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Hattersheim Durchbruch für das Wir-Gefühl im Quartier

26.02.2009 ·  Fast fünf Millionen Euro flossen aus dem Bund-Länder- Programm „Soziale Stadt“ in die Hattersheimer Siedlung. Nach zehn Jahren zeigen sich erste Erfolge der Imagekampagne - doch die Integration der Migranten bleibt schwierig.

Von Heike Lattka
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4300 Menschen leben in dem Gebiet jenseits des Hessendamms zwischen Bahnlinie und Südring. Wenn in Hattersheim vor wenigen Jahren noch von „der Siedlung“ gesprochen wurde, dann benutzten selbst Bewohner in einer Imagebefragung drastische Ausdrücke wie „Türken-Getto“ und „Russenblock“ für das Quartier. Nicht minder abfällig spricht der Hattersheimer Volksmund von „der Kopftuchsiedlung“ und bezieht sich dabei keineswegs auf die religiös motivierte Bekleidung muslimischer Frauen, sondern erinnert so an den Look weiblicher Heimatvertriebener, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg dort ansiedelten.

In der vom sozialen Wohnungsbau geprägten Siedlung liegt der Ausländeranteil mit 41,4 Prozent deutlich über dem städtischen Durchschnitt von 21,7 Prozent. Mehr Menschen im Stadtteil sind auf staatliche Transferleistungen angewiesen als anderswo in der Stadt, und die Zahl der Menschen im Alter von mehr als 65 Jahren liegt bei mehr als 30 Prozent. Als eine der ersten Städte Hessens begann Hattersheim in der Siedlung vor zehn Jahren das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“. 4,7 Millionen Euro flossen seitdem in das Projekt, zwei Diplomarbeiten beschäftigen sich mit der Siedlung. Das Resümee der Wissenschaftler: Ein besseres Miteinander wurde zwar erreicht – aber noch immer wohnen Ausländer und Deutsche zwar Tür an Tür, gehen aber trotzdem zumeist getrennte Wege.

Stadtteil-Fernsehen eingerichtet

Heike Bülter, die im Stadtteilbüro „Südringtreff“ seit acht Jahren die Entwicklung des Stadtteils verfolgt, sieht jedoch einen Imagewandel. Es sei nicht zu unterschätzen, was durch runde Tische zwischen Bewohnern, Verwaltung, Sozialarbeitern und Wohnungsbaugesellschaft Positives für die Siedlung bewirkt worden sei. Heute grüßten sich Migranten und Deutsche bei Begegnungen auf der Straße – das sei vor wenigen Jahren noch nicht der Fall gewesen. Der Durchbruch für ein besseres „Wir-Gefühl“ im Quartier sei durch den Südring-Treff entstanden – mehr als 900 Veranstaltungen hätten dort sei dem Bestehen stattgefunden.

Es sei obendrein viel schöner geworden, weil die Stadt viel Geld in die Bausubstanz investiert habe und eine Aufwertung der Grünflächen erfolgt sei. Die Begegnungsmöglichkeiten in der Siedlung seien heute vielfältig, erläutert Bülter: Jährlich gebe es ein Siedlungsfest und ein Frühjahrsfest. Beliebt bei Frauen aller Nationen sei das gemeinsame wöchentliche Frühstück, gut besucht würden die Kochabende, bei denen die Frauen Rezepte aus ihren Heimatländern vorstellten. Für die schnelle Abhilfe von Nachbarschaftsstreitigkeiten sorgten Stadtteil-Mediatoren. Ohnehin taucht die Siedlung im Polizeibericht nur noch selten auf.

Sogar ein Stadtteil-Fernsehen kann von mehr als 1000 Haushalten empfangen werden, berichtet Bülter. 50 Bewohner arbeiteten regelmäßig im Bürgerverein „Südringtreff“ mit. Dies sei eine hohe Zahl – allerdings machten kaum Bürger unter 50 Jahren mit. Und es sei schwer, Jugendliche zu begeistern. Diese allerdings erhielten in diesem Jahr endlich einen ersehnten Bolzplatz. Denn die Fortführung des sozialen Projektes sei gesichert, sekundiert Bürgermeister Hans Franssen (SPD).

Politik der kleinen Schritte

Städtebaufördermittel in Höhe von 427.000 Euro seien bewilligt. Zusammen mit dem städtischen Zuschuss stünden nun für die Siedlung bis 2012 insgesamt 700.000 Euro zur Verfügung. Damit werde eine personelle Kontinuität des Stadtteilbüros gesichert. Es werde künftig auch ein noch stärkerer Schwerpunkt auf die Kultur in der Siedlung gelegt. Geplant seien eine „Outdoor-Ausstellung“ unter dem Titel „Zehn Jahre Soziale Stadt“, Theaterworkshops, Lesungen, Kleinkunst und Musikveranstaltungen.

Zahlreiche Angebote zum Spracherwerb, die sich gezielt an Frauen richten, zeugen davon, dass die Vorreiter der „Sozialen Stadt“ die Integration der weiblichen Migranten in den Stadtteil noch nicht aufgegeben haben. Doch Nükhet Umar, der in seiner Diplomarbeit am Beispiel der Hattersheimer Siedlung auf die Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Migranten ein besonderes Augenmerk gelegt hat, stellt diesem Unterfangen ein nüchternes Zeugnis aus.

So seien türkische Frauen noch immer zu gehemmt und ängstlich, aktiv bei der Gestaltung des Stadtteils mitzumachen. Eine Hürde sei nach wie vor die deutsche Sprache. Sprachkenntnisse, so schreibt Umar, müssten vermittelt und durch mehr Kontaktmöglichkeiten Barrieren abgebaut werden. Er warnt vor Überforderung und setzt auf kleine Schritte: interkulturelle Treffen in Wohnungen statt Großveranstaltungen.

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Jahrgang 1960, Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

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