17.04.2005 · An der zweiten Fahndungsaktion nach Finger- und Handflächenabdrücken im Fall der vor fünfeinhalb Jahren getöteten acht Jahre alten Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen haben sich in der vergangenen Woche 355 Männer beteiligt.
An der zweiten Fahndungsaktion nach Finger- und Handflächenabdrücken im Fall der vor fünfeinhalb Jahren getöteten acht Jahre alten Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen haben sich in der vergangenen Woche 355 Männer beteiligt. 18 Besucher einer Bauschuttdeponie in Bobenhausen waren bis zum Abschluß der Aktion am Samstag nachmittag nicht im Bürgerhaus von Ranstadt erschienen, um ihre Abdrücke digital erfassen zu lassen. Die Ermittler wollen sie nun noch einmal bitten, dies nachzuholen. Bislang sind keine Gründe bekannt, warum sie nicht kamen. Damit hätten sie sich jedoch nicht zwangsläufig verdächtig gemacht, hieß es bei der Polizei. Bei einer ersten Reihenuntersuchung vor mehr als zwei Jahren in den Ortsteilen Bobenhausen und Bellmuth hatten sich alle 448 angeschriebenen Männer beteiligt. Die kleine Deponie der Gemeinde Ranstadt liegt nur einen Steinwurf von den Orten entfernt, wo Johanna gelegentlich mit ihrer Freundin gespielt hatte und wo sie am 2.September 1999 verschwunden war.
Der Massentest stieß nach den Worten von Polizeisprecher Willi Schwarz in der Bevölkerung insgesamt und auch bei den zur Spurenabgabe aufgeforderten Männern auf große Zustimmung. Die zum ersten Mal in Deutschland bei einer Reihenuntersuchung mit modernen Scannern erfaßten Abdrücke werden in den nächsten Tagen beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden mit der Spur eines Fingers oder einer Handinnenfläche verglichen, die die Ermittler an einem Klebeband entdeckt hatten, mit dem Johanna gefesselt worden war. Die Polizei geht davon aus, daß diese Spur vom Mörder stammt. Zudem halten sie es für wahrscheinlich, daß Johanna den Täter kannte.
Schon am ersten Tag der Aktion, am Montag vor einer Woche, war ein Drittel der eingeladenen Männer erschienen; am zweiten Tag waren es schon mehr als die Hälfte. Wie berichtet, hatte die Polizei mit Hilfe eines im Herbst 2003 zufällig entdeckten Gebührenbuches der Bauschuttdeponie 390 Männer aus Ranstadt und den Ortsteilen Dauernheim und Ober-Mockstadt im Alter zwischen 18 und 65 Jahren ermitteln können. In das Buch hatte ein inzwischen verstorbener Rentner seit Oktober 1994 die Namen, die Wohnorte sowie die Fahrzeugtypen und -kennzeichen der Deponienutzer notiert.
Bei der neuen Aktion bestätigte sich abermals, daß die Bevölkerung in der Region auch mehr als fünfeinhalb Jahre nach der Tat nach wie vor ein großes Interesse an der Aufklärung des Verbrechens hat. So beteiligten sich in der vergangenen Woche von sich aus 16 weitere Männer an der Aktion, die keine Einladung von der Polizei erhalten hatten, die aber zusammen mit Bekannten oder Verwandten die Deponie besucht hatten. In dem Kassenbuch hatte der von der Gemeinde beauftragte Rentner nur die Müllanlieferer vermerkt, nicht jedoch deren Helfer. Weitere Männer, die im Bürgerhaus erschienen, gaben an, unter anderen Namen registriert worden zu sein. Die Ermittler gehen nun von 381 namentlich bekannten Männern aus. Neun Männer haben angekündigt, bei anderen Polizeidienststellen ihre Abdrücke abzugeben. Sechs Männer sind verzogen, und zwei befinden sich derzeit im Ausland. Auch diese acht Männer haben bereits ihre Mitwirkung signalisiert. Die Ermittler bitten zudem weitere Männer, die vor sechs Jahren etwa als Helfer oder Begleiter die Deponie besucht haben und die bislang nicht angeschrieben wurden, sich unter der Telefonnummer 06031/601-0 zu melden. Alle Abdrücke werden nur mit der am Klebeband gesicherten Spur verglichen werden und nicht mit anderen Kriminalfällen. Mit einem Ergebnis der Reihenuntersuchung rechnet die Polizei erst in den nächsten Wochen. jjo.