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Fahrprüfung Jetzt auch in Hessen: „Führerschein mit 17“

Siebzehnjährige dürfen nun auch in Hessen Auto fahren. Sie absolvieren die gleiche Fahrprüfung wie Erwachsene und bekommen dann - frühestens zum 17. Geburtstag - die vorläufige Fahrerlaubnis.

© F.A.Z. - Marcus Kaufhold Vergrößern Nicht ohne einen routinierten Beifahrer: „Führerschein mit 17”

Wer einmal die Frankenhöhe im Mainzer Stadtteil Hechtsheim hochgeradelt ist, der weiß den Komfort eines Autos zu schätzen. Selbst Steffen Graf, der die Steigung vom täglichen Schulweg gewohnt ist, kommt regelmäßig ins Schwitzen. In einigen Wochen könnte das vorbei sein: Dann darf sich der Siebzehnjährige hinters Steuer des blauen Golf setzen, der vor dem Reihenhaus der Eltern wartet. Ins Schwitzen könnten dann höchstens Mutter Heidrun oder Vater Günter kommen. Sie sind die Begleitpersonen, die im Modellprojekt „Führerschein mit 17“ vorgeschrieben sind.

Matthias Trautsch Folgen:

Sei dem vergangenen November dürfen rheinland-pfälzische Jugendliche mit 17 Jahren einen Personenwagen lenken. Dafür müssen sie sich in Begleitung eines erfahrenen Autofahrers befinden. Bei dem zeitlich befristeten Versuch geht es nicht etwa darum, junge Leute möglich früh hinters Steuer zu bringen. Ihnen soll es vielmehr ermöglicht werden, ein Jahr lang Fahrpraxis zu sammeln, um nach dem 18. Geburtstag sicherer in den Straßenverkehr zu starten. Vorgemacht haben es etwa die Österreicher, die die Unfallquote bei Jugendlichen mit einer ähnlichen Regelung drastisch gesenkt haben.

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12.000 Jugendliche fahren in Begleitung

Wie sich der Versuch auf die Verkehrssicherheit in Rheinland-Pfalz ausgewirkt hat, soll in den nächsten Wochen eine Umfrage zeigen. Svea Thümler, Sprecherin des Verkehrsministeriums, nimmt aber an, daß sich die Regelung bewährt hat. Ungefähr 12.000 Jugendliche, also rund ein Viertel der Führerschein-Absolventen, hätten die Fahrerlaubnis vorzeitig erworben. Die Erfahrungen mit dem begleiteten Fahren - etwa von Schulen, den städtischen Verkehrsbehörden oder der Polizei - seien sehr erfreulich.

Seine Eltern mußte Steffen nicht lange überreden: Heidrun und Günter Graf waren gleich bereit, sich als Begleiter eintragen zu lassen. Wie sie ihrem Sohn vom Beifahrersitz aus helfen wollen, ist ihnen noch nicht recht klar. Ständige Kommentare und Anweisungen müsse Steffen sich jedenfalls nicht anhören, sagen sie. Höchstens ein paar allgemeine Tips: „Brücken sind im Winter oft vereist, da mußt du aufpassen“, rät Günter Graf etwa.

Diese Haltung entspricht in etwa dem, was Richard Anacker empfiehlt. Er ist Inhaber der Fahrschule, in der Steffen den Führerschein macht. Die Begleiter, die übrigens nicht unbedingt die Eltern sein müssen, dürften nicht die Rolle des Fahrlehrers übernehmen, sagt er. Unterwegs ansprechen sei tabu; „lieber ein paar Notizen machen und nachher besprechen, was falsch war“. In der Regel sollte das nicht viel sein - schließlich hätten die Siebzehnjährigen die gleiche Prüfung bestanden wie Volljährige. Seiner Ansicht nach sollte der Erwerb des Führerscheins sogar schon mit 16 Jahren möglich sein. Darauf sollte ein Jahr mit Begleitung und ein weiteres Jahr mit gewissen Einschränkungen folgen. So könnte das Fahren nur bis 10 Uhr am Abend erlaubt sein: „Dann würden die Disco-Fahrten wegfallen und damit viele Unfälle.“

„Nur ich habe den Führerschein noch nicht“

Obwohl Anacker das begleitete Fahren befürwortet, konnte er es bislang nicht all seinen Schülern anbieten. Denn neben der Filiale in Mainz hat er auch ein Geschäft im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim. Die hessischen Jugendlichen mußten bislang den 18. Geburtstag abwarten, bis sie fahren durften.

Von morgen an soll sich dies ändern - dann gibt es den „Führerschein mit 17“ auch in Hessen. Miriam Markowski kann es kaum abwarten, sich bei Anackers Fahrschule anzumelden. Die Siebzehnjährige wohnt in Kostheim, geht aber aufs Schloßgymnasium in Mainz: „In meiner Stufe haben die meisten den Führerschein, nur ich noch nicht.“

Das Fahren sei ihr gar nicht so wichtig - sie wolle jedoch die Prüfungen möglichst früh hinter sich haben, um sich dann auf das Abitur konzentrieren zu können. Ihre Mutter Roswitha macht sich keine Illusionen, daß sie Miriam vom Beifahrersitz aus etwa reinreden könnte: „Dazu ist meine Tochter viel zu selbstbewußt.“ Die Siebzehnjährige habe ihrerseits schon angekündigt, ihre Mutter künftig zum Einkaufen zu kutschieren. Das sei gar nicht schlecht, meint die Mutter: „Dann kann sie auch gleich beim Tütenschleppen helfen.“

Nach dem Vorbild anderer Bundesländer beginnt morgen in Hessen das Modellprojekt „Führerschein mit 17“. Dann können sich Jugendliche, die mindestens sechzehneinhalb Jahre alt sind, bei einer Fahrschule anmelden.

Nach bestandener Prüfung erhalten sie zum 17. Geburtstag die Erlaubnis, einen Personenwagen zu steuern - vorausgesetzt, daß ein routinierter Beifahrer neben ihnen sitzt. Auf dem vorläufigen Führerschein sind die Namen der möglichen Begleiter vermerkt. Wer dafür angemeldet wird, entscheiden die Eltern.

Es kommt jeder in Frage, der mindestens 30 Jahre alt ist, seit fünf Jahren die Fahrerlaubnis besitzt und nicht mehr als drei Punkte in Flensburg hat. Die Fahrberechtigung gilt bundesweit, allerdings nicht im Ausland. Der Modellversuch soll bis Ende 2010 laufen und im Erfolgsfall zur Dauerregelung werden.

Quelle: F.A.Z., 30.09.2006

 
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