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Eröffnung des „Bioversums Kranichstein“ Experimente im Zeughaus und am Schlossteich

04.09.2008 ·  Wiesen, Wälder und Dachshöhlen: In Kranichstein eröffnet das neue „Bioversum“, ein Museum für Artenvielfalt. Es ist das einzige seiner Art in Hessen. Die Besucher stehen nicht vor ausgestopften Tierpräparaten, sondern gehen auf Entdeckungsreise.

Von Rainer Hein
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Onno Faller ist eine leidenschaftliche Museumspädagogin. Deshalb würde sie im Kranichsteiner Zeughaus Kindern und Erwachsenen sogar zeigen, „wie ein Regenwurm schmeckt“. Nun gehören derartige Demonstrationen nicht zum Standardprogramm im „Bioversum Kranichstein“, wie das Museum für biologische Vielfalt heißt, das am 28. September im Jagdschloss Kranichstein eröffnet. Das Regenwurm-Beispiel gebrauchte Faller, Kuratorin der neuen Ausstellung, nur, um das didaktische Prinzip der Schau zu veranschaulichen. Das lautet: Die Besucher sollen in dem denkmalgeschützten Bruchsteingebäude aus dem Jahr 1689 und in der weitläufigen Schlossanlage „ganz neue Erfahrungen machen“, wenn sie den beiden zentralen Themen „Biodiversität“ und „biologische Invasionen“ nachspüren.

Das Museum für Artenvielfalt ist ein Projekt der Stiftung Hessischer Jägerhof, die das Zeughaus mit Unterstützung von Land, Stadt und Hilfe zahlreicher Institutionen, Unternehmen und privater Spender grundlegend saniert hat. In das erste Stockwerk ist schon 2006 der Landesjagdverband eingezogen, der dort Schulungen und Lehrgänge anbietet. Im rund 500 Quadratmeter großen Erdgeschoss des schmalen Barockbaus hat das Museum Platz gefunden. Derzeit sind dort noch die Handwerker dabei, jene Dioramen, Hörstationen und Infotafeln aufzubauen, die zum Inventar des Bioversums gehören, das auf zwei gleich große Räume aufgeteilt ist. Wie die Geschäftsführerin der Stiftung Hessischer Jägerhof, Monika Kessler, sagte, beläuft sich die Gesamtinvestition auf eine Million Euro. Dies seien 200.000 Euro mehr als kalkuliert.

In Dachs- und Fuchshöhlen lässt sich Licht anschalten

Biodiversität und biologische Invasion sind zwar sperrige Fachbegriffe, aber Kessler wie Faller zeigen sich davon überzeugt, dass die Bedeutung der Artenvielfalt und der Ausbreitung von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen anschaulich demonstriert werden kann. Denn die Landschaft bei Darmstadt sei über Jahrhunderte von den Landgrafen gestaltet worden, wozu der „Import“ von Damhirschen ebenso gehört habe wie die „Invasion“ des japanischen Knöterichs. In der so entstandenen Kulturlandschaft lasse sich daher die Biotopvielfalt genauso gut studieren wie das Gedeihen der ehemaligen „Neubürger“: „Die großen globalen Themen wie das Aussterben alter und die Entstehung neuer Arten oder die Vernetzung von Lebensräumen – das alles lässt sich im Mikrokosmos von Kranichstein hervorragend zeigen.“

An der Konzeption der Schau, die über 27 neu entwickelte interaktive Werkstatt-Stationen mit Präparaten, Spielen und zahlreichen Medien verfügt, waren unter anderem das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg, das Hessische Landesmuseum, der Botanische Garten und das Vivarium in Darmstadt sowie die Universität Rostock beteiligt. Die beiden Ausstellungsflächen im Zeughaus sind nicht als klassische Museumszonen gestaltet, in denen sich Tier- oder Pflanzenpräparate aneinanderreihen. Der Besucher begibt sich vielmehr auf eine Entdeckungsreise. Ein großes Diorama im Raum „Biodiversität“ zeigt zum Beispiel einen Ausschnitt des Waldes, der erkundet werden kann: In den Dachs- und Fuchshöhlen lässt sich Licht anschalten, die Bewohner des Waldes sind zu hören, und Infotafeln und Stationen an der Wand geben auf alle möglichen Fragen Auskunft – etwa zur Genetik der Ameise.

Exkursionen unter freiem Himmel

Neben solchen Formen der Interaktion gehören zur Didaktik von Bioversum Experimentierstationen etwa zu den Themen Wasser, Wiesen, Boden sowie das Freiluftprinzip: „Bei uns geht es immer nach draußen, egal ob es regnet, schneit oder Zecken hat“, sagt Faller. Für die Exkursionen unter freiem Himmel, ausgerüstet mit Karte und Forschungskoffer, steht das gesamte 16 Hektar große Jagdschlossareal zur Verfügung. Bis 2010 soll auch ein 16.000 Quadratmeter großer Museumsgarten mit Spürpfaden und Großmikroskopen hinter dem Zeughaus hergerichtet sein. Diese Museumserweiterung ist mit weiteren Kosten von 400.000 Euro kalkuliert, die bislang nur zur Hälfte finanziert sind.

Kessler rechnet im ersten Jahr mit rund 15.000 Besuchern, was mehr als eine Verdopplung der Besucherzahl des Jagdschlosses wäre. Das Bioversum hat schon Kontakte zu Schulen und Kindergärten geknüpft, denn man will vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen. Für sie soll es besondere Themenführungen geben. Zu den Museumsmitarbeitern zählen neben Faller nur ehrenamtliche Helfer, die als Biologen, Geologen, Erdkundelehrer und Umweltpädagogen des Landesmuseums qualifiziert sind. Zum Museumskonzept gehört ebenfalls der Preis: Mit drei Euro für Erwachsene, zwei für Kinder und günstiger Familienkarte liege der Eintritt deutlich unter dem anderer Museen, meint Kessler.

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Jahrgang 1958, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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