12.08.2011 · Seit 750 Jahren wird im unterfränkischen Erlenbach Wein angebaut. Vor allem Spätburgunder und Portugieser gedeihen gut.
Erlenbach ist eine Industriestadt. Doch in den Steillagen rund um den Ort reifen auf den uralten Bundsandsteinterrassen die wärmeliebenden roten Trauben, aus denen vollmundige Rotweine, insbesondere die Sorten Portugieser und Spätburgunder, entstehen. 1261 war der Weinbau in Erlenbach erstmals erwähnt worden. Das 750. Jubiläum ist für die Stadt Anlass zum Feiern. Bei einer Fachtagung „Steil- und Terrassenlagen im Weinbau“ ging es jüngst um die Bedeutung der historischen und teilweise unter Denkmalschutz stehenden Terrassenweinberge für die Kulturlandschaft und den Tourismus sowie um ökologische, kulturelle und soziale Aspekte. Gekommen war auch der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU), der die Region Bayerischer Untermain als die „Hochburg des fränkischen Rotweins“ und die Steillagen als eine touristische Attraktion bezeichnete. Während im Maindreieck um Würzburg und Volkach gerade einmal zwei Prozent der Anbaufläche mit roten Rebsorten bebaut sind, sind es in „Churfranken“, wie sich die Region zwischen Wertheim und Aschaffenburg seit einigen Jahren nennt, bis zu 80 Prozent. Der Minister stellte weitere Fördermittel in Aussicht und versprach, sich dafür einzusetzen, dass der von der europäischen Kommission geplante Wegfall der Anbaubeschränkungen verschoben werde. Denn der hohe Aufwand in den Steillagen würde sich nicht mehr auszahlen. „Sie könnten dann der Konkurrenz nicht mehr trotzen“, sagte Brunner.
Erlenbach ist mit seinen 10.000 Einwohnern zwar die größte Stadt im Kreis Miltenberg, aber die kleinste Weinbaugemeinde. Weinbau wird nur noch auf zehn Hektar fast ausschließlich von Winzern im Nebenerwerb betrieben. Vom Terrassenbau profitiert auch der Fremdenverkehr. Denn Erlenbach ist auch Ausgangspunkt für Spaziergänge auf dem Fränkischen Rotwein-Wanderweg, von dem aus sich phantastische Blicke ins Maintal bieten. Doch so schön die schmalen Buntsandsteinterrassen für das Auge des Betrachters sind, so schwierig gestaltet sich die Arbeit des Winzers. Am schwersten ist die Traubenlese. Wie vor Jahrhunderten müssen die Früchte mit Tragebütten auf dem Rücken über die Treppen zu den Sammelstellen getragen werden. Entsprechend hoch ist der Aufwand für die Traubenerzeugung. Die extreme Hanglage sorgt allerdings auch für die Qualität des dort angebauten Weines. Die Steilhänge bieten den Reben optimale Bedingungen, weil sie im Jahresablauf wesentlich länger von der Sonne profitieren als Rebflächen im Tal. Gerade im Herbst, wenn die Sonne nicht mehr ihre volle Kraft entfaltet, können dort noch die allerletzten Strahlen eingefangen werden. Die Buntsandsteinterrassen speichern tagsüber die Wärme und geben sie nachts wieder frei.
Sozialgeschichte an der Landschaft
Hans-Peter Schwarz von der Forschungsanstalt Geisenheim referierte über die „Steillagenmechanisierung der Zukunft“. Nach seinen Angaben sind bei reiner Handarbeit in den steilen Terrassen im Extremfall bis zu 3000 Arbeitsstunden pro Hektar nötig. Mit dem Einsatz von Maschinen lasse sich dieser Aufwand im Idealfall auf 180 bis 250 Stunden verringern, sagte er.
Franz Höchtl von der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz wies auf die sozialen und kulturellen Aspekte historischer Terrassenweinberge hin. Nach seinen Worten dokumentieren sie die hochentwickelte Handwerkskunst unserer Vorfahren, die den Weinbau auf instabilen Hängen durch ausgeklügelte Mauertechniken und Wasserableitungssysteme erst ermöglicht hätten. Höchtl zufolge manifestiert sich in der Art, wie die Landschaft gestaltet wurde, auch Sozialgeschichte. Die Mauern in Erlenbach seien extrem gut ausgeführt worden. Das weise darauf hin, dass es der Gemeinde finanziell gut gegangen sei.