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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie Zukunft von Staudinger ungewiß

 ·  Ob der Energiekonzern Eon einen neuen Kraftwerksblocks auf dem Gelände des Kraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg bauen wird, ist weiterhin unklar. Die Blöcke eins, zwei und drei werden voraussichtlich 2012 stillgelegt.

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Bis zum Jahresende wird mit einer Vorentscheidung der Leitung des Energiekonzerns Eon über den möglichen Bau eines neuen Kraftwerksblocks auf dem Gelände des Kraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg gerechnet. „Dann werden wir zumindest wissen, ob wir unsere Planungen fortsetzen können“, sagte Standortleiter Edgar Kaufhold in einem Pressegespräch.

Bis Ende Dezember muß sich Eon nach dem Willen des Gesetzgebers darauf festgelegt haben, ob die Blöcke eins bis drei bis zum Jahr 2012 stillgelegt und die entsprechenden Anlagen zurückgebaut werden sollen. Vermutlich wird Eon an der Aufgabe der drei Blöcke nicht vorbeikommen. Die Blöcke eins und zwei gingen im Jahr 1965 in Betrieb, Block drei folgte 1977. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen neuen Emissionsgrenzwerte können sie damit nicht mehr einhalten, und eine Umrüstung wird nach den Worten Kaufholds kaum wirtschaftlich sein.

Um den Kapazitätsverlust von etwa 800 Megawatt bei einer Stillegung zu ersetzen, denkt der Konzern an den Bau eines neuen Kraftwerksblocks für rund 1,2 Milliarden Euro bis zum Jahr 2014. Dabei ist es aber nach Mitteilung von Eon-Sprecher Clemens Tauber nicht gesagt, daß der neue Block in Großkrotzenburg entstehen wird: „Staudinger steht im internen Wettbewerb mit anderen Standorten des Unternehmens“, so Tauber. Es gebe 40 mögliche Betriebsstätten, von denen vielen mehr Fläche zur Verfügung stehe als in Großkrotzenburg.

Binnenstandort Staudinger

Der Standort in der Nähe von Hanau sei aber ein wichtiger im Gefüge der Eon-Betriebsstätten. So bestehe dort ein Netzknoten der Firmentrasse von Nord nach Süd. Es sei für das Unternehmen wichtig, dort regelmäßig Strom einzuspeisen, insbesondere dann, wenn die Windkraft in den nördlichen Regionen witterungsbedingt ausfalle und kurzfristig durch Strom aus Süddeutschland ersetzt werden müsse. Als Vorteil Staudingers sieht Tauber auch die Tatsache an, daß es sich um ein Kohlekraftwerk handelt: Kohle besitze nicht nur ein geringes Preisrisiko, sie sei auch notwendig für einen „variablen Energiemix“. Der Binnenstandort Staudinger erlaube dank seiner verkehrsgünstigen Lage eine reibungslose Anlieferung des Rohstoffs per Schiff und per Bahn.

Die Entscheidung der Konzernspitze kann auf den Betrieb des Kraftwerks Staudinger folgenschwere Auswirkungen haben. Werde der Ersatzblock anderswo errichtet, könnte der Standort Staudinger „ganz schnell weg sein“, wie Kaufhold sagt. Daran würde nach seiner Darstellung auch die Verwirklichung eines weiteren geplanten Millionenprojekts in Großkrotzenburg nicht viel ändern: Für den Bau eines 63 Millionen Euro teuren Kohlelagers hat Eon eine Änderung des Regionalplans beantragt. Über die Genehmigung wird am 23. Juni entschieden. Der Neubau erfordert eine nordöstliche Erweiterung der Kraftwerksfläche. Eine erste Fläche auf dem Areal des einstigen Nato-Ölhafens hat das Unternehmen dafür bereits erworben, der zweite Teil soll folgen.

Sanierung von Grundwasser und Boden

Das Projekt erfordert umfangreiche Arbeiten. So muß das Areal vor dem neuen Lager als Überschwemmungsraum für Hochwasser mit einem Fassungsvermögen von 62.000 Kubikmetern hergerichtet werden. Dafür sollen auf der Erweiterungsfläche ein Polder und ein Deich geschaffen und der Boden um fast zwei Meter abgegraben werden. Mit dem Erwerb des Geländes des Nato-Ölhafens von der Bundesimmobilienagentur verpflichtet sich das Unternehmen zudem zu einer aufwendigen Sanierung von Grundwasser und Boden nach einem biologisch-physikalischen Verfahren bis zum Jahr 2013.

Geht es nach den Vorstellungen des Unternehmens, wird am Standort bis Mitte 2009 ein zweiteiliges Kohlelager neu entstehen. Derzeit werden die 400.000 Tonnen Kohle, die durchschnittlich gelagert werden, unter freiem Himmel mit viel Maschineneinsatz bewegt; das neue Lager wird laut Kaufhold mit automatisierten Bandanlagen und der Aufbewahrung in geschlossenen Räumen deutlich weniger Belastung an Lärm und Staub für die Umwelt mit sich bringen. Allerdings wird das Lager näher an die Wohnbebauung in Großauheim heranrücken.

In ersten Gesprächen mit dem Hanauer Oberbürgermeister und dem Landrat des Main-Kinzig-Kreises hat Eon schon einmal vorgefühlt. Dabei sei man in Hanau auf eine „gewisse Skepsis“ gestoßen. Alle benachbarten Kommunen und Betroffene sollen über beide Projekte ausgiebig informiert werden und Gelegenheit bekommen, ihre Bedenken frühzeitig zu äußern, wie der Standortleiter ankündigt.

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