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Großereignisse Alsfeld sagt Hessentag 2010 aus Kostengründen ab

22.10.2007 ·  Zum zweiten Male seit 1961 hätte Alsfeld in drei Jahren den Hessentag ausrichten sollen. Doch die Vogelsberg-Stadt verzichtet nun auf dieses Großereignis: „Unsere finanzielle Situation verbietet es, ein riesiges Fest zu veranstalten.“

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Bei seiner Premiere präsentierte sich der Hessentag bescheiden: Rund 40.000 Besucher kamen 1961 nach Alsfeld, um in der Vogelsbergstadt erstmals das Fest der Hessen zu feiern. So beschaulich geht es inzwischen nicht mehr zu. Der jüngste Hessentag im Juni lockte mehr als eine Million Gäste an; Stars wie Aerosmith und Udo Jürgens standen dabei in der Wetterau-Stadt Butzbach auf der Bühne. Ein neuer Höhepunkt hätte der 50. Hessentag im Jahr 2010 werden können. Den Zuschlag für das Jubiläum hatte die erste Hessentagsstadt erhalten. Doch Alsfeld will nicht mehr: „Unsere Kommune kann sich den Hessentag derzeit nicht leisten“, sagt Bürgermeister Ralf Becker (SPD).

Das letzte Wort haben am Donnerstag die Stadtverordneten. Stimmen sie - wie bereits am vergangenen Mittwoch der Magistrat - für eine Absage, wäre Alsfeld erst die dritte Stadt, die einen Hessentag aufgibt. Mulmig wurde es Becker, der erst seit wenigen Wochen im Amt ist, beim Blick in die Stadtkasse. Alsfeld ist hoch verschuldet; für das laufende Jahr gibt es noch immer keinen Haushalt. „Wir wollen den Hessentag, aber nicht unter allen Bedingungen“, sagt Becker.

Land: Ein Hessen bedeutet auch Kosten

Immer größer, immer bunter - da könne Alsfeld nicht mithalten. „Unsere finanzielle Situation verbietet es, ein riesiges Fest zu veranstalten.“ Der Rathauschef hofft nun, dass sich die Alsfelder Absage als „Initialzündung für andere Kommunen“ erweist: „Wenn das so weitergeht, können sich nur noch solche Kommunen den Hessentag leisten, die finanziell gut aufgestellt sind.“
In der Wiesbadener Staatskanzlei versteht man diese Kritik nicht.

Regierungssprecher Dirk Metz (CDU) sieht keine Probleme bei der Finanzierung: „Ein Hessentag bedeutet logischerweise Kosten für die Stadt. Aber auf die Zeit rechnet sich das wieder.“ In den vergangenen Jahren machten die Austragungsorte in der Festwoche zwar regelmäßig ein Minus - im Gegenzug gab es aber Unterstützung vom Land bei Infrastruktur-Projekten. Der Bürgermeister von Weilburg (Kreis Limburg), Hans-Peter Schick (parteilos), blickt gern auf den Hessentag 2005 in seiner Stadt zurück. „Der Hessentag hat sich gerechnet. Wir mussten etwas mehr als zwei Millionen Euro drauflegen, haben aber rund 16 Millionen Euro Zuschüsse bekommen.“

Auch Rotenburg winkt aus Kostengründen ab

Der Hessentagsbeauftragte der Landesregierung, Heinrich Kaletsch, verweist gern auf Beispiele wie Weilburg: „Für jede Stadt, die ihren Haushalt halbwegs auf der Reihe hat, ist ein Hessentag kein Problem.“ Steckt eine Kommunen jedoch tief in den roten Zahlen, kommt mancher Bürgermeister ins Grübeln, ob die Eigenbeiträge überhaupt möglich sind. „Defizitäre Kommunen können sich den Hessentag einfach nicht leisten“, sagt der Bürgermeister von Rotenburg (Kreis Hersfeld-Rotenburg), Manfred Fehr (SPD). Seine Stadt hat nach mehr als 20 Jahren des Wartens ihre Bewerbung um einen Hessentag zurückgezogen - wegen der schlechten Haushaltslage. „Wir können doch nicht das Angebot in den Kindergärten zurückfahren und dann sagen, dass wir uns trotzdem einen Hessentag leisten.“

Für den Hessentag 2010 in Alsfeld sah Becker die letzte Chance in einem „kleineren, überschaubaren Hessentag, der zurück zu seinen Wurzeln findet“. In Wiesbaden stieß er damit auf wenig Begeisterung. „Normalerweise wollen die Bürgermeister selbst die Leuchttürme mit überregionaler Ausstrahlung“, sagt Kaletsch. Denn nur mit Star-Auftritten seien viele Gäste auf den Hessentag zu locken. „Wenn man das nicht tut, wird der Hessentag Stadtfestdimensionen haben.“

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Von Rainer Schulze

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