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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Fraport-Sicherheitschef Zintel Immer auf Nummer Sicher für die anderen

 ·  Volker Zintel kennt die Geschichte des Frankfurter Flughafens aus vielen Perspektiven: aus der eines Polizisten an der Startbahn West, als Bürgermeister von Hochheim und als Verantwortlicher für die Sicherheit auf dem größten deutschen Flughafen. Nun steht er vor dem Abschied.

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Volker Zintel formuliert griffig. „Stellen Sie sich eine Handkontrolle vor, mit der sie auch 80 Gramm Sprengstoff noch zuverlässig in einer Unterhose aufspüren“, fordert er mit Hinweis auf den Attentatsversuch von Detroit im Dezember. Rasch leuchten da dem Gegenüber die Vorzüge eines Körperscanners bei der Fluggastkontrolle deutlich ein.

Noch ganz in seinem Element, schränkt der bisherige Generalbevollmächtigte für Konzernsicherheit bei der Fraport AG, der Ende Monats aus dem Dienst scheidet, ein, dass weder modernste Technik noch menschliche Kontrolleure jemals absolute Sicherheit produzieren könnten, sofern man Massenverkehr sinnvoll und rentabel organisieren wolle. Und wenn es bei der Bundespolizei heißt, man werde nur begeisterte Fluggastkontrolleure einsetzen, deren Euphorie für den Job auch jeder schichtdienstbedingte biorhythmischen Erschlaffung widerstehe, dann befällt Zintel erhebliche Sorge ob der Realitätsferne solcher Äußerungen. Im Zusammenhang mit der von der Europäischen Union geforderten Ausschreibung der Sicherheitsdienstleistungen übernimmt die Bundespolizei von Fraport die Aufsicht über die Personenkontrollen am Frankfurter Flughafen – so ist es vereinbart.

Polizeischutz für schwangere Ehefrau

Zintel gilt bundesweit als einer der gefragten Experten auf dem Gebiet der Sicherheit auf Flughäfen und in anderen offenen Verkehrssystemen. Er berät das Bundesforschungsministerium, das Bundeskriminalamt und sitzt in der Expertenrunde der European Business School für den Materstudiengang Security.

Sicherheitsfragen rund um den Flughafen sind aber nicht erst Zintels Thema, seit er vor zwanzig Jahren bei Fraport als Leiter der Luftsicherheit eingestiegen ist. Schon in seinem ersten Beruf hatte der am 27. Juni 1946 geborene Darmstädter für Sicherheit am Flughafen zu sorgen. Damals allerdings als Einsatzleiter der hessischen Bereitschaftspolizei bei den Demonstrationen gegen den Bau der Startbahn 18 West. „Gegen die Situation damals im Hüttendorf der Startbahngegner sind die Prosteste im Kelsterbacher Wald wirklich harmlos gewesen“, sagt er und fügt hinzu: „Eine unglaublich aufgeladene und aggressive Atmosphäre war das damals an der 18 West“. Von Steckbriefen mit seinem Kopf und seiner Privatadresse berichtet er und davon, dass seine Frau, damals schwanger und mit der kleinen Tochter im Kinderwagen, beim Einkauf durchgängig unter Polizeischutz stand. „Es rollte immer ein Streifenwagen neben ihr auf der Straße“, erinnert sich Zintel mit ernster Miene. Seine Frau, selbst Kriminalbeamtin beim Bundeskriminalamt, habe das alles immer klaglos ertragen.

Widerstand bis ins Bürgertum hinein

Unberührt von dieser persönlichen Bedrohungssituation bleibt seine professionelle, kritische Analyse: Der Widerstand sei auch damals bis tief hinein in die ganz normale Bürgerschaft verwurzelt gewesen. Und bei Polizeiaktionen seien sicher bisweilen auch solche Demonstranten in Mitleidenschaft gezogen worden, die selbst mit Gewalt nichts im Sinn gehabt hätten. Allerdings seien auch viele Polizisten zum Teil schwer verletzt worden. Jahre später, 1987, zeigte sich dann, dass auch zu jeder Art von Gewalt bereite Leute unter die Protestierenden waren: Am Jahrestag der Räumung des Hüttendorfs, fielen aus einer zuvor entwendeten Dienstwaffe tödliche Schüsse, die Polizisten Thorsten Schwalm und Klaus Eichhöfer starben.

Zu diesem Zeitpunkt war Zintel aber schon nicht mehr Polizist. Wenige Tage, bevor die Startbahn West am 12. April 1984 in Betrieb geht, wählte ihn die Hochheimer Stadtverordnetenversammlung zum Bürgermeister. Im Oktober übernahm Zintel, der Jahre zuvor auch einmal SPD-Mitglied war, dann von Gottfried Gensch das Amt des Verwaltungschefs in der damaligen CDU-Hochburg.

„Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich zweimal den Beruf wechseln würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagt Zintel heute. Er bereut es aber weiterhin nicht, sich so entschieden zu haben. Vor allem die Möglichkeit, selbst Dinge zu bewegen und zu gestalten habe ihn dazu bewegt, die Laufbahn im Polizeidienst zu verlassen.

Wenn Direktwahl gewesen wäre...

Mitglied der Christdemokraten ist Zintel erst kurz vor dem Amtsantritt in Hochheim geworden, eine Parteikarriere war nie sein Weg. Die Hochheimer CDU hatte vielmehr keinen geeigneten Nachfolger für Gensch, den es als Stadtdirektor ins niedersächsische Laatzen zog. Rasch kamen die Christdemokraten auf Zintel, der seit den siebziger Jahren in der Wein- und Sektstadt wohnte. Er hatte nicht nur die Reputation als Einsatzleiter an der Startbahn vorzuweisen, sondern unter anderem auch die als Frankfurter Polizeipräsident.

Sechs Jahre nach seiner Wahl aber wechseln die Mehrheitsverhältnisse in Hochheim. Bei einer Direktwahl, die es damals noch nicht gibt, hätte Zintel wohl gute Chancen gehabt. Zumindest sammelt eine Bürgerinitiative für die Wiederwahl Zintels mehr als 2000 Unterschriften in der keinen Stadt, wie in diese Zeitung damals berichtet. Doch Zintel wird nicht wiedergewählt. Der Flughafenbetreiber hieß noch Flughafen Frankfurt AG, als er dann noch unter dem Vorstandsvorsitzenden Horstmar Stauber das Angebot annahm, dort bei der Luftsicherheit einzusteigen.

Für Gartenarbeit noch zu jung

Amtsmüde wirkt Zintel auch heute überhaupt nicht. Da aber Flughafenchef Stefan Schulte die Struktur der Flughafenadministration von Grund auf umgestalten will und sich mit der Übertragung der Aufsicht über die Sicherheitsdienstleistungen am Frankfurter Flughafen an die Bundespolizei ohnedies viele Veränderungen in Zintels Ressort ergeben, hat er sich entschlossen, diesen Wandel mit einem einvernehmlichen Ausscheiden zu unterstützen, wie der sagt.

Für Gartenarbeit fühlt sich der umtriebige Mann allerdings noch zu jung, er kann sich gut vorstellen, weiter beratend in seinem Fach zu arbeiten.

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Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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