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Gestiegene Haftpflichtprämien Immer weniger Hebammen helfen bei der Entbindung

Im Geburtshaus an der Waldstraße in Offenbach werden keine Babys mehr zur Welt kommen. Die Einnahmen aus der Geburtshilfe deckten die Kosten nicht mehr, sagt die Leiterin der Einrichtung. Gestiegene Haftpflichtprämien machen Entbindungen für Freiberuflerinnen unrentabel.

© Nora Klein Vergrößern Im Grunde eine runde Sache: Hebamme Erdmuthe Gravenhorst schätzt vor allem die „ganzheitliche Betreuung der Schwangeren”.

Im Geburtshaus an der Waldstraße in Offenbach werden keine Babys mehr zur Welt kommen. Die Einnahmen aus der Geburtshilfe deckten die Kosten nicht mehr, sagt die Leiterin der Einrichtung, die Hebamme Helena Hanel. Für eine Entbindung im Geburtshaus zahlen die Krankenkassen rund 370 Euro. Dem stehen Ausgaben für Gerätewartung, Hygiene und Qualitätsmanagement sowie Miete und Versicherungsprämien gegenüber. Allein die Jahresprämie für die Haftpflichtversicherung je Hebamme ist binnen eines Jahres um rund 1300 auf 3700 Euro gestiegen.

Die künftig vier Hebammen des Geburtshauses in Offenbach wollen weiterhin Kindern auf die Welt helfen. Dafür werden sie Schwangere als sogenannte Beleghebammen in einen Kreißsaal im Krankenhaus begleiten. Diese Leistung wird allerdings mit etwa 230 Euro je Entbindung deutlich niedriger vergütet. Um nicht draufzulegen, haben die Hebammen einen günstigeren Versicherer gesucht - und sind in Österreich fündig geworden.

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315 Euro statt 3700 Euro im Jahr als Absicherung

Die Hebammen des Geburtshauses Frankfurt wollen dagegen nicht auf Entbindungen in den eigenen Räumen verzichten. Eine Kollegin hat sich zwar - nicht zuletzt wegen der hohen Haftpflichtprämie - dazu entschlossen, künftig keine Geburtshilfe mehr zu leisten. Statt 3700 Euro im Jahr zahlt sie als Absicherung für mögliche Fehler in Geburtsvorbereitungskursen, Rückbildungsgymnastik oder der Betreuung im Wochenbett nun nur noch 315 Euro. Doch die anderen neun wollen weitermachen und suchen wieder eine neue Kollegin.

Etwa 120 Babys kommen jährlich in dem Haus an der Böttgerstraße zur Welt. Das Geburtshaus am Rande des Frankfurter Nordends wurde 1993 eröffnet. Mitarbeiterinnen und Schwangere loben die ruhige, fast private Atmosphäre der Entbindungsräume. Für Hebamme Erdmuthe Gravenhorst käme die Arbeit in einer Klinik nicht mehr in Frage. Die Zweiundvierzigjährige schätzt vor allem die „ganzheitliche Betreuung der Schwangeren“.

Sie lerne die gesamte Familie schon vor der Geburt kennen, wisse von den Sorgen der Schwangeren, könne auf deren individuelle Bedürfnisse eingehen, sagt Gravenhorst. Als Festangestellte in einer Klinik habe sie mit fremden Menschen die Intimität einer Geburt geteilt, ohne diese danach jemals wieder zu sehen. Dagegen sei die Betreuung in der Geburtsklinik eine „runde Sache“.

Als Festangestellte in der Klinik höher belastet

Wegen der schlechten personellen Ausstattung sei die Belastung als Festangestellte in der Klinik höher gewesen, berichtet Gravenhorst weiter. Dort habe eine Hebamme bis zu drei Kreißsäle gleichzeitig betreuen müssen. Im Geburtshaus kümmerten sich dagegen zwei Hebammen um eine Schwangere. Doch auch als selbständige Hebamme sei der Arbeitsaufwand enorm. An zwei bis drei Tagen habe sie rund um die Uhr Rufbereitschaft, sagt Gravenhorst. Schließlich lasse sich der Zeitpunkt einer Geburt nicht vorhersagen, und eine Entbindung könne durch aus auch mal elf Stunden dauern.

Die Einnahmen aus Entbindungen, Vorsorgeuntersuchungen und Kursangeboten werden im Geburtshaus je nach Zeiteinsatz unter den Hebammen aufgeteilt. Bei voller Beschäftigung kommen dabei etwa 2000 Euro brutto im Monat zusammen. Darüber hinaus können die Hebammen mit Wochenbettbetreuungen, also dem Hausbesuch bei Müttern und Kindern nach der Geburt, ihr Gehalt aufbessern. Das bringt rund 300 Euro je Fall, was in etwa der monatlichen Versicherungsprämie entspricht.

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