11.07.2007 · Vier Unesco-Welterbe-Stätten gibt es bisher in Hessen, weitere sollen hinzukommen. Der Weg bis dahin ist allerdings weit, die Hürden sind hoch - und die Bewerber könnten zu Konkurrenten werden.
Von Matthias TrautschVier Unesco-Welterbe-Stätten gibt es bisher in Hessen – weitere sollen hinzukommen. Bestrebungen, Baudenkmäler in die Liste der UN-Kulturorganisation aufnehmen zu lassen, gibt es in Wiesbaden, Darmstadt und Kassel.
Wie berichtet, schlagen das Bistum Limburg und die Frankfurter CDU nun außerdem vor, den Kaiserdom ins Welterbe aufzunehmen (siehe: Frankfurter Dom als Kandidat für das Weltkulturerbe). Der Weg bis dahin ist allerdings weit, die Hürden sind hoch – und die Bewerber aus Hessen könnten untereinander zu Konkurrenten werden.
Welterbe soll künftig weniger „europalastig“ soll
Das erste hessische Denkmal, das mit dem Emblem der Unesco ausgezeichnet wurde, war 1991 das Kloster Lorsch mit seiner karolingischen Torhalle. 2002 folgte das Obere Mittelrheintal und 2005 der obergermanisch-raetische Limes. Hinzu kommt seit 1995 die Grube Messel als einziges Weltnaturerbe in Deutschland.
Die Kultusminister der Bundesländer haben sich vor einigen Jahren auf 21 deutsche Denkmäler geeinigt, die für die Unesco-Liste nominiert werden. Acht davon haben bislang den Welterbe-Status erhalten, zuletzt war es die Altstadt von Regensburg. Die Kandidaten 9 bis 21 sollen den Vereinten Nationen noch vorgeschlagen werden.
Zu ihnen gehören als einziges hessisches Denkmal die „Landgräflichen Gärten in und um Kassel“ mit dem Bergpark Wilhelmshöhe, der Karlsaue und Wilhelmstal. Da dieser Vorschlag auf Rang 17 der nationalen Vorschlagsliste plaziert ist, wird es noch einige Jahre dauern, bis sich die Unesco damit befasst. Die übrigen hessischen Anwärter müssten sich noch weit länger gedulden, zumal das Welterbe künftig weniger „europalastig“ sein soll.
Darmstadt und Wiesbaden im Vorteil
Wenn die Liste abgearbeitet ist, könnten sich die Bundesländer auf neue Vorschläge verständigen. Im internen Vorentscheid müsste sich Hessen auf einen Bewerber festlegen. Dabei wären Darmstadt mit der Mathildenhöhe als Zentrum des Jugendstils und Wiesbaden als Stadtdenkmal des Historismus wohl im Vorteil gegenüber Frankfurt.
Denn Jugendstil und Historismus sind auf der Welterbe-Liste bislang unterrepräsentiert, während sich Kathedralen zu Dutzenden darauf finden. Mit der Anerkennung als Welterbe sind nicht nur Vorteile verbunden. So musste die Stadt Köln ihren Hochhausplan ändern, weil die Unesco gedroht hatte, dem Dom den Welterbe-Titel abzuerkennen, wenn dessen Erscheinungsbild durch die vorgesehene Bebauung gefährdet werde.
Die Frankfurter FDP-Landtagsabgeordnete Nicola Beer regt deshalb an zu prüfen, welche Auswirkungen ein Welterbe-Status für den Kaiserdom auf das Planungsrecht der Stadt hätte. Beer fordert, die Vor- und Nachteile sowie die Dauer und Kosten einer Bewerbung „ohne emotionalen Einfluss“ abzuwägen. Im Übrigen müsse sich Frankfurt mit den anderen hessischen Anwärtern unter Einbeziehung des Landesamts für Denkmalpflege auf eine gemeinsame Strategie einigen.