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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Flörsheim Entscheidung über Umgehungsstraße

 ·  Die Umgehungsstraße entzweit die Flörsheimer wie kaum ein anderes Thema. Die Befürworter erhoffen sich eine weitgehende Entlastung vom Verkehrslärm, die Kritiker misstrauen den Versprechungen.

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Die Fronten sind verhärtet, und der Ton zwischen Befürwortern und Gegnern der Umgehungsstraße B 40/B 519 ist in den vergangenen Wochen zusehends rauher geworden. Rund 15.400 Wahlberechtigte sind am Sonntag aufgerufen, in einem Bürgerentscheid über die Zukunft des rund 35,2 Millionen Euro teuren Vorhabens zu bestimmen.

Die überwiegende Mehrheit im Stadtparlament – CDU, SPD, eine Mehrheit in der FDP – setzt sich wie Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) für die Entlastungsstraße ein. Als politische Vorhut für rund 2400 Bürger, die mit ihrer Unterschrift das Bürgerbegehren erzwungen hatten, versteht sich die Grün-Alternative Liste Flörsheim (Galf), die in der von Flug- und Straßenlärm geplagten Stadt von jeher gegen das Vorhaben aufbegehrt.

Antenbrink: Jetzt oder nie muss gebaut werden

Wenn sich Antenbrink wortgewaltig für den Bau der Straße einsetzt, dann lässt er zumeist Zahlen sprechen: Falls die Umgehung der B 40 und der B 519 gebaut werde, reduziere sich der Autoverkehr im Stadtteil Weilbach bis zum Jahr 2015 um bis zu 91 Prozent. Täglich bewegten sich dann 13.700 Fahrzeuge weniger über die Frankfurter Straße – die Hauptverkehrsader des Stadtteils. Die Entlastung in Flörsheims Kernstadt beträgt den Berechnungen zufolge immer noch bis zu 56 Prozent. Und durch Wicker würden zumindest 40 Prozent weniger Fahrzeuge rollen.

Wer wie Flörsheim schon unter nahezu unerträglichem Fluglärm leide, müsse jenen Lärm vermindern, den er aus eigener Kraft reduzieren könne, fordert Antenbrink. Er weiß, dass er sich einer breiten parlamentarischen Mehrheit sicher sein kann, wenn er anhand von Computeranimationen und Hochglanzbroschüren den Bürgern das Projekt schmackhaft machen möchte. Antenbrink spricht von einer „finalen Entscheidung“: „Jetzt oder nie“ müsse gebaut werden. Eine realistische Alternative gebe es nicht.

Allein bei den Streitern der Bürgerinitiative gegen die Umgehungsstraße (Bigu) stößt diese „massive Beeinflussung des Wählerwillens“ auf Widerstand. Der oberste Souverän sei der Bürger, die Parteioberen seien es nicht, entrüstete sich jüngst Bigu-Sprecher Tim Marold. Antenbrink missbrauche sein Amt, um politische Ziele durchzusetzen.

Ausbaugegner: „Am Sonntag mit Ja stimmen“

Mit deutlichen Markierungen des Trassenverlaufs in den Feldern stellen die Gegner ihrerseits den „geplanten gewaltigen Eingriff“ realistisch dar. Auf Banner und Transparente, auf denen zum Kampf gegen die Umgehungsstraße aufgerufen wird, verzichten die Gegner deswegen aber nicht: „Am Sonntag mit Ja stimmen“ fordern sie. Die Flörsheimer müssten für die Erhaltung der Naherholungsgebiete stimmen, da die Entlastung vom Autoverkehr keineswegs in dem Ausmaß eintreten werde, wie es die Befürworter versprächen.

Um das Straßenprojekt zu kippen, muss die absolute Mehrheit der Bürger, die am Sonntag ihre Stimmen abgeben, sich gegen die Umgehungsstraße aussprechen und damit zugleich für die Aufhebung des Stadtverordnetenbeschlusses. Eine Ablehnung ist nur dann gültig, wenn mindestens 25 Prozent aller Wahlberechtigten – knapp 3800 Bürger – gegen die Piste stimmen. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid würde das Projekt um mindestens drei Jahre aufschieben. Während sich Antenbrink nach seinen Worten an das Mehrheitsvotum halten will, hat der CDU-Fraktionschef Michael Kröhle angekündigt, dass er das Vorhaben auf jeden Fall „wie politisch gewollt“ verwirklichen wolle.

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Jahrgang 1960, Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

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