Home
http://www.faz.net/-gzl-z6re
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Glauberg Eine Heimstatt für die Wetterauer Kelten

Wo vor 2500 Jahren Kelten lebten, kann künftig auf ihren Spuren gewandelt werden. Nach zwei Jahren Bauzeit öffnet das neue Museum „Die Keltenwelt am Glauberg“ seine Pforten.

© dapd Vergrößern Star der Ausstellung: Der Keltenfürst vom Glauberg im frisch eröffneten Museum - im Hintergrund der hessische Ministerpräsident Bouffier

Vor 2500 Jahren keltische Siedlung, heute Museumsstandort: In der Wetterau-Gemeinde Glauburg ist am Donnerstag die „Keltenwelt am Glauberg“ eröffnet worden. Das Museum soll Leben und Kultur der Kelten vermitteln - auf historischem Grund. Es steht dort, wo die antike Volksgruppe um das 5. Jahrhundert vor Christus ein Zentrum hatte. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte beim Festakt vor rund 450 Gästen, die „Keltenwelt“ sei ein „Meilenstein“ für die Museumslandschaft und stärke die Region.

Das Museum präsentiert mit verschiedenen Medien die Geschichte der Kelten von ihren Anfängen über die Glauberger Zeit bis hin zu ihrer heutigen Bedeutung etwa in Literatur oder Musik. Im Mittelpunkt stehen Funde aus Herrschergräbern, die in den neunziger Jahren auf dem Glauberg entdeckt wurden. Berühmtestes Stück: Der „Keltenfürst vom Glauberg“, eine mannshohe Steinstatue eines Herrschers aus dem 5. Jahrhundert vor Christus.

Mehr zum Thema

Relikte an ihrem Fundort gezeigt

Bouffier zufolge flossen seit den Grabungen etwa 17 Millionen Euro in das Projekt. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sprach von einem „mutigen“ Vorhaben. Beide betonten, es sei richtig gewesen, die Relikte an ihrem Fundort zu zeigen - gemäß dem Konzept eines dezentralen archäologischen Landesmuseums. Kühne-Hörmann zeichnete zudem Landesarchäologen Egon Schallmayer für Verdienste um das kulturelle Leben in Hessen mit der Goethe-Plakette aus.

Keltenwelt am Glauberg © dapd Vergrößern Ausguck: Das Kelten-Museum weist eine breite Glasfront auf

Die Nähe zum Originalschauplatz ist laut „Keltenwelt“-Leiterin Katharina von Kurzynski wichtig, „weil man diesen Ort und die Funde nur versteht, wenn man weiß, wie es hier aussieht“. Deshalb ermögliche auch das Gebäude den Blick aufs ehemaliges Keltenland.

Nutzfläche von 1300 Quadratmetern

Der prämierte, kubusartige Neubau ist halb in einen Hang gebaut und richtet sich mit großen Panoramafenstern zu einem rekonstruierten Grabhügel aus. Er hat eine Nutzfläche von 1300 Quadratmetern, zwei Ebenen sowie eine Aussichtsterrasse. Das Land investierte in die „Keltenwelt“, zu der auch ein 30 Hektar großer archäologischer Park und ein Forschungszentrum gehören, fast neun Millionen Euro. Der Grundstein wurde 2008 gelegt.

Zur Ausstellung gehören zahlreiche Relikte keltischen Kult- und Alltagslebens - darunter Keramiken, Schmuck und Waffen - sowie Schautafeln, multimediale Installationen, Mitmachangebote wie Spiele und ein Comic. Ziel sei, die Besucher zum Mitdenken, Mitmachen und Miträtseln anzuregen, erläuterte von Kurzynski.

Panne: Neonazis bewachten den Keltenfürsten

Bei der feierlichen Eröffnung des neuen Kelten-Museums kam es zu einer peinlichen Panne: Um die ausgestellten Schätze in der „Keltenwelt“ auf dem Glauberg zu sichern, sollen zwei Mitglieder der rechtsextremen NPD als Wachmänner eingesetzt worden sein. Das teilte das Wissenschaftsministerium am Donnerstagnachmittag mit. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung auf ihrem Online-Portal berichtet, die beiden einschlägig bekannten Männer hätten die zentrale Statue des Keltenfürsten bewacht - im Auftrag des Landes. Einer der Beiden sei Beisitzer im NPD-Landesvorstand, der andere arbeite für die NPD im Wetterau-Kreis. Die heidnischen Kelten werden von zahlreichen Neonazis verehrt.

Die Männer seien bei einem privaten Sicherheitsdienst beschäftigt, bestätigte Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) in Wiesbaden. Sie seien unmittelbar und noch während der Eröffnungsveranstaltung von ihrem Posten abgezogen worden. „Kultur- und Kunstgüter dürfen in Hessen nicht von Neonazis bewacht werden“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Die Museumsleitung will beiden Hausverbot erteilen. (dpa)

Quelle: FAZ.NET mit lhe

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Salafisten mit neuer Strategie Ermittlungen gegen Islamisten ausgeweitet

Offenbar gibt es weitaus mehr junge Männer, die zur islamistischen Szene zählen, als bisher bekannt. Die Kommissariate werden personell aufgestockt, denn die Szene scheint eine neue Strategie zu verfolgen. Mehr Von Katharina Iskandar, Frankfurt

26.01.2015, 11:58 Uhr | Rhein-Main
Warschau Museum der Geschichte der polnischen Juden eröffnet

In Warschau sprachen zur Eröffnung des Museums die Präsidenten Polens und Israels Mehr

28.10.2014, 23:14 Uhr | Gesellschaft
Brussels Art Fair Für alle, die schöne Dinge um sich haben wollen

Der Weg zur Brafa nach Brüssel lohnt sich auch dieses Jahr: Von antiken Skulpturen bis zu zeitgenössischer Kunst reicht das Spektrum der Messe. Mehr Von Paula Schwerdtfeger aus Brüssel

26.01.2015, 10:05 Uhr | Feuilleton
Statt George Clooney Kaffee-Klatsch mit Roboter

In Japan verkauft nun ein Roboter Kaffeemaschinen. Der Android Pepper ist programmiert auf Plausch mit der wartenden Kundschaft. Ab Februar soll auch der Smalltalk-Roboter selbst zu kaufen sein, für gut 1300 Euro. Mehr

02.12.2014, 08:58 Uhr | Gesellschaft
Holocaust-Gedenken in Hessen Das dunkelste Kapitel unserer Geschichte

Für Intoleranz und rechtes Gedankengut sei in Deutschland kein Platz, sagte Ministerpräsident Bouffier (CDU) bei der hessischen Holocaust-Gedenkfeier. Alle Fraktionen warnen vor dem Vergessen. Auch in Frankfurt wird erinnert. Mehr

27.01.2015, 21:03 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.05.2011, 15:16 Uhr

Politik muss über Vorranggebiete entscheiden

Von Mechthild Harting

Zwölf Jahre alt ist die Ankündigung, in Südhessen Vorranggebiete für Windräder auszuweisen. Diese Gebiete gibt es bis heute nicht. Derzeit wirkt das Verfahren wie eine Beschäftigungstherapie für Regionalpolitik und Verwaltung. Mehr 1