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Veröffentlicht: 13.05.2017, 15:33 Uhr

„Escape-the-room“-Spiel Eine Stunde bis zum tödlichen Stromschlag

Bei „Escape-the-room“-Spielen gibt es viele Varianten. In Mainz-Mombach versuchen Teilnehmer, aus einem Psychiatrie-Raum zu entkommen. Die Uhr tickt unerbittlich. Am Ende wird es äußerst knapp.

von Franziska Pfeffer, Mainz
© Junker, Patrick Gemeinsam rätseln: Um den Raum verlassen zu können, muss das Team alle Aufgaben in der vorgegebenen Frist lösen.

„Fifty minutes left“, flüstert die Fistelstimme aus dem Lautsprecher neben der Tür. Kurz darauf ertönt ein markerschütternder Schrei. Uns fährt der Schreck in die Glieder. Doch für Angst bleibt keine Zeit. Wir müssen uns beeilen. In fünfzig Minuten ist alles vorbei. Und wenn wir die restlichen Rätsel bis dahin nicht lösen, bekommen die Patienten in der Psychiatrie einen tödlichen Stromschlag.

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Was nach Horrorfilm klingt, wird für vier Freundinnen und mich erlebbar. Wir sind Teilnehmer eines sogenannten Escape-the-Room-Spiels. Für 60 Minuten lassen wir uns in einen Raum im Mainzer Stadtteil Mombach einsperren. Der Schlüssel in die Freiheit ist in Reichweite – wir müssen ihn bloß finden. Das funktioniert allerdings nur, indem wir knifflige Aufgaben lösen, die überall in dem ungefähr 15 Quadratmeter großen Raum verteilt sind.

„Kommunizieren, Leute“

„Exit Experience“ heißt das Unternehmen, dass Julien Sotir seit rund zwei Jahren in Mainz betreibt. An zwei Standorten, in Laubenheim und Mombach, können insgesamt sechs Räume bespielt werden. Egal ob Sherlock, Wonka, Houdini, Gatsby oder Atombunker – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Das Interieur und die Rätsel sind Eigenbau. Monatelang tüfteln Sotir und vier Mitarbeiter an der teils komplexen Einrichtung. „Spielt man beispielsweise das Klavier im Gatsby-Zimmer, verändern sich wesentliche Details im Raum“, erläutert der Geschäftsführer. Seine Techniker seien wahre Erfinder und könnten auch die absurdesten Ideen realisieren.

Meine Freundinnen und ich, wir haben uns für den Psychiatrie-Raum entschieden, obwohl wir alle keine Gruselfans sind. Aber wenn schon „Exit Experience“, dann auch mit voller Adrenalindosis. Nach kurzer Einweisung fällt krachend die Türe hinter uns ins Schloss. Der Raum liegt dunkel vor uns. Nur langsam gewöhnen sich die Augen an das schummrige Licht. Wir befinden uns im Arbeitszimmer eines Psychiaters: grüne Tapete, braunes Ledersofa, drei Rorschach-Bilder hängen an der Wand hinter dem Schreibtisch. Ich kann in den Tintenklecksen nichts erkennen. Was das wohl über meine Persönlichkeit aussagt?

Die Suche beginnt. Wo fangen wir an? Was ist wichtig? Was ist eine falsche Spur? Erst mal verbreiten wir Chaos. Jede schaut in einer anderen Ecke. Im Wandregal stehen zwei braune Holzkisten mit Zahlenschloss. Doch wie finden wir die richtige Kombination? Florentine ruft: „Kommunizieren, Leute.“ Das hilft tatsächlich, ein wenig zumindest. Trotzdem fehlt uns der entscheidende Anfangshinweis. Hektik macht sich breit, denn die Uhr läuft unerbittlich gegen uns. Zehn Minuten sind schon verstrichen. „Fifty minutes left“, flüstert die Stimme.

Jetzt heißt es: clever kombinieren

Die Geschichte des Spiels klingt absurd und plausibel zugleich: Ein gewisser Dr. Cameron, ein renommierter Psychiater, wird von der amerikanischen Regierung beauftragt, den Geist kranker Menschen zu heilen und durch neue Experimente zu verändern. Seine Methoden sind streng geheim – und größtenteils illegal. Mit der Zeit erfahren wir, dass Camerons Patienten durch seine Experimente ernsthafte Schäden erleiden. Um die Machenschaften des Psychiaters zu stoppen, werden wir als Sonderkommando beauftragt, in sein Büro einzubrechen und Beweise zu sichern. Doch wo sind die versteckt?

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