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Flughafen Egelsbach „Für vier Flugzeuge kaufe ich keinen Flugplatz“

12.02.2009 ·  Netjets wirbt in Egelsbach um Verständnis für seine Flugplatzpläne. Doch bei 400 Bürgern überwiegen Ärger und Unverständnis.

Von Eberhard Schwarz
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„Wir wollen ein guter Nachbar und ein guter Partner sein.“ Wie oft mag Scott Forbes diesen Satz am Mittwochabend im Bürgerhaus Egelsbach wiederholt haben? „Unser Geschäftsmodell macht uns zum idealen Partner“, versicherte der Director von Netjets Europe immer und immer wieder. Vier verschiedene Flugzeugtypen aus der Flotte des Unternehmens, das zur Berkshire Hathaway Group mit dem Vorstandsvorsitzenden Warren Buffett gehört, mit jeweils sieben oder acht Sitzplätzen seien in der Lage, auf dem Flugplatz Egelsbach zu landen. Dies werde sich auch nach dem Einstieg seines Unternehmens nicht ändern. Weder größere Netjets-Maschinen noch eine Boeing 737 „können und werden hier landen“. Fluglinien und Anbieter von Billigflügen werde es in Egelsbach nicht geben.

Forbes hatte einen schweren Stand. Wegen der am 5. März zu treffenden Entscheidung der Gemeindevertreter über den Verkauf der Egelsbacher Anteile an der Flugplatz-Betreibergesellschaft Hessische Flugplatz GmbH (HFG) an Netjets hatte die Gemeinde zur Bürgerversammlung eingeladen. Die Vertreter der fünf Anteilseigner – die Kreisversorgungsbeteiligungsgesellschaft mbH, die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH, die Kommunen Egelsbach und Langen sowie die Stadtwerke Langen GmbH – in der Gesellschafterversammlung hatten dem Verkauf der Anteile zugestimmt, da sie die HFG finanziell nicht zusätzlich unterstützen wollen. Die Verträge wurden schon unterschrieben; die Gremien der Gesellschafter müssen aber noch zustimmen. Der Widerstand wächst: Die Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft Egelsbach (Flag-e) hat die Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen den Anteilsverkauf im Rathaus abgegeben.

Zustimmend äußerte sich niemand

Schon früh waren die rund 200 Sitzplätze im Bürgerhaus belegt. Viele Menschen standen dicht an dicht an den Seiten des Saals. Mehr als 400 Bürger verfolgten, wie Forbes den weltgrößten Betreiber von Privatjets vorstellte. Man bediene 900 Flugplätze in Europa mit 167 Maschinen und verkaufe Anteile an Flugzeugen. Die Investition in Egelsbach sei dadurch zu erklären, „dass wir mehr Anteile verkaufen können“, so sagte Forbes. Aus diesem Grund könne Netjets auch die zahlreichen Beschränkungen akzeptieren, die mit dem Erwerb der HFG-Anteile verbunden seien. Bei den geplanten Investitionen gehe es darum, „die Sicherheit und nicht die Zahl der Flüge zu erhöhen“.

„Überwältigt“ von der Zahl der Besucher zeigte sich die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Claudia Berck (parteilos). Ihre Vorgabe, die Redezeit von drei Minuten einzuhalten, geriet schnell in Vergessenheit. Skepsis, Unverständnis und Verärgerung über den Anteilsverkauf war von allen Besuchern zu hören; zustimmend äußerte sich niemand. Manche hatten ganze Fragenkataloge mitgebracht. Wann denn damit zu rechnen sei, dass der Flugplatz für die größeren Netjets-Flugzeuge ausgebaut werde, wollte ein Besucher aus der Nachbargemeinde Erzhausen wissen. „Wenn Sie den Bürgern weismachen wollen, dass das ein eiserner Vertrag ist, dann ist das Augenwischerei“, kritisierte eine Frau. Wenn Netjets über leise und kleine Maschinen verfüge, warum sollten dann die Obergrenze des Dauerschallpegels und die maximale Tonnage erhöht werden, fragte ein anderer Zuhörer.

Forbes wies darauf hin, dass es derzeit etwa zwei Netjets-Flüge am Tag nach Frankfurt gebe. Die Zahl könne sich in Egelsbach künftig auf vier am Tag erhöhen. Andere als die kleineren Maschinen „werden nie hier landen können“. Der für Egelsbach tätige Rechtsanwalt Thomas Lazarus fügte hinzu, das Regierungspräsidium Darmstadt habe angeregt, die maximale Tonnage von bisher 20 auf 25 Tonnen zu erhöhen, da man die bisherige Praxis der Ausnahmegenehmigungen beenden wolle. 2007 habe es in Egelsbach 13 Flüge und 2008 sieben Flüge mit Maschinen gegeben, die schwerer als 20 Tonnen gewesen seien. Eine Frau entgegnete: „Wenn ich vier Flugzeuge landen lassen möchte, kaufe ich dafür keinen Flugplatz.“ Dieter Faulenbach da Costa, Autor eines für die Gemeinde Egelsbach erstellten Gutachtens zum Flugplatz-Ausbau, sagte, der „Flugzeugmix“ werde sich nicht wesentlich ändern. „Äußerst unwahrscheinlich“ sei, dass künftig nur noch Flugzeuge zwischen 20 und 25 Tonnen in Egelsbach landeten.

Ob Netjets die Rechtsbindung eines Bürgerbegehrens bekannt sei, fragte der frühere Gemeindevertreter der Grünen, Werner Fritzsche. Netjets glaube an demokratische Prozesse, erwiderte Forbes: „Wir machen Ihnen ein Angebot und glauben, dass dies die beste Position ist.“ Gegen Ende der fünfstündigen Veranstaltung sagte Günther de las Heras, der Vorsitzende der Flag-e, er bewundere den Mut von Forbes, sich den Fragen zu stellen. Doch sei „dieser Deal zu groß, um ihn einfach so auf die Schnelle abzuwickeln“.

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Jahrgang 1954, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

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