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Haustiere Verwahrlost, krank und ungeliebt

08.01.2011 ·  Nach Weihnachten und in der Urlaubszeit haben Tierheime besonders viel zu tun. Haustiere werden dann oft zur Last.

Von Kristin Haug, Kelsterbach
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Die graue Plastikbox steht noch im Büro des Tierschutzvereins Kelsterbach. Sie ist fünfzig Zentimeter lang, fünfzig Zentimeter hoch und dreißig Zentimeter breit. „Hier waren acht Kaninchen drin“, sagt Tierschützerin Anja Eckert. Kurz nach Weihnachten stand ein Ehepaar in der Tür, die prall gefüllte Box und einen weiteren Käfig unter dem Arm. Um so viele Tiere haben sich die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder in Kelsterbach noch nie auf einen Schlag kümmern müssen. Zumal die Tierschützer noch zwei weitere Kaninchen aufnehmen mussten, die jemand am Raunheimer Bahnhof in einem Pappkarton ausgesetzt hatte.

Jetzt hausen die Kaninchen mit dem schwarz-weiß gefleckten Fell also in einem Büro, in dem der Verein normalerweise nur Unterlagen verstaut. Es kann dauern, Unterschlupf für elf Kaninchen zu finden. Aus diesem Grund hat der Tierschutzverein eine Sondergenehmigung von der Stadt erhalten: Die Tiere dürfen so lange im Büro bleiben, bis die Vereinsmitglieder sie vermittelt haben.

Bis zu vierzig Prozent mehr Tiere werden im Sommer und nach Weihnachten ausgesetzt

Lebendige Geschenke unter dem Weihnachtsbaum sorgen nicht immer für Jubelschreie. „Die Menschen denken einfach nicht richtig nach, bevor sie sich Tiere anschaffen“, sagt Eckert. „Tiere kosten Geld, und mit Tieren muss man zum Arzt.“ Werden den Besitzern die neuen Haustiere zu viel, dann wollen sie sie schnell wieder loswerden. Vor allem im Sommer und nach Weihnachten. „Verwandte verschenken Tiere meist unüberlegt an Kinder und bitten die Eltern vorher nicht um Einverständnis“, sagt Eckert. Da sich viele Menschen schämten, die Tiere in Heime zu bringen, setzten sie die ungeliebten Geschenke manchmal einfach aus.

Doch in freier Wildbahn haben Haustiere kaum eine Überlebenschance. „Durch ihre ungewöhnlichen Fellzeichnungen fallen sie Wildtieren besonders auf und werden dadurch zu leichten Opfern“, sagt Eckert. Besonders dramatisch sei es aber, Haustiere im Winter auszusetzen, da sie bei den niedrigen Temperaturen nicht überleben können.

Die Leiterin der Tierschutzanlage Nied, Petra Decken, spricht von bis zu vierzig Prozent mehr Tieren, die im Sommer und nach Weihnachten ausgesetzt oder abgegeben werden. Ausgesetzt werden die Tiere meist an Autobahnraststätten, Waldrändern oder Bahnhöfen. „Manche Besitzer packen ihre Haustiere aber auch in Kartons und stellen sie zum Sperrmüll“, sagt Decken.

„Wir überprüfen jeden, der ein Kaninchen aufnehmen will“

Der Elisabethenhof bei Friedberg, ein Tierheim des Bundes gegen Missbrauch der Tiere, musste in den vergangenen zwei Jahren keine „Weihnachtsopfer“ aufnehmen. „Die Tierschutzverbände klären besser auf“, sagt der Leiter der Landesgeschäftsstelle, Mike Ruckelshaus. Dennoch fordert der Tierschützer eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Haustiere, damit Besitzer ihre Tiere nicht folgenlos aussetzen können. „Die Politik muss einschreiten“, sagt Ruckelshaus, „vor allem, um ,Urlaubsopfer‘ zu vermeiden.“ Oftmals finden Tierhalter zur Urlaubszeit niemanden, der sich um ihre Haustiere kümmert, oder sie können das Geld für eine Tierpension nicht aufbringen.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes sind derzeit rund vierzig Prozent mehr Tiere in Heimen untergebracht als noch vor sechs Jahren. Dies hänge nicht nur mit Allergien oder Umzügen zusammen, sondern vor allem mit finanziellen Problemen der Tierbesitzer. Verschärft wird die Situation durch die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Tierheime, die an ihre Kapazitätsgrenzen gelangen. Durch den kalten Winter haben die Tierschutzeinrichtungen zusätzliche Energie- und Bewirtschaftungskosten.

Auch der Tierschutzverein Kelsterbach muss viel Geld investieren, um die aufgenommenen Kaninchen zu versorgen und ärztlich zu betreuen. „Wir mussten neue Käfige und Wassertränken kaufen, und wir lassen die Männchen kastrieren“, sagt Eckert. Mit Hilfe von Patenschaften und Spenden versucht der Verein die Ausgaben zu begleichen. Aber eines ist den Vereinsmitgliedern besonders wichtig: Die Tiere sollen in gute Hände kommen. „Wir überprüfen jeden, der ein Kaninchen aufnehmen will“, sagt Eckert. „Die Tiere müssen genügend Auslauf haben und mit einem Artgenossen zusammen sein.“ Bis die Tiere vermittelt sind, kümmern sich die Ehrenamtlichen um sie. Vor der Arbeit und nach der Arbeit.

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