04.03.2010 · Der Möbelkonzern beginnt mit dem Verkauf von Fertighäusern in der Region. Das erste Musterhaus in Wallau ist gestern eröffnet worden.
Von Heike Lattka, HofheimDer Ansturm auf die Haustypen „Immeln“ und „Fryken“ ist so enorm, dass die Ikea-Tochter Boklok zu einem ungewöhnlichen Verfahren greift: Per Losentscheid werden die Reihenhäuser veräußert, die das Unternehmen am Mittwoch erstmals präsentiert hat. Der Möbelkonzern hat mitten auf dem Parkplatz des Wallauer Stammhauses das erste Musterhaus für den Verkauf in Deutschland errichtet. Die ersten Holzhäuser sollen im Herbst in Offenbach-Waldheim und Wiesbaden-Auringen gebaut werden.
Jeden Tag erreichten Ikea Zuschriften von Bauwilligen, sagte Lars Wild-Nordlund, Geschäftsführer von Boklok, einem gemeinsamen Unternehmen von Skanska und Ikea. Das Interesse an den preiswerten Häusern sei so groß, dass ein Losverfahren die fairste Methode sei. In Hofheim hatte die CDU die architektonische Qualität der ebenfalls im Stadtteil Langenhain geplanten Ikea-Gebäude kritisiert. Dies habe das Interesse wohl noch angeheizt, vermutete Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) am Mittwoch.
„Kleine politische Hürde“
Der CDU-Stadtverordnete Frank Härder, der noch im vergangenen Stadtparlament geäußert hatte, die Häuser erinnerten ihn an die nach dem Krieg errichteten Hilfsbaracken, sprach bei der Präsentation nun von einem intelligenten Raumkonzept. Er machte die „dürftige“ Schwarzweißvorlage, die der Magistrat im Zuge einer Bauleitänderung präsentierte, für seine kritischen Äußerungen verantwortlich. „Da sah das wirklich wie Hasenställe aus“, verteidigte sich Härder.
Wild-Nordlund blieb von den lokalen Unstimmigkeiten unbeeindruckt und erwähnte lediglich eine „kleine politische Hürde“, die in Hofheim noch zu überwinden sei. Mit den zwei Häusertypen „Immeln“ und „Fryken“ wolle sich Boklok, das in Skandinavien und Großbritannien bereits 4300 dieser Fertighäuser gebaut habe, langsam auf dem deutschen Markt etablieren. Qualität stehe an erster Stelle, hob Wild-Nordlund hervor.
Eine kleine und eine große Variante
Lizenzpartner in Deutschland ist die Bien-Zenker AG in Schlüchtern. Es müsse kein Bauherr mit einem Inbusschlüssel Fertigteile selbst montieren, versprach Philipp Mühlbauer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Bien-Zenker. Von der Grundstückssondierung bis zu Finanzierungshilfen werde dem Käufer ein „Rundum-sorglos-Paket“ geboten. Die Innenaufteilung der 80 oder 100 Quadratmeter großen Einfamilienhäuser orientiere sich an den Bedürfnissen deutscher Kunden, die mit einer Kundenbefragung ermittelt worden seien. Die Wünsche nach „viel Stauraum“ wurden im Musterhaus „Immeln“ mit einem begehbaren Schrank in einem der Schlafzimmer und einer Kammer unter der Treppe erfüllt.
Das Haus verfügt über einen offenen Wohn-Essraum mit Küche und Badezimmer im Erdgeschoss. Im ersten Stock befinden sich drei Schlafzimmer und ein weiteres Bad. Bei der mit 84 Quadratmetern kleineren Hausvariante gibt es im ersten Stock nur zwei Schlafzimmer. Die Häuser verfügen über keinen Keller, es gibt nur einen Aufbewahrungsraum im Freien.
Energieeffizient und erneuerbar
Die energieeffizienten Häuser würden allesamt mit einem zentralen Blockheizkraftwerk ausgestattet, das zusätzlich Strom produziere, so Wild-Nordlund. Das Holz für die Wandelelemente komme ausschließlich aus nachhaltiger deutscher Forstwirtschaft, ergänzte er. Boklok habe sich bewusst für eine Holzrahmenbauweise entschieden, denn Holz sei das einzige erneuerbare Baumaterial.
Die Preise für die Reihenhäuser liegen je nach Standort und Variante zwischen 179.500 und 248.500 Euro. Zu der Produktpalette zählen auch Mehrfamilienhäuser. Sie haben zwei Etagen und zwei Zweizimmerwohnungen, zwei Dreizimmerwohnungen und zwei Vierzimmerwohnungen. Die Wohnungen sind 50, 63 und 75 Quadratmeter groß. Die Preise liegen bei 99.500 Euro für die Zwei-, bei 138.500 Euro für die Drei- und ab 162.500 Euro für die Vierzimmerwohnung.
Weitere Fertighäuser entstünden im Raum Nürnberg
Wie Wild-Nordlund berichtete, entstehen im Wiesbadener Stadtteil Auringen „Auf den Erlen“ neun Reihenhäuser. Im Offenbacher Stadtteil Waldheim „An den Eichen“ würden neun Reihenhäuser und zwölf Eigentumswohnungen errichtet. Der Verkauf für das Wiesbadener Projekt starte am 17. April von 10 bis 13 Uhr im Ikea-Stammhaus Wallau, am 24. April folge der Verkaufsstart für Offenbach von 10 bis 13 Uhr im Ikea-Einrichtungshaus in Hanau. Weitere Fertighäuser entstünden im Raum Nürnberg.
Und auch dem Bau von 18 preiswerten Holzhäusern am Ortseingang von Langenhain steht nach Einschätzung von Hofheims Planungsdezernent Wolfgang Winckler (SPD) bald nichts mehr im Weg. Am nächsten Montag werde Ikea das Projekt den Stadtverordneten im Vierfarbdruck vorstellen, dann könne auch die CDU ohne Bauchschmerzen zustimmen, so Winckler. Den von den Christlichen Demokraten prophezeiten Aufschrei in Langenhain gegen die Häuser habe es ohnehin nie gegeben. Bei einer Ortsbeiratssitzung zum Thema seien lediglich zwei schweigende Zuhörer zugegen gewesen.
Heike Lattka Jahrgang 1960, Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.
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