14.02.2007 · Bad Homburg und Oberursel planen, die Versorgung mit Gas und Wasser zusammenzulegen. In Oberursel sinken zudem die Gaspreise.
Von Bernhard BienerDem jetzt auch auf dem Gasmarkt einsetzenden Wettbewerb werden die Stadtwerke von Bad Homburg und Oberursel vermutlich mit dem Zusammenschluss ihrer Versorgungssparten Gas und Wasser begegnen. Seit November gebe es hierüber Gespräche mit der Nachbarstadt, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Oberursel und ihrer Tochtergesellschaft Taunagas, Jürgen Funke. Zugleich stellte er eine neue Tarifstruktur von Taunagas vor. Danach gibt es nur noch vier „Erdgasprodukte“, deren Einführung mit Preissenkungen verbunden ist.
Über die beabsichtigte Kooperation mit Bad Homburg seien Aufsichtsrat, Parlament und Mitarbeiter informiert worden, sagte Funke. Vor allem beim Netzbetrieb gelte es, Größenvorteile zu nutzen. Denn es sei absehbar, dass die Netzentgelte, also die Durchleitungskosten, die Drittanbietern in Rechnung gestellt werden dürften, langfristig sinken würden.
Teilfusion der Stadtwerke
Ob die von Taunagas im vergangenen Jahr angestellten Berechnungen anerkannt würden, sei noch nicht klar. „Wir haben noch keinen Bescheid vom hessischen Wirtschaftsminister“, so der Geschäftsführer. Die Zusammenarbeit mit Bad Homburg biete sich wegen der ähnlichen Struktur an. Denn auch dort lieferten die Stadtwerke neben Wasser auch Gas, während ringsum die Energieunternehmen Mainova und Süwag dominierten. Außerdem habe man denselben Vorlieferanten.
Funke bestätigte, dass die Überlegungen über die gemeinsame Instandhaltung des Leitungsnetzes hinausreichten und eine Fusion einschlössen. Dazu gehöre ein gemeinsamer Marktauftritt für Gas und Wasser, mit dem man auch eine „Leitfunktion“ für das übrige Kreisgebiet übernehmen und zum Beispiel die Wasserversorgung organisieren könne. Allerdings müsse der Bad Homburger Eigenbetrieb vorher in eine GmbH umgewandelt werden. Die übrigen Aufgaben der benachbarten Stadtwerke, die beide ein Schwimmbad betreiben, wären von der Fusion wohl eher ausgenommen. Zumal es Unterschiede gibt: Die Stadtwerke Oberursel haben eine Holding-Funktion und sind unter anderem für die Parkhäuser, die Stadthalle oder den Busverkehr zuständig. Dies wird in Bad Homburg von der Stadt selbst und der Kur- und Kongress GmbH organisiert.
Die Bad Homburger Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) hatte in der Stadtverordnetensitzung am 1. Februar eine „strategische Neuausrichtung“ der Stadtwerke angekündigt und dabei „nichts ausgeschlossen“. Konkreteres war allerdings auch gestern nicht aus dem Bad Homburger Rathaus zu hören, außer der Absicht, eine ortsnahe Versorgung zu sichern. Während Funke davon annahm, dass bis Ende März über den Startschuss der weiteren Zusammenarbeit entschieden sein könnte, bezeichnete der Sprecher der Bad Homburger Stadtverwaltung, Andreas Möring, diesen Zeitplan als unrealistisch. Der Vorbereitung auf den Wettbewerb, der mit der bundesweit agierenden Eon-Tochtergesellschaft „E wie einfach“ an Fahrt gewinnen könnte, dient auch das neue Taunagas-Angebotsgefüge.
Tarif wird günstiger
Statt mit Kleinverbraucher- oder„VHE“-Tarifen, deren Bedeutung „Vollversorgung Heizgas Eingangsstufe“ selbst bei den Stadtwerken nicht mehr jedem geläufig ist, bedient Taunagas die gut 9500 Kunden jetzt mit vier Produkten. Wer nur mit Gas kocht, kann auf „Taunagas mini“ zurückgreifen. Für kleine und mittelgroße Wohneinheiten kommt „midi“ in Frage, und für Großverbraucher ist, wenig überraschend, „Taunagas maxi“ gedacht. Die vom Energiewirtschaftsgesetz geforderte Grundversorgung, die ohne gesonderte Verträge angeboten werden muss, stellt „Taunagas basic“ sicher.
Nachdem das vergangene Jahr von Preissteigerungen geprägt war, geht die neue Struktur nach Worten von Vertriebsleiterin Sandra Schmidt mit einem günstigeren Tarif zum 1. April einher. Ein Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahle im Jahr brutto 117 Euro weniger und spare damit neun Prozent. Dies entspreche einer Senkung des Gesamtpreises um 0,59 Cent je Kilowattstunde. Die Preise würden bis Ende des Jahres garantiert. Nach Worten Funkes bekommen 90 Prozent der Kunden im Februar einen Vertrag mit den neuen Angeboten zugeschickt.
Bernhard Biener Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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