allem Schmidt widmen.

Nach Dipper ist es inzwischen Stand der Forschung, dass die Wissenschaft ein „konstitutiver Teil des Dritten Reichs“ gewesen ist und auch die Technischen Hochschulen alles taten, um in das Netzwerk der NS-Förderungen eingebunden zu werden. Nach 1933 seien über den Reichsforschungsrat „ungeheure Summen“ geflossen, da das Regime ein maßgebliches Interesse an der technischen Wissenschaft gehabt habe, etwa aus militärischen Gründen.

Quellenlage schlechter als andernorts

Wie sehr die Technischen Hochschulen eingebunden waren, zeigt deren Beteiligung am „Vorhaben Peenemünde“ - der Entwicklung der Rakete V 2 durch das Heereswaffenamt. Die TH Darmstadt war mit 92 Mitarbeitern größter Partner an der Entwicklung der „Wunderwaffe“, vor allem in der Triebwerksforschung, bei der Berechnung von Raketenflugbahnen und bei funk- und steuerungstechnischen Geräten. Besonders stark involviert war das Institut für Anorganische und Physikalische Chemie und das Institut für Praktische Mathematik. Zehn der Professoren, die an den Forschungen beteiligt waren, wurden 1945 verhaftet.

Die Quellenlage zur Erforschung der NS-Zeit ist in Darmstadt wegen der großen Kriegszerstörungen von 1944 schlechter als in anderen Universitätsstädten. Vorhanden seien nur noch Einzelbestände, sagte der Leiter des Universitätsarchivs, Andreas Göller, etwa Personalakten. Wichtig für die Forschungsarbeit seien deshalb private Überlieferungen und Dokumente wie Briefe, Filme, Fotos oder aufbewahrte Vortragsmitschriften. Dipper, Horn und Schmidt hoffen außerdem, dass sich ehemalige Studenten und Professoren, die bis 1960 die TU besuchten, für Zeitzeugengespräche zur Verfügung stellen.

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Jahrgang 1958, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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