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Geschichte Dokumente der Naziverbrechen erhalten

14.12.2004 ·  Aufgereiht stehen die Aktenordner mit Aufschriften wie Auschwitz, Bergen-Belsen und Buchenwald im Archiv. 47 Millionen Dokumente mit Hinweisen auf 17 Millionen Opfer des NS-Regimes verwaltet der Internationale Suchdienst des Roten Kreuzes im nordhessischen Bad Arolsen.

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Aufgereiht stehen die Aktenordner mit Aufschriften wie Auschwitz, Bergen-Belsen und Buchenwald im Archiv. 47 Millionen Dokumente mit Hinweisen auf 17 Millionen Opfer des NS-Regimes verwaltet der Internationale Suchdienst des Roten Kreuzes im nordhessischen Bad Arolsen. Da die Nazis über ihr grausames Tun akribisch Buch führten, sind Holocaust, Verfolgung und Zwangsarbeit auf unzähligen Häftlingslisten, Arbeitskarten und Sterbeurkunden archiviert. Um die oft erschütternden Dokumente für kommende Generationen zu erhalten, hat die Restaurierung der vom Verfall bedrohten Akten begonnen.

"Es gab durchaus Stimmen gegen den Erhalt der Originale, aber ich glaube nicht, daß ein Forscher, Historiker oder Jurist dem Verlust dieser Unikate zustimmen könnte", sagt Charles-Claude Biedermann, Direktor des Suchdienstes. Die unmittelbare emotionale Reaktion auf die Dokumente, die über das Schicksal ganzer Familien entscheiden konnten, ginge verloren, würde man sie nur verfilmen oder digitalisieren. Die Glaubwürdigkeit und Aussagekraft der Originale lasse sich durch nichts ersetzen: "Was würde man in 100 Jahren beweisen können, wenn man nur digitalisierte Dokumente hätte?" Den Listen, die Läuse-Kontrollen im KZ ebenso penibel registrieren wie Massenerschießungen, droht nach 60 Jahren der Zerfall. Das minderwertige, stark säurehaltige Kriegspapier löst sich langsam auf, und die Folienüberzüge der sechziger Jahre greifen die Unterlagen mit aggressivem Klebstoff an. Deshalb sollen jährlich rund 200 000 Dokumente mit einer Spezialmaschine entsäuert und entlaminiert werden, sagt Archivverwalter Udo Joost. Dies alleine werde etwa sechs Jahre dauern. Der Bund finanziert die Restaurierung mit jährlich 250 000 Euro. "Was mit den anderen Originalen passiert, wissen wir noch nicht." Der Zentralrat der Juden in Deutschland heißt das Restaurieren der Dokumente gut. Wer aus den furchtbaren Ereignissen Lehren für die Zukunft ziehen wolle, müsse sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Dies sei nur möglich, wenn historische Dokumente auch künftig für die Nachwelt zur Verfügung ständen. Auch die Interessengemeinschaft ehemaliger Zwangsarbeiter unter dem NS-Regime hält die Dokumente für unersetzlich: "Der Inhalt wird nur zu hundert Prozent gesichert, wenn die Originale erhalten bleiben", sagt Sprecher Christoph Jetter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Suchdienst zum Sammeln, Aufbewahren und Auswerten der Dokumente zu Opfern der NS-Herrschaft eingerichtet. Noch immer gehen Papiere aus alten Archiven sowie Anfragen von Opfern und Angehörigen in Bad Arolsen ein. Gleichzeitig rüstet sich der Suchdienst aber für neue Aufgaben. Geplant sei, das Archiv für historische Forschungen zu öffnen, sagt Sprecherin Maria Raabe. Daran würde sich der Suchdienst mit seiner Detailkenntnis gerne selber beteiligen: "Das wichtigste aber ist, daß die Dokumentation zusammenbleibt und nicht geteilt wird." Michael Evers (lhe)

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