Investoren aus Hamburg wollen in Hanau oder der Umgebung eine Großmarkthalle einrichten, in der 20 Händler auf 2000 Quadratmetern Obst und Gemüse anbieten. Der Hanauer Projektentwickler Theofanis Orfanidis sagte der F.A.Z., er suche im Auftrag der Investoren nach einem Grundstück und stehe schon in Verhandlungen mit Eigentümern.
In Frage kämen drei Standorte: am Hanauer Hafen, im Gewerbegebiet Hanau-Nord und in Bruchköbel. Viele Gastronomen und Ladeninhaber aus dem Hanauer Raum führen ungern zum neuen Frankfurter Großmarkt, dem Frischezentrum am Bad Homburger Kreuz. Die alte Frankfurter Großmarkthalle nahe der Hanauer Landstraße hätten Käufer aus Hanau bequem erreichen können, nun sei der Weg deutlich weiter. So sei die Idee entstanden, im Hanauer Raum einen eigenen Großmarkt für Kunden aus dem Main-Kinzig-Kreis einzurichten.
Oberbürgermeister Kaminsky skeptisch
Die Investoren wollten ein Grundstück mieten, auf dem schon eine Halle stehe. Diese solle dann zur Großmarkthalle umgebaut werden. Nach Orfanidis’ Worten kann der neue Markt schon im Juni öffnen. Neben Wirten und Gemüsehändlern dürfen nach den Plänen auch Privatleute bei den 20 Händlern einkaufen. Nach Einschätzung des Projektentwicklers wird die Großmarkthalle trotzdem nicht im Wettbewerb zum Hanauer Wochenmarkt stehen, weil dieser eine andere Atmosphäre zu bieten habe. Auch für das Frankfurter Frischezentrum mit seinen 130 Händlern bedeute die neue Markthalle keine Konkurrenz, zumal die Hanauer Händler einen Teil ihrer Ware aus dem Frischezentrum beziehen würden.
Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und der Bruchköbeler Bürgermeister Michael Roth (CDU) äußerten sich auf Nachfrage skeptisch zu der Idee, die neue Großmarkthalle auch Verbrauchern zu öffnen. Kaminsky sagte, wenn die Gemüsehändler im Wettbewerb zum Hanauer Wochenmarkt stehen sollten, gebe es „allergrößten Diskussionsbedarf“.
„Einzelhandel auf der grünen Wiese“ nicht erwünscht
Falls aber die Halle ausschließlich dem Großhandel diene, könne die Stadt dem Vorhaben wohlwollend gegenüberstehen. Nach Roths Ansicht würde ein Zentrum mit 20 Händlern das Bemühen seiner Stadt untergraben, den Einzelhandel im Stadtkern zu fördern. Eine Markthalle für Privatkunden bedeute „Einzelhandel auf der grünen Wiese“, der nicht erwünscht sei. Nach den Worten des Leiters des Hanauer Stadtplanungsamts, Hans-Ulrich Weiker, ist ein reiner Großhandelsbetrieb in einem Gewerbegebiet grundsätzlich erlaubt. Bedienten die Händler aber auch Privatkunden, könnte die Halle nur unter Einschränkungen genehmigt werden.
Beide Rathauschefs zeigten sich verwundert darüber, dass sie von dem Vorhaben aus den Medien erfahren hatten und Orfanidis nicht zuvor das Gespräch mit ihnen gesucht hatte. Dazu sagte Orfanidis, er habe zuerst eine Halle suchen und sich dann um die Genehmigung bemühen wollen. Gleichwohl hatte der Projektentwickler Hanauer Journalisten über sein Vorhaben informiert.

