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Hessentag Die aufpolierte Perle der Wetterau

25.05.2007 ·  Wieviel Geld in jüngster Zeit nach Butzbach geflossen ist, behält Michael Merle für sich. „Die Perle der Wetterau ist mächtig aufpoliert worden“, sagt Butzbachs Stadtoberhaupt aber stolz. Am 1. Juni beginnt dort der Hessentag „der kürzesten Wege“.

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Eine gehörige Portion Stolz schwingt in der Stimme von Butzbachs Bürgermeister Michael Merle (SPD) mit, wenn er über die Wandlung der diesjährigen Hessentagsstadt spricht. „Die Perle der Wetterau, wie Butzbach auch genannt wird, ist zum Landesfest mächtig aufpoliert worden“, sagt das Stadtoberhaupt und gerät fast ins Schwärmen. Die großen Baustellen seien verschwunden, mehrere neue Kreisverkehre eingeweiht, die letzten Pinselstriche an den Fassaden gesetzt und die Grünanlagen bepflanzt. „Jetzt, wo der größte Teil der Vorbereitungen abgeschlossen und der Beginn ganz nah ist, setzt auch bei mir das Festfieber ein.“ Zum Hessentag vom 1. bis 10. Juni erwartet Merle rund eine Million Besucher in seiner Stadt.

Mit den engen Gassen in der Altstadt und dem Landgrafenschloss, dessen erste Steine bereits um das Jahr 1200 gelegt wurden, wartet das 25.000-Einwohner-Städtchen mit historischem Flair pur auf. „Der Schlosshof als Veranstaltungsort bietet eine faszinierende Kulisse, die eine ganz eigene Atmosphäre gibt“, sagt der Hessentagsbeauftragte der Landesregierung, Heinrich Kaletsch. Dass schon fast 75 000 Karten für das „Fest aller Hessen“ verkauft worden und mehrere Vorstellungen ausverkauft seien, liege nicht nur an den Künstlern, sondern auch am Ambiente.

„Sonderkonjunkturprogramm in Minimalzeit“

Mehr als 1000 Veranstaltungen stehen in den ersten zehn Junitagen auf dem Programm, wenn aus der Fachwerkstadt in der Wetterau „die heimliche Hauptstadt Hessens“ wird. Die Palette reicht von Pop, Rock und Klassik bis zu Ausstellungen, Oldtimerfahrten, Kabaretts, Kindermusicals und Besuchen von Politikern. Als Höhepunkte gelten Konzerte mit der amerikanischen Rockband Aerosmith, Annett Louisan, der deutschen Gruppe Silbermond und dem Querflötisten Ian Anderson.

„In dem Programm ist wirklich für jeden Geschmack und jedes Alter etwas dabei“, sagt Kaletsch, der das jährliche Landesfest seit 1989 organisiert. Fernab von „Halligalli“ und Unterhaltung gehe es aber auch um ernste Themen wie Natur, Sport und Religion. Und dem Brauchtum wird beim 47. Hessentag auch wieder Platz eingeräumt: Zum „krönenden Abschluss“ mit dem Festumzug wollen laut Kaletsch auch 19 Trachtengruppen mit 475 Teilnehmern durch Butzbach marschieren.

Für das eineinhalb Wochen dauernde Fest kalkuliert die Stadt derzeit mit einem Zuschussbedarf von rund zwei Millionen Euro. „Das nehmen wir gern in Kauf, weil wir wissen, dass der Hessentag unserer Stadt nachhaltig etwas bringt“, sagt der Hessentagsbeauftragte von Butzbach, Hans Möller. „Für den Ausbau von Straßen und das Anlegen von Kreiseln hat allein das Land sechs Millionen Euro gezahlt.“ Für Butzbach seien die Vorbereitungen „ein Sonderkonjunkturprogramm in Minimalzeit“ gewesen.

„Der Hessentag der kürzesten Wege“

Wie viel Geld insgesamt geflossen ist, um Butzbach für den Hessentag herauszuputzen, will Möller nicht sagen. „Das ist auch gar nicht wichtig, denn es geht um den Imagegewinn für die Stadt, der schon vor dem Hessentag zu spüren ist“, sagt Möller. Wenn er früher gesagt habe, dass er aus Butzbach komme, dann habe er häufig zu hören bekommen: „Bist Du Freigänger?“. Doch inzwischen werde Butzbach nicht mehr in erster Linie mit dem Gefängnis verbunden, sondern mit dem Hessentag. Bei der Großveranstaltung werden laut Möller mehr als 3000 freiwillige Helfer im Einsatz sein, die Besucher freundlich empfangen und ihnen für Fragen zur Seite stehen.

Wenn das Wetter mitspielt, da ist sich Kaletsch sicher, wird Butzbach ganz dicht an die bisherigen Hessentags-Rekordstädte aufschließen. In Dietzenbach waren 2001 rund 1,1 Millionen Menschen zusammengekommen, zwei Jahre zuvor hatte es rund 1,06 Millionen Besucher nach Baunatal gezogen. Einen Superlativ hat Butzbach laut Kaletsch jetzt schon sicher: „Der Hessentag in Butzbach ist definitiv der der kürzesten Wege - die dichte Anordnung der Veranstaltungsorte in der Stadt ist ein topographischer Glücksfall.“

Die Geschichte der Hessentags-Stadt Butzbach mit seinen 13 Stadtteilen reicht weit zurück. Im Jahr 773 nach Christus wurde der Ort in der Wetterau zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und zwar als „Botisphaden“. Die ersten Bauern hatten sich vermutlich bereits um 5500 vor Christus in dieser fruchtbaren Gegend angesiedelt. Im ersten Jahrhundert besetzten Römer das Gebiet. Sie bauten in der Nähe des heutigen Stadtzentrums das Kastell Hunneburg und damit eines der wichtigsten Limeskastelle der Wetterau. An die Hunneburg erinnert heute noch ein Modell im Butzbacher Museum, dort sind auch archäologische Funde aus Römerzeiten ausgestellt.

Im Jahr 1321 wurde Butzbach das Stadtrecht verliehen. Große Befestigungsanlagen, ein Rathaus und eine neue Kirche wurden gebaut. Etwa 2000 Menschen lebten damals in der aufstrebenden Stadt. Im 15. Jahrhundert wurden 181 verschiedene Berufe gezählt. Zu den wichtigsten gehörten die Wollweber und die Tuchmacher. Seit 1741 ist Butzbach hessisch. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann auch für die Stadt in der Wetterau das Zeitalter der Industrialisierung. Teile der etwa 1,3 Kilometer langen und über neun Meter hohen Stadtmauer wurden eingerissen. Bis heute sind jedoch Teile der Befestigung erhalten. Dazu gehört der Hexenturm am Kirchplatz. Er wurde als Gefängnis- und Wachtturm gebaut. Später wurden in ihm die der Hexerei angeklagten Frauen bis zu ihrer Verurteilung eingekerkert.

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