19.08.2008 · Das Filmhaus Wiesbaden soll Anfang 2009 eröffnet werden. Hier ziehen nicht nur Verbände der Filmwirtschaft ein, sondern auch ein Kino, sowie das schon in Wiesbaden ansässige Landesstudio Hessen des ZDF.
Von Heidi Müller-GerbesDer Bau des Wiesbadener Filmhauses an der Mainzer Straße geht zügig voran. Ende des Jahres soll der nach Plänen des Idsteiner Architekturbüros Schneider + Sommer entstehende Gebäudekomplex der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung bezugsbereit sein. Vom nächsten Jahr an werden dort – unweit des Wiesbadener Hauptbahnhofs – zahlreiche Einrichtungen des Films ihren Sitz haben. Neben der Murnau-Stiftung sind das die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (Spio), die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH, die SPIO Management Service GmbH, die Deutsche Filmkünstler Nothilfe, das Archiv des Deutschen Filminstituts – DIF und das Institut für Kino und Filmkultur.
Aber auch Büros von Postproduktions- beziehungsweise Vertriebsunternehmen wie die Ingelheimer Omnimago GmbH oder die Münchener Transit Film GmbH sowie das schon in Wiesbaden ansässige Landesstudio Hessen des ZDF wollen an die Mainzer Straße wechseln. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden und das Kuratorium Junger Deutscher Film wollen zwar an ihrem bisherigen Standort im Schloss Biebrich bleiben, haben aber angekündigt, intensiv mit den Institutionen im neuen Filmhaus kooperieren zu wollen.
Kulturelle Bereicherung
Bauherrin ist die Murnau-Stiftung, die Bewahrerin des deutschen Filmerbes von seinen Anfängen bis in die sechziger Jahre. Die Spio hat das 3.150 Quadratmeter große Grundstück zu günstigen Konditionen von der Stadt erwerben können und der Stiftung in Erbpacht überlassen. Das Land Hessen fördert den auf 7,2 Millionen Euro budgetierten Bau mit 1,7 Millionen Euro aus Mitteln des Kulturinvestitionsprogramms.
Mit dem Filmhaus Wiesbaden verbinden Stadt und Land die Erwartung kultureller Bereicherung nicht nur für die „Filmstadt Wiesbaden“. Die Interessenvertretungen aus der Filmwirtschaft wie auch aus Film- und Medienunternehmen sammelten sich unter einem Dach, „um national und international sichtbare Impulse aus dem Filmland Hessen zu setzen“, sagte der Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ralph Alexander Lorz (CDU), beim Richtfest für das Gebäude.
Sensationeller Fund
Dessen Kernstück ist ein Kino mit 100 Plätzen, das der Murnau-Stiftung nach den Worten ihres Kuratoriumsvorsitzenden Eberhard Junkersdorf die Möglichkeit eröffnen wird, Teile ihres einzigartigen Filmstocks der Öffentlichkeit auf einer Kinoleinwand zu präsentieren.
Seit ihrer Gründung vor 42 Jahren setzt sich die Murnau-Stiftung für die Erhaltung und Pflege eines großen Teils des deutschen Filmerbes ein. So trägt sie die Verantwortung für über 2.000 Stummfilme, 1.000 Tonfilme und 3.000 Kurzfilme von herausragender kultur- und filmhistorischer Bedeutung, darunter eine Vielzahl von Inszenierungen bedeutender deutschsprachiger Regisseure wie Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Detlef Sierck, Helmut Käutner oder Wolfgang Liebeneiner. Fritz Langs Film „Metropolis“ zum Beispiel zählt als einziges Filmkunstwerk zum Unesco-Weltkulturerbe. Lange vermisste Szenen des cineastischen Kunstwerks wurden kürzlich in Buenos Aires wiederentdeckt. Der sensationelle Fund wird die Murnau-Stiftung laut Junkersdorf in die Lage versetzen, den Film weitestgehend wiederherzustellen. Damit könne dann endlich das Ziel erreicht werden, dem Meisterwerk Langs so nahe wie nie zuvor zu kommen und es der Welt zu präsentieren.
Einem breiten Publikum zugänglich machen
Eines Tages vielleicht sogar im Wiesbadener Filmhaus, das als „filmkulturelles Zentrum“ ausdrücklich auch als Begegnungsstätte mit öffentlich zugänglichem Café/Bistro konzipiert ist. In seinem Foyer mit angeschlossenem „Multifunktionsbereich“ sollen beispielsweise Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen möglich sein. Das Kino des Hauses könnte auch als Spielstätte für die Wiesbadener Filmfestivals goEast sowie Exground genutzt werden.
Stiftungs-Vorstand Helmut Poßman zeigte äußerte sich lobend über die neuen Möglichkeiten, die archivarische und wissenschaftliche Arbeit seines Hauses einem breiten Publikum unmittelbar zugänglich zu machen: „Für unsere Stiftung ist das eine große Chance.“