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Gesundheit Privatisierte Uniklinik vor Ertragswende - und Personalabbau

26.04.2006 ·  Die Zeit roter Zahlen am Uniklinikum Gießen und Marburg geht zu Ende: Die Rhön Klinikum AG, zu der das Großklinikum gehört, plant für den Jahreswechsel den Sprung in die Gewinnzone. Mittelfristig sollen zehn bis 15 Prozent der Stellen wegfallen.

Von Thorsten Winter
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Die Zeit roter Zahlen am Uniklinikum Gießen und Marburg neigt sich dem Ende zu: Die börsennotierte Rhön Klinikum AG, zu der das Großklinikum seit dem 1. Februar gehört, plant für den Jahreswechsel 2006/07 den Sprung in die Gewinnzone. Dies teilte das Unternehmen gestern mit. Im vergangenen Jahr hat die Uniklinik noch einen Verlust von 15 Millionen Euro erwirtschaftet. Bis Ende Dezember will Rhön Klinikum das Minus bei der Tochter in Mittelhessen um mehr als die Hälfte auf sieben Millionen Euro senken, wovon sechs Millionen Euro in Gießen anfallen werden, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Gerald Meder dieser Zeitung sagte. In den ersten drei Monaten ist ein Verlust von 2,6 Millionen Euro aufgelaufen.

Die Ertragswende will der Konzern schaffen, indem er Kosten senkt. Zwar will Rhön Klinikum in Gießen und Marburg auf mittlere Sicht zehn bis 15 Prozent der 9500 Arbeitsplätze abbauen - bis 2010 sind aber betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Personal könnte jedoch auf andere Weise abgebaut werden: Im Vergleich mit Marburg weist der Standort Gießen einen Personalüberhang von mehr als zehn Prozent auf. Dieser kann zum Beispiel sinken, indem befristete Verträge nicht verlängert werden - so wie in der Vergangenheit schon geschehen.

Weniger Materialkosten durch Marktmacht

Vor diesem Hintergrund setzt der Konzern mit Sitz in Bad Neustadt zum einen auf Umschulungen. Zum zweiten will er bisher von Ärzten verrichtete Arbeiten, die keine medizinischen Tätigkeiten sind, auf andere Mitarbeiter verlagern. Nicht zuletzt rechnet er mit sinkenden Materialkosten. In diesem Jahr ließen sich fünf bis sieben Millionen Euro einsparen, heiß es.

Das liegt zum einen an der Marktmacht des Konzerns, zu dem 45 Kliniken gehören, wie Meder dieser Zeitung sagte. Rhön Klinikum könne ganz andere Mengen bestellen als einzelne Häuser. Der Konzern verfüge zweitens über eine bessere Organisation als die früher getrennt wirtschaftenden Unikliniken in Mittelhessen: „Unsere Kliniken sind beim Einkauf vernetzt. Die Einkäufer kennen die Preise ihrer Kollegen und schließen sich zusammen. Dadurch erzielen wir bessere Preise.“

Personalrat wartet auf Personalplanung

Der Personalratsvorsitzende am Standort Gießen, Klaus Hanschur, ist „dankbar für jeden Euro, der beim Material eingespart wird, weil das den Druck auf die Personalkosten nimmt“. Dessenungeachtet vermißt er weiter eine Personalplanung. So will er wissen, was die Zielmarke von zehn bis 15 Prozent für die einzelnen Abteilungen bedeutet. Wichtig sei ihm, mit dem angekündigten Sozialfonds jene Mitarbeiter aufzufangen, deren Aufgaben künftig wegfallen. Dies könnte mit Umschulungen und Weiterbildung gelingen. Zum Teil wäre auch Frühverrentung akzeptabel. Daß Stellen gestrichen werden sollen, wundert ihn indes nicht: „Das hatte der alte Vorstand schon angekündigt.“

Aus Sicht der Grünen im hessischen Landtag wird Rhön Klinikum in Mittelhessen aber „vor allem Personal abbauen“ und genau dafür den 30 Millionen Euro schweren Sozialfonds verwenden. „Schneller als von uns befürchtet, läßt das Rhön Klinikum die Katze aus dem Sack“, meinte die wirtschaftspolitische Sprecherin Sarah Sorge mit Blick auf die Ankündigung, zehn bis 15 Prozent der Stellen abzubauen. Ähnlich äußerte sich Thomas Spieß für die SPD. Die Beschäftigten zahlte die Zeche für die Privatisierung durch Arbeitsverdichtung, meint er.

Millionen-Investitionen geplant

Die Unikliniken Gießen und Marburg waren zum 1. Juli 2005 fusioniert worden. Im Zuge einer Ausschreibung erhielt Rhön Klinikum den Zuschlag durch das Land Hessen, das noch einen Anteil von fünf Prozent an dem mittelhessischen Unternehmen hält. Rhön-Klinikum hat sich zu Investitionen in Höhe von 367 Millionen Euro verpflichtet, 260 Millionen Euro entfallen auf Neu- und Umbauten, die besonders in Gießen nötig sind. 107 Millionen Euro will der Konzern für ein Zentrum für Partikeltherapie ausgeben, in dem neue Wege der Tumorbekämpfung durch Strahlentherapie beschritten werden sollen. Thorsten Winter

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