12.02.2009 · Das seit gut drei Jahren privatisierte Uni-Klinikum Gießen und Marburg hat 2008 den Gewinn verdoppelt und den Umsatz gesteigert. Wie es weiter heißt, liegen die Arbeiten für den Klinikneubau in Gießen voll im Zeitplan. Der Betriebsrat berichtet derweil über eine anhaltend hohe Zahl an Überstunden.
Von Thorsten WinterDas privatisierte Uni-Klinikum Gießen und Marburg hat im vergangenen Jahr den Gewinn verdoppelt und den Umsatz gesteigert. Wie der Mehrheitseigentümer Rhön-Klinikum AG mitteilte, erwirtschaftete das Großklinikum einen Jahresüberschuss von 2,2 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Jahr 2006 hatte es noch mit einem Verlust von etwas mehr als 7,47 Millionen Euro abgeschlossen. Die Erlöse der größten Tochtergesellschaft des fränkischen Klinikkonzerns stiegen zuletzt um fast ein Zehntel auf 451,6 Millionen Euro. Die Zahl der behandelten Patienten wuchs von 383.127 auf 390.525. Auf den Lohn- und Gehaltslisten standen zuletzt 7327 Frauen und Männer, die sich knapp 5774 Vollzeitstellen teilten.
Der stellvertretende Rhön-Konzernchef Gerald Meder kommentierte den Geschäftserfolg mit Stolz: „Als einziger privater Betreiber von Universitätskliniken in Deutschland haben wir mit Restrukturierungserfolgen von über 50 Millionen Euro alle übernommenen Verluste bewältigt und zugleich besonderen Wert auf den Ausbau des medizinischen Angebots gelegt.“ Wie er weiter erläuterte, liegen die Arbeiten für den Klinikneubau in Gießen im Zeitplan. Demnach wird das 175 Millionen Euro teure Vorhaben Ende 2010 beendet sein.
Überstunden und fehlende Pausen
In der Folge dürfte sich die wirtschaftliche Lage des Großklinikums weiter verbessern und der Gewinn weiter steigen. Das meinen die Analysten des Bankhauses Lampe, die die Rhön-Klinikum AG beobachten und deren im Mittelwerteindex M-Dax gelistete Aktie bewerten. Diese Erwartung ist indes nicht verwunderlich, gilt doch die bisherige Zersplitterung des auf 100 Gebäude verteilten Standorts Gießen als kostenträchtig. So sagt Meder voraus, die Fertigstellung des Neubaus „wird ein weiterer Meilenstein für die positive Ergebnisentwicklung“.
„Es ist erfreulich, dass der Laden brummt“, kommentierte der Betriebsratsvorsitzende am Standort Gießen, Klaus Hanschur, die Angaben. „Es muss jedoch auch mit Personal unterfüttert werden“, fügte er hinzu. Diese Bedingung sei aber nicht erfüllt. Vielmehr baue das Unternehmen Stellen ab und verlange gleichzeitig mehr Einsatz vom Personal. Viele Beschäftigte machten Überstunden oder könnten Pausen nicht nehmen. So mancher Mitarbeiter fühle sich vom Arbeitgeber zudem nicht wertgeschätzt. Die Folge: „Die Stimmung ist weiter schlecht.“
Rhön-Klinikum ist seit 1. Februar 2006 Mehrheitseigentümer des mittelhessischen Großklinikums und hält 95 Prozent der Anteile. Die restlichen fünf Prozent liegen beim Land Hessen, das früher alleiniger Eigentümer war.