15.10.2007 · Die Erstsemesterzahlen an den hessischen Hochschulen entwickeln sich sehr unterschiedlich. Während die Unversität Marburg einen Einbruch um 36 Prozent meldet, erhöht sich die Studentenzahl an der TU Darmstadt um 25 Prozent.
Von Sascha ZoskeÜberfüllte Hörsäle und Seminarräume – das sollte es im Semester eins der neuen Zeitrechnung an Hessens Hochschulen eigentlich immer seltener geben. Schließlich versprechen Unis und Landesregierung nahezu täglich, dass sich die Studienbedingungen dank der Einnahmen aus den jetzt erstmals fälligen Gebühren deutlich verbessern werden.
Trotzdem müssen vor allem die Erstsemester in den nächsten zwei Wochen damit rechnen, dass es mancherorts eng wird, wie der Vorsitzende der Konferenz hessischer Universitätspräsidenten, Stefan Hormuth, in Wiesbaden sagte. Wenn es Gedränge gebe, dann aber nicht deshalb, weil die Hochschulen ihr Versprechen vergessen hätten, sondern weil sie sich zum Teil sehr kurzfristig auf den Zustrom an Studienanfängern einstellen müssten: Für viele Fächer ohne Numerus clausus könne man sich bis kurz vor Vorlesungsbeginn einschreiben. Tatsächlich sind an einigen Universitäten die Erstsemesterzahlen trotz der Gebührenpflicht deutlich gestiegen.
Corts: Nachfrage nach Studiendarlehen gering
An der Technischen Universität Darmstadt ist das Plus mit 25 Prozent sogar noch deutlicher ausgefallen als zunächst erwartet. Immerhin zehn Prozent Zuwachs kann nach Angaben ihres Präsidenten Hormuth die Universität Gießen verbuchen. Die Hochschule Darmstadt liegt hingegen laut Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) mit sieben Prozent im Minus. Einen drastischen Rückgang um 36 Prozent meldet die Universität Marburg; Corts hält es jedoch für möglich, dass diese Angabe auf einem Fehler beruht. Insgesamt liege die Zahl der Anfänger an den zwölf staatlichen hessischen Hochschulen derzeit bei 20.170 und damit um rund 800 niedriger als im Wintersemester 2006/2007. „Es könnte aber sein, dass wir noch auf den gleichen Stand kommen wie vor einem Jahr.“
Die Nachfrage nach den Darlehen, die die LTH-Bank für Infrastruktur zur Finanzierung der Gebühren anbietet, ist nach Worten von Corts und Hormuth geringer als erwartet. Insgesamt seien bisher 7000 Anträge gestellt worden; an der Universität Gießen haben sich Hormuth zufolge gerade einmal 30 Interessenten um einen Kredit bemüht.
Ob die Beiträge der Studenten an den Hochschulen gut angelegt werden, kann jetzt auch anhand einer Publikation aus dem Wissenschaftsministerium überprüft werden. In dem „Weißbuch“ listen alle Unis und Fachhochschulen detailliert auf, wofür sie die Gebühren-Einnahmen ausgeben: Die Liste der Verbesserungen reicht von längeren Bibliotheks-Öffnungszeiten über Mittel fürs E-Learning bis hin zu zusätzlichen Dozentenstellen.
„Gebühr“ oder „Beitrag“?
Das Wort „Studiengebühren“ kommt Udo Corts nicht über die Lippen. Stattdessen spricht der Wissenschaftsminister stets nur von „Beiträgen“. Seine Begründung: Die 500 Euro je Semester, die Hessens Hochschüler zahlen müssten, entsprächen bei weitem nicht den tatsächlichen Kosten eines Studiums und seien deshalb im juristischen Sinn keine Gebühr.
Nach Angaben des Ministeriums schlägt die Ausbildung eines Sozialwissenschaftlers mit insgesamt rund 25.000 Euro zu Buche, ein Ingenieurstudium mit 80.000 Euro und ein Medizinstudium mit 150.000 Euro. Dazu sollen die Studenten einen „Beitrag“ leisten - wobei Corts es sicher auch zu schätzen weiß, dass das Wort freundlicher klingt als der bürokratisch-harsche Ausdruck „Gebühr“.