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Heimbach 750 Jahre alt Letztes Gelage vor dem Weltuntergang

27.07.2010 ·  Den Charakter eines Dorfes bestimmt vor allem die Gemeinschaft seiner Bewohner. Daran gemessen ist Heimbach ein glückliches Dorf, denn Ortsvorsteherin Margit Humburg lobt im Jubiläumsjahr die gute Nachbarschaft und Verlässlichkeit der Bürger.

Von Oliver Bock, Bad Schwalbach
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Den Charakter eines Dorfes bestimmt vor allem die Gemeinschaft seiner Bewohner. Daran gemessen ist Heimbach ein glückliches Dorf, denn Ortsvorsteherin Margit Humburg lobt im Jubiläumsjahr die gute Nachbarschaft, die Hilfsbereitschaft und die Verlässlichkeit der Bürger. Eine weitere Stärkung der Identität wird von den Feierlichkeiten erwartet, die anlässlich des Jubiläums für Mitte August vorgesehen sind. Geplant ist dann unter anderem eine historische Grenz- und Herbstwanderung.

Seine erste urkundliche Erwähnung verdankt Heimbach einem Teilungsvertrag der beiden Brüder Diether und Eberhard Grafen von Katzenelnbogen aus dem Jahr 1260. Für die darauf folgenden fünf Jahrhunderte ist die Quellenlage zur Dorfentwicklung eher spärlich. Bis Ende des 18. Jahrhunderts berichtet die zum Jubiläum erschiene Chronik verhältnismäßig wenig. Dass die Heimbacher auch über sich selbst lachen können, zeigt die bemerkenswerte Anekdote über den sogenannten Lochwald aus dem 19. Jahrhundert, die ein anonym gebliebener Autor im Jahr 1869 in der Lokalzeitung Aar-Bote veröffentlicht und damit das Dorf zum Gespött der umliegenden Orte gemacht hatte.

Ein Teil Preußens

Danach haben die Heimbacher Ende des 18. Jahrhunderts den nach einem Kometenflug scheinbar sicher bevorstehenden Weltuntergang noch schnell genutzt, um ihren Gemeindeforst, den Lochwald, für zwei Fässer Branntwein an den Nachbarort Langenschwalbach zu veräußern. Den Schnaps tranken die Heimbach dann noch vor dem nächsten Vollmond und dem unvermeidlichen Inferno aus. Es muss ein großes Gelage gewesen sein. Der Branntwein floss durch das Horn des Nachtwächters in Strömen in die Kehlen der Bürger, die danach mutmaßlich dem Ende gelassener entgegensahen. Der Kater allerdings muss groß gewesen sein: Der Weltuntergang blieb aus – und der Wald war weg.

Mitte des 19. Jahrhunderts wird in Heimbach mit dem Bau des Rathauses begonnen, erst 1897 folgt die Schule. 1866 kommt Heimbach mit ganz Nassau zu Preußen. 1875 wird mit anderen Dörfern gemeinsam eine erste Krankenkasse gegründet, die den weiter weg wohnenden Ärzten ihre Fahrtkosten erstattet und damit eine Versorgung auf dem Land ermöglicht. 1911 bedroht ein Großbrand Heimbach, 1920 bricht die Maul- und Klauenseuche aus.

Keine freien Bürger

Das sind einige der wichtigsten Daten aus der Chronik von Heimbach, das im Mittelalter zu den 15 „überhöhschen Dörfern“ gehörte, die in den Einflussbereich des Mainzer Bischofs gelangten, der seine Einflusszone über den Rheingau hinaus nach Norden ausdehnte.

Anders als die Rheingauer Dörfer lagen jene 15 Ortschaften im Taunus nicht mehr im Schutz des natürlichen Landwehr, des Rheingauer Gebücks, und anders als die Rheingauer Bürger waren die Heimbacher deshalb auch nicht freie Bürger unter dem Krumstab, unter dem es sich gut leben ließ. Sie blieben Leibeigene des bischöflichen Landesherren und wurden einem Lehnsherren unterstellt. Dieser übte die niedere Gerichtsbarkeit aus und zog den Zehnten ein.

Gegen den Bürgerwillen geht wenig in Heimbach

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Heimbach ebenso wie das benachbarte Lindschied von schwedischen Truppen vollständig zerstört. Doch das Dorf erholte sich wieder, auch wenn die Heimbacher Bevölkerung überschaubar blieb: 1834 wurden 108 Protestanten und 54 Katholiken gezählt. Damals waren sie aber wie die Rheingauer freie Bürger, denn mit der Neuordnung Europas 1815/16 war die Leibeigenschaft gefallen, und Heimbach war Teil des Herzogtums Nassau geworden. 1866 kamen dann die Preußen, nach dem Zweiten Weltkrieg die Hessen.

Mitte der siebziger Jahre war es mit der Selbständigkeit vorbei. Heimbach ließ sich – wie viele andere Dörfer – den unausweichlichen Anschluss an die benachbarte Kur- und Kreisstadt mit dem Bau eines gut ausgestatteten Bürgerhauses teuer bezahlen. Das kostete damals mehr als 700.000 Mark und wurde 1973 feierlich eröffnet. Darüber berichtete sogar die „Hessenschau“ des Hessischen Rundfunks, aber ganz unabsichtlich, denn das Filmteam war eigentlich nach Schwalbach im Taunus entsandt worden, aber die Namensgleichheit war Ursache einer Irrfahrt bis nach Heimbach.

Wie selbstbewusst die Heimbacher ihre Ortsentwicklung begleiten, sollte im Lauf der Jahre auch mancher Investor erfahren. In den siebziger Jahren verhinderten die Bürger den Bau einer Trabantenstadt in der Nachbarschaft, Ende der achtziger Jahre wehrten sie die ambitionierten Pläne für einen großen Golfplatz energisch und erfolgreich ab. Einem geplanten Outdoor-Zentrum für gestresste Manager im Heimbacher Wald sollte es zehn Jahre später nicht besser ergehen. Gegen den Bürgerwillen geht wenig in Heimbach.

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