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Energiewende Bad Homburg will eine grüne Stadt werden

14.07.2011 ·  Die Stadt Bad Homburg will bis 2020 ihren Strombedarf nur noch aus regenerativen Energien decken. Dabei soll Windkraft von den Taunushöhen helfen.

Von Heike Lattka
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Die energiepolitische Wende beginnt mit kleinen Schritten. Seit Anfang Juni nutzt die Stadtverwaltung Bad Homburg den Service „GoGreen“ der Deutschen Post. Die etwa 150.000 Briefe im Jahr werden gegen die Entrichtung einer geringen Zusatzgebühr in Höhe von knapp 100 Euro „klimaneutral“ zugestellt. Die Aktion reiht sich in ein energiepolitisches Großprojekt, das sich das neue politische Bündnis in der Stadtverordnetenversammlung vorgenommen hat. Bis 2020 soll die Kurstadt so viel Strom erzeugen, wie sie verbraucht - und dies allein mit Hilfe von regenerativen Energien. Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) sieht in der Energiewende eines seiner wichtigsten Anliegen: „Wir haben einen immensen Nachholbedarf.“

Und der Oberbürgermeister geht mit gutem Beispiel voran: Sein Dienstwagen ist ein Hybridauto, die Umrüstung des städtischen Fuhrparks auf Elektroautos folgt. Das Bündnis aus Grünen, SPD, Bürgerliste Bad Homburg (BLB) und Neuer Homburger Union (NHU) unterstützt den Rathauschef in seinen Plänen: „Es gilt Alarmstufe Rot für den Bäderstatus“, heißt es im Koalitionsvertrag. Die politisch Verantwortlichen sorgen sich insbesondere um die Luftqualität: Wenn 2017 die nächste Prädikatisierung des Kurstadtstatus ansteht, gelten schärfere Grenzwerte, die heute schon neue Anstrengungen zur Luftreinhaltung notwendig machen.

30 Prozent weniger Schadstoffe als Soll

Nach Schätzungen Korwisis sind von 282 städtischen Gebäuden derzeit lediglich zehn Prozent „energetisch tipptopp“. Bis 2018, so die Vorgabe, sollen 30 Prozent weniger Schadstoffe die Bad Homburgs Champagnerluft belasten. Mit neuen Blockheizkraftwerken, der Kraft-Wärme-Kopplung und dem Ausbau von Bürgersolaranlagen allein wird das ehrgeizige Ziel nicht zu erreichen sein.

Das Bündnis will deshalb die Stadtwerke wie einen Energiekonzern aufstellen: Der Vertrag mit dem Stromversorger Süwag läuft im Jahr 2016 aus, danach sollen die Stadtwerke die Konzession für die Stromleitungen im Stadtgebiet selbst übernehmen und auch Anlagen zur Stromerzeugung finanzieren. Korwisi setzt insbesondere auf Windkraft von den Taunushöhen. Mit den Nachbarn in Wehrheim, Grävenwiesbach und Weilrod werde schon über den Bau von Windkraftparks verhandelt.

Niedrigenergiestandard auf Sportanlage

Ohne ein großes finanzielles Engagement mit Ausgaben in zweistelliger Millionenhöhe in dieser Wahlperiode sei der nachhaltige Umbau der Energiesysteme in Bad Homburg nicht möglich, sagt Korwisi. Derzeit würden vielerorts in der Stadt mit Blick auf Klimaschutz und Energiewende hohe Beträge in energetische Verbesserungen investiert. Die Sportanlage Wiesenborn habe einen Neubau in Niedrigenergiestandard für 2,7 Millionen Euro bekommen. Als Passivhaus sei die knapp 3,3 Millionen Euro teure Kinderkrippe an der Dietigheimer Straße errichtet worden, das Projekt senke den Kohlendioxidausstoß um 28 Tonnen im Jahr. Nach der Sanierung von Heizung und Lüftung stoße das Bürgerhaus Kirdorf knapp 60 Tonnen Kohlendioxid im Jahr weniger aus. Das Technische Rathaus, früher Sitz der Bundeswertpapierverwaltung, habe eine Photovoltaikanlage aufs Dach bekommen, die Kohlendioxideinsparung betrage rund zwölf Tonnen jährlich, listet Korwisi auf.

Am Mariannenweg wurde nach seinen Worten ein 60 Jahre altes Versprechen für eine bessere Beleuchtung auf energetisch elegante Weise eingelöst: Die neuen LED-Leuchten brauchen deutlich weniger Strom und vermindern die Schadstoffemissionen um etwa vier Tonnen. Parallel würden die Bad Homburger Ampelanlagen nach und nach auf die energiesparende LED-Technik umgerüstet, kündigte Korwisi an.

Die Investitionen in die Umwelt seien auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten interessant, so der Oberbürgermeister. Denn angesichts ständig steigender Energiepreise amortisierten sich die Investitionen schnell.

Kita-Bau nach höchsten energetischen Standards

Die künftigen Vorhaben der Stadt stehen nach seinen Angaben schon fest. Weitere 13 Millionen Euro sollen in die Gesamtsanierung des Technischen Rathauses unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Aspekte fließen. Sieben Millionen Euro seien für die neue Sporthalle in Gonzenheim veranschlagt. Die Kindertagesstätte in Dornholzhausen werde für fünf Millionen Euro nach den höchsten energetischen Standards gebaut. Die Energiespar-Umrüstung steht den Feuerwehrhäusern, der Albin-Göring-Halle und den Vereinsheimen bevor. Sein besonderes Augenmerk richtet Korwisi auf das Bahnhofsareal: In der ehemaligen Gepäcklagerstation soll ein Blockheizkraftwerk gebaut werden, das später die gesamte Umgebung mit Strom versorgen werde.

Der Weg Bad Homburgs zur umweltfreundlichsten Stadt der Region ist dennoch weit. In der „Solar-Bundesliga“, die Kommunen nach der Nutzung von Wärme und Strom aus Solarthermie und Photovoltaikanlagen plaziert, belegt die Kurstadt bundesweit nur die Position 1421 - unter den 13 Städten und Gemeinden im Hochtaunuskreis ist sie sogar Schlusslicht. „Spätestens in zwei Jahren“, kündigt Korwisi dessen ungeachtet an, „belegen wir zumindest im Hochtaunuskreis einen Spitzenplatz.“

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Jahrgang 1960, Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

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