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Halsbandsittiche in Wiesbaden Den Papageien wird es zu eng

Grüne Vogel mit rotem Schnabel: In Wiesbaden sind mehr Halsbandsittiche unterwegs als je zuvor. Weil es den Papageien in Wiesbaden allmählich zu eng wird, wechseln viele schon auf die andere Rheinseite.

© dpa Halsbandsittiche fühlen sich in Wiesbaden seit Jahren pudelwohl

Im Sommer sieht man sie kaum. Denn das grüne Gefieder fällt zwischen den Blättern der Bäume nicht auf. Doch Dieter Zingel von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz hat keinen Zweifel: Noch nie gab es in Wiesbaden so viele Halsbandsittiche wie heute.

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Zirka 1500 „Individuen“ seien jetzt in der Landeshauptstadt unterwegs, schätzt Zingel. Dazu zählt er auch die Jungen, die gerade erst flügge geworden sind. Weil es den Papageien in Wiesbaden allmählich zu eng wird, wechseln viele schon auf die andere Rheinseite - jedenfalls für Tagesausflüge.

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Detlev Franz aus Wackernheim hat nicht nur in Mainz, sondern auch in Rüsselsheim und Groß-Gerau zahlreiche Exemplare der ursprünglich aus Indien stammenden Exoten gesichtet. Gelegentlich werden sie mit den Alexandersittichen verwechselt. Die sind etwas größer, aber in Wiesbaden nicht so stark vertreten. Die Experten gehen von ein paar hundert Tieren aus. Die Papageien fanden den Weg nach Wiesbaden, als in den sechziger Jahren das deutsche Importverbot für tropische Vögel aufgehoben wurde. Zingel erinnert sich noch, dass in einer Zoohandlung plötzlich nicht mehr nur Kanarienvögel, sondern auch die bis dahin eher unbekannten Großsittiche angeboten wurden.

Keineswegs harmlose Stubenvögel

Viele Tierfreunde hätten die Anschaffung aber bereut, als sie gemerkt hätten, dass es sich bei dieser Papageienart keineswegs um harmlose Stubenvögel gehandelt habe. Um ihre Möbel nicht völlig ruinieren zu lassen, hätten sie die Tiere ausgesetzt. Der weitaus größere Teil der Population dürfte allerdings aus Köln stammen. Auf dem Seeweg kamen die grünen Vögel mit dem roten Schnabel im vergangenen Jahrhundert in die Niederlande und nach Belgien. Von dort aus war es nicht weit bis in die deutsche Domstadt. Als die Population dort immer stärker wurde, entwich ein Teil von ihr am Rhein entlang in den Süden.

Seit dieser Zeit sind sie nicht nur in der hessischen Landeshauptstadt, sondern auch in Worms, Mannheim, Heidelberg und Stuttgart zu Hause. In Wiesbaden gefielen den zweibeinigen Neuankömmlingen vor allem die exotischen Bäume im Biebricher Schlosspark. Sie boten den Vegetariern reichlich Nahrung. Außerdem gab es in den alten, hochgewachsenen Stämmen große Spechthöhlen zum Brüten.

Zwischenzeitlich immer weniger Bruthöhlen

In den ersten Jahrzehnten schienen der Vermehrung keine Grenzen gesetzt. Doch dann mussten viele alte Bäume in der öffentlichen Grünanlage aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Der immer stärker gewachsenen Population boten sich immer weniger Bruthöhlen. Neue Plätze fanden sich zunächst im nahegelegenen Stadtteil Schierstein. Heute sind die bis zu 40 Zentimeter großen Vögel überall in der Landeshauptstadt unterwegs. Zingel hat beobachtet, dass sich neben der Umgebung des Schiersteiner Hafens auch der Wald im Nordwesten der Stadt einer besonderen Beliebtheit erfreut.

Zwischen Fasanerie und Russischer Kapelle versammeln sich die eingeborenen Exoten so zahlreich, dass ihr lautes Gezeter frühmorgens sogar bis ins stille Nerotal hinüberschallt. Dabei legen die Sittiche eine beachtliche Mobilität an den Tag. Egal wo sich ihr Brutplatz befinden mag, nachts begeben sie sich auf einen der Schlafbäume in Schierstein.

Vor dem dauerhaften Abflug aus Wiesbaden?

Und sogar wer tagsüber einen Ausflug über den Rhein macht, kehrt abends nach Schierstein zurück. Franz kann sich allerdings vorstellen, dass die Vögel, die besonders weite Strecken zurücklegten, sich demnächst einen zusätzlichen Schlafbaum auf der linken Seite des Rheins aussuchen könnten. So würden sie sich den abendlichen Rückflug über den Fluss ersparen - und Wiesbaden vielleicht eines Tages für immer verlassen.

Quelle: F.A.Z.

 
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