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Franz Kamphaus Mit Leichtigkeit

 ·  Der frühere Limburger Bischof Franz Kamphaus ist als Seelsorger in Rüdesheim-Aulhausen „einfach da“. Demnächst feiert der Altbischof, der am Montag sein 77. Lebensjahr vollendet, sein Goldenes Priesterjubiläum.

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Mag der Applaus für wichtige Gäste auf Empfängen höflich sein, für Franz Kamphaus ist er herzlich. So wie vor kurzem beim Fest für seinen langjährigen Begleiter, Weihbischof Gerhard Pieschl, in Limburg. Altbischof Kamphaus weckt Sympathien, auch zwei Jahre, nachdem er aus dem Amt geschieden ist. Er ist bei vielen in guter Erinnerung. Am Montag wird er 77 Jahre alt und kann bald das Goldene Priesterjubiläum feiern.

In diesem Alter sei er darüber hinweg, herumzureisen und Vorträge zu halten, sagt er. Was er aber könnte: Anfragen bekommt der begabte Redner genug. Er wählt seine Auftritte genau aus, wie den jüngst in Wiesbaden, wo er über das christlich-islamische Verhältnis sprach, eines der Themen, die ihn seit längerem beschäftigen. Doch lieber bleibt er bei seiner neuen Gemeinde im St. Vincenzstift, einer großen kirchlichen Behinderteneinrichtung in Rüdesheim-Aulhausen: „Hier ist mein Platz.“ Nicht mehr in Limburg, der Zentrale. „Ich halte mich dort raus.“

Gratwanderung für Kamphaus

Was nicht heißt, dass ihm gleichgültig wäre, was in der Diözese geschieht, die er fast 25 Jahre lang leitete. Es ist eine Gratwanderung für Kamphaus. Dennoch nutzte er etwa den Empfang zu Ehren Pieschls für Gespräche mit dem ein oder anderen Entscheidungsträger. Und auch zu seinem Nachfolger Franz-Peter Tebartz-van Elst hat er regelmäßig Kontakt. Worüber die beiden so unterschiedlichen Bischöfe mit ähnlichen Wurzeln – beide stammen aus bäuerlichen Familien im Bistum Münster – wohl reden? „Jedenfalls nicht übers Wetter“, sagt Kamphaus knapp.

Lieber spricht er über seine seelsorgerliche Arbeit und seinen Alltag in der Behinderteneinrichtung. „Beziehung ist alles. Man muss sich abschminken, Sprüche zu klopfen.“ In dieser Gefahr steht der Kirchenmann ohnehin nicht, doch vor Behinderten zu predigen ist eine neue Herausforderung. „Es geht darum, unsere großen biblischen Wörter zu elementarisieren, ohne dabei banal zu werden.“ Wichtig seien die Lieder, alle sängen auswendig, kaum einer könne lesen. Kamphaus zitiert eine 14 Jahre alte Jugendliche aus dem Stift, um es auf den Punkt zu bringen: „Die anderen haben Gott im Kopf, ich habe ihn im Herzen.“

„Ich bin mit Leib und Seele Priester“

Kamphaus wohnt im Haus, das die Urzelle der Einrichtung ist. Dort wurde 1893 das erste behinderte Kind aufgenommen. Als das Gebäude für die Arbeit viel zu klein geworden war, wurde es Sitz der Stiftsdirektoren. Der heutige Direktor Caspar Söling lebt mit seiner Familie im Geisenheimer Stadtteil Johannisberg. Der ehemalige persönliche Referent von Kamphaus, Theologe und Biologe, leitet das Stift seit Juni 2006 und ist der erste Direktor, der kein Priester ist.

Um administrative Dinge braucht sich Kamphaus nicht zu kümmern – er soll ausschließlich als Seelsorger tätig sein, gemeinsam mit dem Diakon Christoph Beuers, der schon seit mehr als 20 Jahren im Vincenzstift arbeitet. „Ich habe seit eh und je gesagt: Ich bin mit Leib und Seele Priester. Ob ich Bischof bin oder nicht, das ist nicht so entscheidend“, hatte er kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand vor zwei Jahren gesagt. So ist es auch im Vincenzstift: Titel zählen dort wenig. Zumindest lassen sich Behinderte nicht von ihnen beeindrucken, wie Kamphaus weiß. „Die Sprache meiner Mitbewohner ist unmittelbar, direkt.“

Er hält Gottesdienste im Stift oder in umliegenden Gemeinden im Rheingau, wenn Not am Mann ist, liest hie und da aus seinem neuen Buch, gibt Exerzitien. Auch die Mitarbeiter des Stifts begleitet er, gibt geistliche Impulse.

Auseinandersetzungen mit dem Vatikan

„Hallo Papst“ – so begrüßt ihn eine der Behinderten regelmäßig. Kamphaus muss lachen, wenn er dies hört. Vielleicht denkt er dann kurz an seine Auseinandersetzungen mit dem Vatikan. Vielleicht aber auch nicht, denn er strahlt „Leichtigkeit“ aus , wie Söling es ausdrückt. Wer ihn besucht, sieht, dass das stimmt. „Das Allerwichtigste ist, einfach da zu sein“, weiß der Altbischof. „Entscheidend ist nicht so sehr, was ich sage oder tue, sondern dass ich hier wohne und lebe, einfach dazwischen bin.“

Leichtigkeit dürfte auch das Fest zu seinem Goldenen Priesterjubiläum prägen. Am 21. Februar, dem Weihetag, feiert er es – wo sonst – in seiner Gemeinde: mit einem Gottesdienst mit den Bewohnern des Stifts und anschließend bei einer Feier mit Bockwurst und Kartoffelsalat. Einfach eben. Der festliche Gottesdienst im Limburger Dom kommt später, am 1. März. Es ist eine andere Welt als die in Aulhausen. Aber auch in Limburg wird der Applaus für ihn herzlich sein. Aufs neue.

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