http://www.faz.net/-gzg-10437
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.08.2008, 08:17 Uhr

Eschborn Börse baut sich einen gläsernen Würfel

Nüchtern und transparent wird das neue Gebäude, das die Deutsche Börse sich an die Mergenthalerallee in Eschborn baut. Ende Oktober soll der Grundstein gelegt werden, bis 2010 soll das auf Umweltfreundlichkeit getrimmte Gebäude fertig sein.

von
© KSP Engel und Zimmermann „Atriumartig”: der geplante Neubau der Deutschen Börse in Eschborn

Fast hundert Meter soll er in den Himmel ragen, der Kubus aus Stahl und Glas, den die Deutsche Börse Gruppe im Sommer 2010 an der Mergenthaler Allee 61-71 in Eschborn beziehen will. Rund 2000 Büro-Arbeitsplätze sollen auf 20 Stockwerken verteilt entstehen. Insgesamt soll sich die Fläche auf circa 53.000 Quadratmetern belaufen, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens hieß. Die Grundsteinlegung ist für den Herbst angesetzt, für Ende Oktober oder Anfang November, wie ein Sprecher der Börse sagte.

Tim  Kanning Folgen:

Das Gebäude wurde vom Frankfurter Architekturbüro KSP Engel und Zimmermann entworfen, auf dessen Reißbrettern auch das Hochhaus des Palais Quartier an der Zeil entstanden ist. Jürgen Engel beschrieb den Börsen-Bau als „atriumartig“. Im Mittelteil sollten acht bis zehn Etagengärten – ähnlich denen im Frankfurter Commerzbank-Hochhaus – als Pausenräume für die Mitarbeiter eingerichtet werden. Auf dem Dach soll laut Engel ein offener Garten für repräsentative Zwecke entstehen. Das Haus solle zudem über ein Parkdeck und eine Tiefgerage verfügen.

Mehr zum Thema

Solarenergie und Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung

Die Börse hob in ihrer Mitteilung insbesondere die Umweltfreundlichkeit des neuen Gebäudes hervor. So würden etwa energiesparende Anlagen zur Wärmerückgewinnung eingesetzt, Solarenergie genutzt und Kälte mittels Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung erzeugt.

Als Projektentwickler zeichnet die Lang & Groß Projektentwicklung GmbH verantwortlich. Wie schon in ihrem Quartier in Hausen wird die Börse auch in Eschborn nur als Mieter in den Neubau einziehen. Er wurde aber nach Angaben des Sprechers weitgehend zusammen mit ihr entworfen. Wer letztlich Eigentümer des Gebäudes sein wird, wollte der Börsen-Sprecher nicht sagen. Von Lang & Groß war niemand für einen Kommentar zu erreichen.

Selten wurde um den Umzug eines Unternehmens so viel Aufhebens gemacht wie um den der Deutschen Börse von Frankfurt-Hausen nach Eschborn. Räumlich trennen die beiden Standorte nur fünf Kilometer, steuerlich beträgt der Unterschied für den Börsenbetreiber viele Millionen Euro. Das Gebäude wird somit nicht nur ein moderner Bürokomplex. Es wird auch für die Streitigkeiten zwischen der Stadt und ihrem Umland über Steuersätze, Kooperation und Konkurrenz stehen. Das Zeichen wird weithin zu sehen sein und dürfte ähnlich wie jetzt schon etwa das Arcor-Gebäude auch von den Eschborn umfließenden Autobahnen und Schnellstraßen von der wirtschaftlichen Prosperität der kleinen Stadt vor den Toren Frankfurts zeugen.

Erste Umzugsetappe abgeschlossen

Nachdem vor einigen Wochen bekannt geworden war, dass der relativ hohe Entwurf, der die an dieser Stelle erlaubte Bebauung von bis zu 22 Stockwerken fast vollständig ausnutzt, den Zuschlag bekommen hatte, hatten andere Architekten, die ebenfalls Vorschläge eingereicht hatten, sich darüber geärgert, da ihrer Ansicht nach die Börse zuvor ausdrücklich einen niedrigeren Bau gewünscht hatte. Der Börse-Sprecher wollte die Kontroverse gestern nicht kommentieren.

Die erste Etappe seines Umzugs hat der Börsenbetreiber bereits abgeschlossen. Etwa die Hälfte der knapp 2000 Mitarbeiter aus Hausen sind übergangsweise im ehemaligen Haus der Mode untergekommen, direkt neben der Baustelle. Die übrigen Mitarbeiter der Abteilungen Deutsche Börse Systems und Eurex sollen erst umziehen, wenn das neue Gebäude fertig ist. Frankfurt wird Sitz des Unternehmens bleiben, der traditionsreiche Handelssaal verbleibt im Gebäude der IHK am Börsenplatz.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Chance nach Brexit Frankfurt will Fintechs aus London anziehen

Die Zukunft der Banken ist digital. Die Ideen dafür entstehen aber meist in Kalifornien, London oder Berlin. Frankfurt will nun aufholen – mit vereinten Kräften. Mehr Von Tim Kanning und Marcus Theurer, London

16.08.2016, 08:04 Uhr | Finanzen
Anruf aus London Top-Immobilien in Frankfurt gefragt

Büroraum ist teuer und knapp. Die deutsche Finanzmetropole aber ist nach dem Brexit gerüstet. Überall entstehen neue Immobilien. Gefragt sind vor allem moderne Gebäude - mit einem schönen Blick und in guter Lage. Mehr

04.08.2016, 15:29 Uhr | Wirtschaft
Städtische Bühnen Frankfurt Sanierung kostet 380 Millionen Euro

Ein vorläufiges Gutachten schätzt die Kosten für die Sanierung der Städtischen Bühnen Frankfurts auf 380 Millionen Euro. Das ist teurer als erwartet. Doch noch wird auch über das Wie gestritten. Mehr Von Rainer Schulze und Matthias Alexander, Frankfurt

17.08.2016, 18:06 Uhr | Rhein-Main
Frankfurt VW und Zulieferer setzen Streit fort

Durch den Streit zwischen zwei Zulieferungsfirmen und VW wird die Produktion in sechs VW-Werken in Mitleidenschaft gezogen. Fast 30.000 Beschäftigte können nicht wie gewohnt arbeiten. An der Börse zeigte der Streit keine großen Auswirkungen - die VW-Aktie ist fast unverändert in die neue Woche gestartet. Mehr

22.08.2016, 15:09 Uhr | Wirtschaft
Neuer Büroturm geplant Auf Augenhöhe mit dem EZB-Turm

Die Bundesbank will sich in Bockenheim ein Hochhaus bauen. Es könnte bis zu 180 Meter hoch werden. Nicht jedem gefällt das. Mehr Von Rainer Schulze

23.08.2016, 17:13 Uhr | Rhein-Main

Der Witz in Tüten

Von Matthias Trautsch

Was wäre der moderne Mensch ohne die Statistik. Nun gibt es auch ein Ranking über die Schultüte. Für die Hessen enthält sie eine gute, aber auch eine schlechte Nachricht. Oh Schreck! Mehr 1